Sie sind diszipliniert, teamfähig, erfolgsorientiert, zielgerichtet und strukturiert. Die Rede ist von Leistungs- und Profisportlern. Eigentlich wünscht sich jeder Arbeitgeber einen Mitarbeiter mit diesen Eigenschaften. Trotzdem ist der Berufseinstieg für Spitzensportler immer eine große Hürde, wenn die Sportkarriere einmal beendet ist.

22 Jahre jung und endlich den Lebenstraum erfüllt: Goldmedaille bei Olympia.
Nachrichten, Sponsoren und Vereine reißen sich um einen. Die Familie, Verwandten und Freunde platzen vor Stolz, und kaum einer der Beteiligten wird in so einem Moment darüber nachdenken, was in zehn Jahren sein wird. Aber viele Sportarten haben ihre Altersbegrenzung und das Karriereende kommt garantiert. Wenn man ein besonderes Talent ist und jedes Jahr neue Rekorde aufstellt, Bestzeiten hinlegt und immer gewinnt, lässt sich das Ende hinauszögern. Aber es kommt. Garantiert.
Genau in diesen Situationen finden sich Leistungs- und Profisportler oft nicht zurecht. Einige stehen sogar vor dem Nichts:

Birte Steven ist ehemealige Leistungs-schwimmerin, hat bei EM, WM und Olympia teilgenommen. Heute ist sie Sportpsychologin an der deutschen Sporthochschule Köln.



kein guter Schulabschluss, keine Ausbildung, kein Studium. Selbst wenn die „Erlöse“ der Sportkarriere sparsam verlebt wurden und ein pralles Konto bleibt, liegen oftmals noch 30, 40 oder 50 Jahre vor dem Sportler/der Sportlerin. Wenn man so gut verdient wie beim Profifußball, braucht man eventuell keine Arbeit, kann von den Zinsen leben – aber viele Fußballer sind genau mit diesem Gedanken schon auf die Nase gefallen. Zu hoch waren die Ansprüche, zu risikoreich einige Investitionen und zu hoch so manche Rate.

Sportpsychologin Birte Steven kennt diesen Wendepunkt im Leben sehr gut. Sie hat ihn als ehemalige Leistungsschwimmerin auch am eigenen Leib erlebt. Im Gegensatz zu anderen hat sie sich jedoch bereits frühzeitig um eine Berufskarriere neben und nach dem Schwimmengekümmert. Geblieben ist sie im Bereich Sport, aber jetzt hilft sie anderen nicht nur, deren Sportkarriere zu fördern, sondern  begleitet die Sportler auch in privaten Fragen. Unter anderem nimmt Sie sich ihrer Probleme und Ängste an und hilft auch beim Karriereende: „Um das Sportende vorzubereiten, kann man beispielsweise zusammen analysieren, wo die Stärken teilgenommen. liegen und welche Ziele derjenige noch hat. Manchmal sind diese Ziele allerdings nicht sehr realistisch. Ohne einen bestimmten Bildungsgrad oder die nötige Berufserfahrung gehen einige Dinge eben nicht.

Viele verschließen die Augen

Die Sportpsychologin weiß auch, dass manche Sportler dieses Ende einfach nicht sehen wollen. Vollkommen überrascht scheinen sie dann dazustehen, wenn alles vorbei ist: „Das nennt man dann Sportlerfalle. Manche sind so in ihrem Sport gefangen, dass sie gar nicht darauf achten das Ende vorzubereiten. Es gibt einige Sportler, die nicht mehr richtig Fuß fassen konnten und mit ihren beruflichen Ideen gescheitert sind. Einige kommen dann auch stark mit Drogen und Alkohol in Kontakt.“

Um diesen Sturz zu vermeiden, bemüht sich der organisierte Sport in den oberen Klassen immer mehr, die Sportler auf das Ende ihrer Karriere vorzubereiten. Frühzeitig werden die jungen Athleten –sofern es neben dem Sport möglich ist – darin unterstützt, kompatible Ausbildungsplätze oder Studiengänge zu finden.

Mitverantwortlich dafür sind die Laufbahnberater, die die jeweiligen Olympiastützpunkte des Landes betreuen. Sie können einen gewissen Überblick über die Karriereplanung und Berufswelt geben und beim Weg helfen. Dazu kommen natürlich auch Sportpsychologen, die auf die mentalen Eigenschaften hinarbeiten und helfen, dass Karriereende auch emotional zu verarbeiten. Denn leicht ist auch dieser Punkt nicht, wie Birte Steven weiß: „Wenn das Ende kommt, ist das ein riesen Einschnitt im Leben. Oft kommt es auch zu Phasen, in denen man an die Zeit zurückdenkt, sich erinnert, wie schön es war und überlegt, ob man nicht vielleicht ein Comeback wagen sollte. Aber diejenigen, die das wirklich versuchen, sind oft einfach nicht richtig in ihrem Berufsleben angekommen. Vielleicht können manche auch nicht die Leidenschaft zu ihrem Beruf entwickeln, wie sie es für ihren Sport empfunden haben.“

Schließlich ist es ein Glücksgriff, nicht nur einen bestimmten Sport zu finden, den man liebt, sondern dann zusätzlich einen bestimmten Beruf zu finden und zu bekommen, den man mindestens ebenso schätzt. Selbst normale Arbeitnehmer bekommen nicht immer ihren Traumjob oder wissen manchmal gar nicht, welchen Job sie überhaupt machen wollen.

Die Schwierigkeiten im Zeitplan

Selbst wenn ein Sportler mit Hilfe von Laufbahnberatern, Personalvermittlungen, Trainern, Sportpsychologen oder unterstützenden Vereinen einen Beruf gefunden hat, treten weitere Schwierigkeiten für den Neuling im Berufsleben auf.

Eigentlich sollte man meinen: die Sportler sind so diszipliniert und organisiert, sie müssten wunderbar mit Terminen und Aufgaben zurechtkommen und fleißig alles abarbeiten. Im Grunde stimmt der Gedanke auch, aber es gibt einige Sportler, die das Berufsleben plötzlich als viel lockerer empfinden. Plötzlich müssen sie selbst organisieren, welche Aufgabe sie wann erledigen müssen, damit ein bestimmtes Pensum im Monat erreicht wird. Es gibt einfach keinen Trainer mehr, der darauf achtet, was ich mache und machen muss. Zudem hat der Sportler eventuell vorher Förderungen bekommen, die ihm seine Sportkarriere erleichtert haben. Diese fallen weg. Mit einmal mal ist man ein ganz normaler Arbeitnehmer und steht vielleicht das erste Mal im Leben vor Kosten, die man vorher gar nicht beachtet hatte.

Am schlimmsten trifft es aber die Profifußballer. In jungen Jahren verdienen sie Summen, von denen jeder normale Angestellte sein Leben lang träumt. Zudem hat man im Profifußball oft nicht die Möglichkeit, neben dem Training, den Spielen und Turnieren noch eine Ausbildung zu machen oder zu studieren. Die Spieler können auch nicht unbedingt für ein Studium die sportliche Karriere unterbrechen oder schleifen lassen – wenn Sie einen Hochschulabschluss haben, sind sie nämlich oft schon zu alt. Das kann man auch anhand des Durchschnittsalters von 24,4 Jahren beim diesjährigen EM-Kader sehen.

Das Wichtigste ist es deshalb, frühzeitig zu planen, was hinterher kommt. Ein anderes, allgemeingültiges Rezept gibt es laut der Sportpsychologin nicht: „Es gibt keinen systematischen Ansatz, wie jemand seinen Übergang ins Berufsleben schaffen kann. Und es wird auch noch oft im Sportsystem vernachlässigt. Denn im Sport zählt grundsätzlich nur der Erfolg und Erfolge erziele ich so lange, wie ich Sport mache. Was danach passiert, ist dem Sportsystem vielleicht grundsätzlich egal. Deswegen sollte man sich eigenständig darum bemühen, es geht schließlich um viele Jahre meines Lebens.“

Morgen lesen Sie im zweiten Teil der Serie: „Die Hürden für Spitzensportler“, welche Möglichkeiten Sportler haben, vorm, beim und nach dem Sport gefördert zu werden und welche Vor- und Nachteile sich aus der Förderung ergeben können.

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  1. Til

    Ohhhh man danke für diese Seite sie hat mir schulisch geholfen! Top Seite gut verständlich!

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