So unterschiedlichen wie die Anschreiben oder Lebensläufe geben sich Bewerber auch im Vorstellungsgespräch. Während der eine Kandidat unkontrolliert zu zittern beginnt und vor Panik am liebsten aus dem Raum stürmen würde, scheint der nächste dem Personaler vor Selbstbewusstsein fasst auf den Tisch zu springen. Wir sagen Ihnen, was die unterschiedlichen Bewerbertypen ausmacht und welche Tipps sie beachten sollten.


Der Ängstliche

© Elnur - Fotolia.comDer ängstliche Bewerbertyp leidet schon Tage vor dem Termin unter Panikattacken und bekommt während des Gesprächs kaum einen Ton heraus, geschweige denn, dass er sich an seine zurechtgelegten Antworten erinnern kann. Auf die meisten Fragen folgt dann zunächst ein „Ähm“, die Körperhaltung ist verkrampft oder er beschäftigt sich mehr damit, die Hände zu kneten und hektisch mit dem Fuß zu wippen, anstatt dem Personaler zuzuhören.

Unser Tipp: Ein gesunder Respekt vor dem Vorstellungsgespräch ist normal – wenn man zu viel Angst hat, fällt es jedoch schwer, Souveränität und Kompetenz auszustrahlen. In diesem Fall sollten Sie intensiv vor dem Spiegel trainieren und das mögliche Interview mehrmals durchspielen. Überlegen Sie sich dabei auch, welches die unangenehmsten oder schwierigsten Fragen für Sie wären. So sind Sie auf alles vorbereitet. Führen Sie sich zudem immer wieder Ihre Qualifikationen vor Augen und erinnern Sie sich laut daran, dass Sie der geeignetste Kandidat für die Stelle sind. Kurz vor dem Gespräch empfiehlt es sich dann durchzuatmen, eventuell einen Tee zu trinken oder ein Bonbon zu lutschen, um die Nerven zu beruhigen. Aber bitte denken Sie daran, Bonbon oder Kaugummi nicht im Mund zu behalten, wenn Sie hineingehen.


Und selbst, wenn Sie die Stelle hinterher nicht bekommen sollten – versuchen Sie das Gespräch nicht als gescheitert, sondern als Übung zu betrachten.


Der Alleskönner

© Elnur - Fotolia.comDer Alleskönner geht meist sehr locker in das Gespräch – manchmal zu locker. Schließlich weiß er alles, hat das bereits tausendmal erlebt und ist absolut von seinen Kenntnissen und Fähigkeiten überzeugt. Schwächen kann er zwar keine benennen, dafür aber stundenlang über seine Stärken sprechen oder wie aus der Pistole geschossen sagen, warum man ihn einstellen sollte: „Natürlich, weil ich der Beste bin!“

Unser Tipp: Es ist gut, selbstbewusst ins Jobinterview zu gehen, aber wenn man zu sehr von sich überzeugt ist und beispielsweise keine Schwächen nennen kann, wirkt dies schnell überheblich oder aufgesetzt. Jeder hat Schwächen, doch nur, wer sie kennt, kann auch daran arbeiten. Darum ist die Fähigkeit zur kritischen Selbstreflexion wichtig. Das zeigt, dass Sie lernfähig sind.

Weiterhin ist es zwar gut, wenn Sie die typischen Fragen auswendig kennen und darauf Antworten parat haben, aber bleiben Sie trotzdem spontan – es könnte ja auch mal anders laufen. Vorbereitung, wie sich über das Unternehmen zu informieren, gehört immer dazu. Egal, wie viele Gespräche man bereits geführt hat.


Der Kommunikationsfreudige

© Elnur - Fotolia.comNatürlich geht es darum, sich im Vorstellungsgespräch zu präsentieren – aber das Wort „Gespräch“ impliziert auch, dass man keinen Monolog führen sollte. Der kommunikationsfreudige Bewerbertyp sieht das meist etwas anders. Er holt bei seinen Antworten weit aus und kommt vom Hundertsten ins Tausendste – häufig ohne Punkt und Komma. Der Personaler weiß hinterher gar nicht mehr, um welche Frage es jetzt eigentlich ging oder was man ihm überhaupt mitteilen will. Schlimmstenfalls fällt der Kommunikationsfreudige seinem Gegenüber noch ins Wort und lässt den Interviewer gar nicht ausreden.

Unser Tipp: Wenn Sie in Stresssituationen dazu neigen wie ein Wasserfall zu reden, bitten Sie im Vorfeld Freunde um Hilfe, mit denen Sie das Gespräch durchspielen können. Ihre Aufgabe sollte es dabei sein, die Antwort in ein bis zwei Sätzen auf den Punkt zu bringen. Sobald Sie zu weit ausholen, kann Sie Ihr Gegenüber stoppen und darauf hinweisen.


Der Ehrliche

© Elnur - Fotolia.comAuch wenn es hart klingt: Mit der ungeschönten Wahrheit kommt man im Vorstellungsgespräch meist nicht weit. Der ehrliche Bewerbertyp kann zwar punkten, wenn er einen Personaler vor sich hat, der diesen Charakterzug schätzt – aber in den meisten Fällen ist eine zu ehrliche Antwort eher hinderlich. So gesteht er auch mal, dass es ihm schwerfällt, morgens aufzustehen und er deshalb oft zu spät kommt oder dass er gekündigt hat, weil es mit dem vorherigen Chef zu große Differenzen gab. Faktoren, die aus Sicht der meisten Personaler gegen den Kandidaten sprechen werden.

Unser Tipp: Ehrlichkeit ist ein wichtiger Charakterzug und sicherlich bei manchen Fragen – beispielsweise in Bezug auf die Qualifikationen und Berufserfahrung – absolut notwendig. Sie sollen auch nicht lügen. Aber vielleicht finden Sie ja eine Antwort, die wahrheitsgemäß ist und trotzdem besser beim Interviewer ankommt. Beispielsweise könnte man auf die Frage, warum man den derzeitigen Job aufgeben möchte, sagen, dass eine bestimmte Aufgabe der neuen Stelle besonders reizvoll erscheint und man sich beruflich weiterentwickeln möchte.

Der Indirekte

© Elnur - Fotolia.comWährend der ehrliche Bewerbertyp meist zu direkt ist, ist der indirekte Bewerbertyp oft zu vage. Schon im Anschreiben verwendet er überwiegend Passivkonstruktionen, spricht im Vorstellungsgespräch viel von „man“ anstatt von „ich“ und baut gerne Adverbien wie „eigentlich“ „vielleicht“ oder „eventuell“ ein. Statt eine klare Meinung zu vertreten und diese zu vermitteln, weicht man eher aus und scheint, um den heißen Brei herumzureden.
Unser Tipp: Sie müssen dem Personaler nicht Ihre Meinung aufzwingen, aber wenn er gezielt nach Ihren Erfahrungen fragt, berichten Sie auch davon. Vermeiden Sie schwammige Begriffe und seien Sie so konkret wie möglich. Werden Sie beispielsweise nach Ihren bisherigen Aufgabenbereichen oder besonderen Projekten gefragt, sagen Sie nicht: „Ja also eigentlich hat man dort so ziemlich alles gemacht. Als besonders könnte man vielleicht das Projekt XY bewerten.“
Hier geht es um konkrete Erfahrungen, Qualifikationen und Ihre Meinung. Zählen Sie also stattdessen Ihre wichtigsten Aufgabenbereiche auf und heben Sie ein Projekt hervor, das möglichst zur neuen Stelle passt.

Auch hier empfiehlt sich das Training mit Freunden und Bekannten.


Fazit: Wie immer kommt es bei jedem Bewerbertyp auf das richtige Maß an. Respekt ist gut – Angst oder Panik sind hingegen genauso schlecht wie Überheblichkeit oder Aussagen ohne Gehalt. Die besten Chancen haben Sie also, wenn Sie ein Stück von jedem Bewerbertyp mitbringen: Wenn Sie selbstbewusst auftreten, sich vermarkten können, dabei keine Hemmungen haben zu kommunizieren und Ihre Meinung zu sagen, aber überdies freundlich, respektvoll und grundsätzlich ehrlich bleiben, werden Sie bei jedem Jobinterviewer punkten können. Wer dabei noch authentisch und spontan ist, überzeugt in eigentlich allen Gesprächssituationen.

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