Obgleich sich viele Vorstellungsgespräche und die entsprechend gestellten Fragen ähneln, gibt es Momente, in denen die Kandidaten ins Straucheln geraten. Gerade bei den sogenannten „verbotenen Fragen“ wird es heikel. Wir sagen Ihnen heute, welche Themen per Gesetz im Jobinterview unzulässig sind und wie Sie am geschicktesten reagieren, wenn diese dennoch angesprochen werden.

© auremar - Fotolia.comGerade haben Sie dem Personaler noch Ihren beruflichen Werdegang geschildert und plötzlich fragt er nach der Familienplanung, Parteizugehörigkeit oder Ihrer Krankenakte. Solche indiskreten Fragen im Vorstellungsgespräch lassen einen schon mal aus dem Konzept kommen – schließlich sind sie seit dem Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) „verboten“. Doch das heißt nicht, dass der Gegenüber eine solche Frage nicht stellen darf – Sie sind lediglich zu keiner, vor allem keiner ehrlichen, Antwort verpflichtet. In diesen Fällen darf man lügen, ohne hinterher dafür juristisch belangt werden zu können.

Tabu-Themen

Grundsätzlich sind Nachfragen zu den folgenden Themen unzulässig:

  • Schwangerschaft
  • Familienleben (Heirats- oder Kinderwünsche)
  • Privatleben und sexuelle Neigungen
  • Partei-, Gewerkschafts-, Vereins- oder Religionszugehörigkeit
  • Vermögensverhältnisse und/oder Schulden
  • Vorstrafen
  • Krankheiten und Gesundheitszustand

Wie immer gibt es aber auch hierbei Ausnahmen. Wer sich unter anderem in einer Bank bewirbt, muss ungefragt angeben, ob er Vorstrafen wegen Diebstahl hat. Wenn man sich dafür entscheidet, bei einer Kirche zu arbeiten, ist die Frage nach der Konfession zulässig. Der Gesundheitszustand wird hingegen relevant, sobald man sich für einen Job bewirbt, bei dem man beispielsweise Nahrungsmittel produziert oder verarbeitet.

Hat der Arbeitgeber also ein berechtigtes Interesse, und steht die Frage im Bezug zur Stelle, ist der Kandidat verpflichtet, sie wahrheitsgemäß zu beantworten. Informieren Sie sich deshalb vorher, in welchen Fällen oder Branchen entsprechende Nachfragen rechtlich konform sind.

Aber wie geht man damit um, wenn solche Fragen gestellt werden und die gewünschte Stelle nichts damit zu tun hat, beziehungsweise kein berechtigtes Interesse an der Antwort besteht?

Lassen Sie sich nicht aus dem Konzept bringen

Zuallererst gilt es ruhig und freundlich zu bleiben. Wer patzig antwortet, schweigt oder gar den Gegenüber darauf hinweist, dass er diese Frage nicht stellen dürfe, fällt in dem „Test“ wahrscheinlich durch. Denn genau darauf zielen die meisten ungewöhnlichen oder indiskreten Nachfragen ab: Sie sollen Sie auf die Probe stellen, um herauszufinden, wie Sie mit Stresssituationen umgehen.

Fühlen Sie sich schnell beleidigt? Sind Sie kritikfähig? Haben Sie sich nur nach Schema-F auf das Gespräch vorbereitet oder können Sie wirklich spontan überzeugend reagieren und kommunizieren? Diese Charaktereigenschaften und Soft Skills versuchen die Personaler mit den ungewöhnlichen Wendungen im Jobinterview zu ermitteln.

Bewahren Sie einen kühlen Kopf und denken Sie daran, dass Sie die unzulässigen Fragen nicht wahrheitsgemäß beantworten müssen. Auf die Frage, ob Sie schwanger seien, können Sie also – sofern es nicht deutlich erkennbar ist – mit einem einfachen „Nein“ antworten.

Souverän und zielgerichtet bleiben

Noch mehr punkten Sie, wenn Sie die Antwort mit einer kurzen Erklärung vorbringen. Beim Schwangerschaftsbeispiel könnten Sie also sagen: „Nein, ich möchte in den nächsten Jahren keine Kinder und mich zunächst auf meine berufliche Laufbahn konzentrieren.“ So lässt sich das Gespräch wahrscheinlich wieder zu dem eigentlichen Thema zurückführen. Selbst wenn diese Antwort gelogen ist, brauchen Sie hinterher keine Restriktionen zu fürchten – nur wenn es sich um eine Stelle handelt, die Sie aufgrund der möglichen Schwangerschaft nicht ausüben dürfen, beispielsweise die Arbeit im Chemielabor, müssen Sie ehrlich sein.

Auch Gegenfragen können geschickt eingesetzt werden, sofern sie nicht kritisch oder arrogant, sondern interessiert klingen. Auf die Frage nach der Konfession kann man demnach freundlich nachhaken, ob es hierbei bestimmte Anforderungen für die entsprechende Stelle gibt.

Darüber hinaus müssen Sie auch auf Ihre Körpersprache achten. Gerade wenn Sie sich für eine Lüge oder Halbwahrheit entscheiden, gilt es, nicht unruhig zu werden, auf dem Stuhl herumzurutschen oder sich zu verkrampfen. Trainieren Sie deshalb auch die unzulässigen Fragen vor dem heimischen Spiegel und überlegen Sie sich, wie Sie am vorteilhaftesten reagieren. Dadurch lassen Sie sich weniger aus dem Konzept bringen und sind auf alle Eventualitäten vorbereitet.

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