„Man hat vor mehreren Tausend Zuschauern Fußball gespielt, jetzt sitzt man auf der Schulbank, hat wieder Mathe, Physik und Chemie. Es war schon eine Umstellung.“ So wie Ex-Profi Ronny Jank seine Ausbildung zum Bautechniker schildert, dürfte es vielen Spitzensportlern gehen, die den Weg ins Berufsleben antreten. Auch Thomas Kläsener beschreibt seinen bevorstehenden Umstieg vom Stadion in ein Trainee-Programm bei einem mittelständischen Unternehmen als kleinen Kulturschock: „Ab September schnuppere ich in eine Firma rein und stelle mich nach 15 Jahren Profifußball mal dem Ernst des Lebens.“

Wenn man sich frühzeitig auf die Zeit nach der Sportkarriere vorbereitet, lässt sich nicht nur ein erfolgreicher Übergang vom Topathleten zum Arbeitnehmer gestalten. Auch ein Motivationsloch kann man so vermeiden. Ehrgeiz und Durchhaltevermögen lassen sich schließlich auch auf Bereiche abseits von Tartanbahn und Schwimmbecken richten. Der ehemalige BVB-Profi Knut Reinhardt nahm am Ende seiner Fußballerlaufbahn sein Lehramtsstudium wieder auf. „Ich habe immer schon gedacht, man muss auch nach der sportlichen Karriere eine Aufgabe haben“, sagt er. „Nur auf dem Sofa sitzen und durch Teleshopping-Kanäle zappen ist zu wenig.“

Auch Schwimm-Olympionike Christian Keller findet die Umstellung auf den Berufsalltag machbar. Im Gespräch mit Selfmade-Erfolg sagt er: „Der Rhythmus stellt sich eigentlich mit den weiteren Aufgaben ein. Ich habe jetzt einen disziplinierten und strukturierten Tagesplan wie vorher auch, nur eben nicht im Sport, sondern bei Familie und Beruf.“

Die Doppelbelastung als weitere Herausforderung

Plötzlich alles selbst organisieren zu müssen, wo man als Athlet bislang stets vorbereitete Trainingspläne bekam, fällt ebenfalls nicht jedem leicht. Keller rät, sich auch und gerade als Leistungssportler eine gewisse Selbstständigkeit zu bewahren. „Sponsoring, Trainingslager und andere Veranstaltungen habe ich eigentlich immer schon in der eigenen Hand gehabt, deshalb war es keine so große Umstellung für mich. Sicherlich fällt es einem leichter, wenn man das schon kennt.“

Zweigleisig zu fahren ist nicht einfach und kann Umwege nötig machen. Knut Reinhardt musste zwischenzeitlich vor der Doppelbelastung aus Stadion und Hörsaal kapitulieren: „Da war ein Studium nebenbei einfach nicht mehr drin.“ Fechterin Claudia Bokel verlegte ihren Studienort in die Niederlande, weil sie es dort flexibler ihren Wettkämpfen anpassen konnte.

„Wenn man den Tiger im Herzen hat, kann man alles erreichen“


Christian Keller, 39, nahm als Schwimmer vier Mal an den Olympischen Spielen teil, ist ZDF-Kommentator und arbeitet heute bei der BHF-Bank. Quelle: privat

Stellt der Stress einer Ausbildung also womöglich sogar ein Risiko für die sportliche Leistungsfähigkeit dar? Christian Keller bezweifelt das: „Ich glaube schon, wenn man sich etwas mehr Zeit nimmt, dann lenkt einen das nicht unbedingt ab. Deshalb habe ich ja auch meine Ausbildung um 6 Monate verlängert, weil ich diese Erfahrung gemacht habe. Wenn man alles gut vorher organisiert
und plant, hält einen das nicht unbedingt von den Wettkämpfen ab.“

Und auf seine Stärken kann sich ein Leistungssportler auch beim Wechsel in den Beruf verlassen. Arbeitgeber schätzen an ehemaligen Topathleten deren Leistungsbereitschaft und Durchhaltewillen. Auch Christian Keller meint, dass Spitzensportlern vor der Zeit danach nicht bang werden muss: „Wenn man den Tiger im Herzen hat, sage ich immer, kann man alles erreichen. ,Den Tiger im Herzen‘ bedeutet für mich: Durchsetzungsfähigkeit, Zielsetzung, sich auf das Wesentliche zu fokussieren, nicht aufzugeben, an das Positive zu denken und auch positiv zu handeln.“

Cord Krüger

Morgen lesen Sie im vierten Teil der Serie „Die Hürden für Spitzensportler“ Erfolgsgeschichten von  Spitzensportlern, die den Sprung ins Berufsleben geschafft haben und warum andere gescheitert sind.

Teil I: Was kommt nach der Sportkarriere?
Teil II: Karriereförderung für Topathleten

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