Kennen Sie das: Sind sie privat glücklich liiert, bleiben Sie extrem entspannt, wenn Sie interessante Menschen des anderen Geschlechts kennenlernen. Klar, Sie sind nicht auf der Suche und daher extrem souverän im Umgang mit derartigen Situationen. Das macht Sie begehrlich, Ihr Jagdwert steigt. Sind Sie hingegen schon länger auf der Suche nach einem Partner oder einer Partnerin, merkt man Ihnen das in der Regel an. Nur wenige Menschen können diese Art und Weise der Wahrnehmung Dritter in solchen Situation gekonnt überspielen.

Im Job ist’s genauso. Haben Sie einen und sind Sie damit glücklich, kommen attraktive Angebote von Headhuntern, finden Sie interessante andere Positionen per Zufall, die Sie bekleiden könnten. Sind Sie im Job unglücklich und auf der Suche nach einer neuen Herausforderung, sinkt Ihre Souveränität und die Begehrlichkeit Ihrer Person mit jedem Tag. Es wird schwieriger, eine neue Aufgabe zu finden.Daher ist es entscheidend, auch in den neuen sozialen Netzwerken stets „up to date“ zu sein und sich von seiner Schokoladenseite zu präsentieren. Dabei hilft und dazu gehört auch ein weitreichendes Netzwerk von Freunden, Geschäftspartnern und anderen Bekannten. So zeigen Sie, dass Sie gut vernetzt sind. Zudem können Sie all ihre Kontakte für die Suche nach neuen potenziellen Jobs nutzen und bereits in goldenen Zeiten vorsorgen, um bei Bedarf darauf zurückgreifen zu können.

Überblicken, was es alles gibt

Die Vielfalt ist immens. Würden Sie in allen sozialen Netzwerken ein Profil einrichten und auch pflegen, wäre das wohl ein Full-Time-Job. Zu unterscheiden sind persönlich orientierte  von inhaltsorientierte Netzwerken, solche mit eher professionellem oder privatem Fokus, nationale und internationale, geschlossene und öffentliche sowie kostenfreie und gebührenpflichtige. Die meisten sind eine Kombination von mehreren dieser Eigenschaften. Zu den führenden persönlichen Netzwerken zählen hierzulande Facebook, Google+, StudiVZ / SchülerVZ, Xing, LinkedIn, Foursquare und auch Twitter.Die eher inhaltsgetriebenen Netzwerke sind Youtube, Slideshare, Flickr und neuerdings auch das erfolgreiche Bild-Sharing Netzwerk Pinterest. Hier können Sie sich ein inhaltliches Profil mit Ihren Hobbies und Kompetenzen einrichten.

Hinzu kommen speziell für die Jobsuche relevante – größtenteils gebührenpflichtige – Karriere-Portale wie Experteer.de, Placement24.de und Jobleads.de. Diese Anbieter versprechen interessante und für Ihr Profil passende Jobangebote, die teils durch Headhunter vergeben werden. Darüber hinaus gibt es Facebook-Apps für das Karriere-Networking wie beispielsweise Branch Out oder auch BeKnown vom Jobportal Monster.com.


Zusätzlich können Sie Ihr Profil mit persönlichen Websites und auch einfachen Blogs zu Ihren Kompetenzen schärfen. Arbeiten Sie beispielsweise im Textilbereich, bietet sich ein Blog rund um Mode und Trends an. Hier können Sie selbstverständlich auch Ihren Hobbies ein digitales Zuhause geben, sofern Sie diese öffentlich zur Schau stellen wollen.

Herausfinden, wo Sie sich präsentieren

All diese Plattformen können bei der persönlichen Profilierung hilfreich sein. Sie sollten sich aber – auch aus Zeitgründen – auf die wichtigsten Netzwerke konzentrieren, die auch von Personal-Recruitern in Unternehmen meist genutzt werden. Das sind auch diejenigen Profile von Ihnen, die bei Google in der Regel unter den ersten Top10 Treffern über Sie aufzufinden sind. Testen Sie das erst einmal, um herauszufinden, was über Sie bereits in Google zu finden ist. Bei Eingabe meines Namens erscheint hier an erster Position mein XING-Profil, gefolgt von meinem professionellen Profil im Medieninformationsdienst kress.de (für Medienschaffende wichtig) sowie meinen Profilen auf Twitter, Facebook, LinkedIn unter den Top10. Mein eher nachlässig gepflegtes Google+ Profil folgt erst auf Rang 11.

Da diese auch die in der Regel aussagekräftigsten Profile sind, fokussieren wir im folgenden aufXing, LinkedIn und Facebook. StudiVZ und SchülerVZ sind zwar für Studenten und Schüler sehr relevant, nehmen aber zu Gunsten von Facebook in ihrer Bedeutung ab. Google+ hingegen ist als ernstzunehmender Facebook-Wettbewerber mit mehr Business-Orientierung gestartet, aber in Deutschland noch nicht wirklich nennenswert an Facebook herangekommen. Und ein Twitter-Profil – eher inhaltlich geprägt – sollten Sie nur einrichten, wenn Sie sich inhaltlich regelmäßig zu einem oder mehreren spezifischen Themenkompetenzen mitteilen und eine wirkliche Gefolgschaft aufbauen wollen. Twitter ist daher insbesondere für alle Menschen im Marketing-, Online- und Kommunikationsumfeld relevant und auch wichtig, nicht aber für die breite Masse.

Bei allen Profilen in sozialen Netzwerken sollten Sie sich vorab überlegen, was Sie damit erreichen und wen Sie damit ansprechen wollen. In der Regel hängt dies auch davon ab, wo Sie Ihre Freunde, Bekannten und geschäftlichen Partner am ehesten vorfinden und sich so ein engmaschiges Netzwerk aufbauen können. Da wir hier das Karriere-Ziel ins Auge gefasst haben, empfiehlt sich als Grundlage immer ein professionelles und aktuelles Profil auf XING. Sofern Sie auch auf einen internationaleren Auftritt Wert legen bzw. auch internationale Kontakte pflegen möchten, zusätzlich eines bei LinkedIn. Ihr Profil bei Facebook wird zwar weniger für Recruiting-Recherchen herangezogen, es wird aber dennoch oft von Personalern gesehen, sofern Sie es in den Einstellungen als öffentlich geschaltet haben. Daher sollten Sie auch hier darauf achten, zu extravagante Eskapaden in Form von Statements und Bildern zu vermeiden, oder das Profil schlicht auf „nicht öffentlich“ zu stellen.

Profilieren, was Sie bieten

Aussagekräftig, vollständig und vor allem jederzeit aktuell sollten all Ihre öffentlichen Profile bei Xing und LinkedIn sein.  Wählen Sie ein aktuelles seriöses Porträt, nicht zu spießig wie in den Bewerbungsfotos der 90er Jahre – aber auch nicht zu leger. Letztlich kommt es auf die Sympathie und Kompetenz an, die das Foto ausstrahlt. Schlüpfen Sie nicht in eine künstliche Fassade in Form von übertriebenem realem Makeup oder digitalen Photoshop-Tricks, die bei einem möglicherweise persönlichen Treffen abbröckeln würde. Wichtig sind all Ihre beruflichen Stationen, denn dann werden Sie in diesem Kontext auch leichter in Google gefunden. Idealerweise lückenlos beziehungsweise ehrlich, sofern es Zeiten einer Nichtbeschäftigung gab. Letztere lassen sich mit Auslandsaufenthalten, Sprachkursen, Kulturreisen, persönlicher Weiterbildung oder kurzfristiger selbstständiger Tätigkeit darstellen, sofern das wirklich so ist oder Sie es glaubhaft darstellen können. Individuelle berufliche Erfolge wie eine Beförderung, ein spezifisches Projekt, können Ihre berufliche Karriere ergänzen.

Beschreiben, wofür Sie sich interessieren

Weitere für Ihre Profilierung wichtige und für die Google-Suchergebnisse einträgliche Inhalte sind aktuellen Artikel zu spezifischen Fach-Themen, die Verlinkung zu fremden oder gar eigenen qualitativen Blog-Beiträgen. Haben Sie eine Art Expertenstatus in einem Thema, zeigen Sie diesen auf, beteiligen Sie sich an einschlägigen Diskussionsgruppen und veröffentlichen Sie ggfs. eigene Artikel bzw. Beiträge in den thematischen Foren. Zur Abrundung Ihres Profils beschreiben Sie, was Sie persönlich als potenzieller Arbeitnehmer oder/und Netzwerker bieten – und, was Sie generell an neuen Herausforderungen suchen. Dazu gehören Ihre spezifische Kenntnisse und auch persönliche Ziele Ihrer beabsichtigten Weiterentwicklung in relevanten Themen, Branchen, Unternehmen sowie technischen Fähigkeiten wie Software- oder Maschinen-Kenntnissen.

Sofern Sie darüber hinaus Ihr Wissen und Ihre Kompetenz sowie Ihr Interesse für neue Herausforderungen aktuell dokumentieren möchten, können Sie dies bei XING sowie zusätzlich bei Twitter und teilweise auch in Ihrem Facebook-Account regelmäßig tun: Mit dem Posten von eigenem Know-how aktuellen News aus interessanten Veranstaltungen, die Sie besuchen oder auch mit kommentierten Links zu redaktionellen Artikeln, die Sie online lesen.

XING bietet den Vorteil, dass Sie bei einem gut gepflegten Profil stets auch speziell für Sie passende Job-Offerten angezeigt bekommen, die auf Ihre Fähigkeiten passen. Je präziser Sie Ihr Profil pflegen, umso besser passen diese auf Ihre Qualifikation. So bleiben Sie up to date und sehen, was Sie möglicherweise als nächste Herausforderung in Angriff nehmen könnten, wenn Sie wollten. Ganz ohne Zeitdruck, da Sie in der Regel ja noch in Ihrem bestehenden Arbeitsverhältnis zufrieden sind. Und dann ist es – wie schon eingangs erwähnt – immer leichter, gute, neue Jobs ausfindig zu machen.

Kontakten, um Ihr Netzwerk zu erweitern

Zum Start können Sie sowohl bei XING als auch bei LinkedIn nach Ihren Freunden, Bekannten und Geschäftspartnern suchen. Sie werden sicherlich einige vorfinden und können sich schnell per Kontaktanfrage mit diesen vernetzen. Auch die Suche nach ihren bisherigen Arbeitgebern wird Ihnen eine Menge Bekannte Personen auswerfen, an die Sie vielleicht schon gar nicht mehr gedacht haben. Zudem werden Ihnen von XING und LinkedIn durch Analyse Ihres Profils zahlreiche Vorschläge Ihnen möglicherweise bekannter Mitglieder präsentiert, die Ihnen teilweise aus Schul- und Studienzeiten gar nicht mehr präsent sind. Auch hieraus können Sie interessante Kontakte wieder aufleben lassen und werden dabei schnell merken, wie vielfältig Ihr Netzwerk schon online sein kann. Das interessante am Stöbern: Einige Ihrer Bekannten werden bei Unternehmen arbeiten, die möglicherweise auch für Sie einmal interessant sein könnten.
Versuchen Sie auf diese Weise, zum Start mindestens 35 qualifizierte Kontakte zu generieren. Der Rest kommt dann von selbst. Da alle neuen Kontakte Ihrer Kontakte auch veröffentlicht werden, werden Sie ebenfalls Kontaktanfragen von Ihnen bekannten Personen erhalten. Insbesondere dann, wenn Sie bei einem interessanten Unternehmen arbeiten oder dieses als potenzieller Kunde für andere Dienstleister in Frage kommt. Gehen Sie hier sorgsam mit Kontakt-Zusagen um: Bestätigen Sie nur solche Anfragen, die Sie persönlich schon kennen oder die für Sie tatsächlich einen Mehrwert bringen.

Wenn Sie nun abends einmal Zeit haben, stöbern Sie in den Netzwerken Ihrer besten Bekannten. Hier werden Sie definitiv weitere potenzielle Kontakte finden, die Sie entweder über Ecken kennen oder aber gerne einmal kennenlernen würden. In letzterem Fall ist eine persönliche Begründung im Textfeld der Kontaktanfrage wichtig, denn die würden Sie auch erwarten. Ich bestätige beispielsweise keine Kontaktanfragen wie: „Da wir beide Unternehmer sind, würde ich mich gerne mit Ihnen vernetzen“. Warum sollte ich das tun, Unternehmer gibt es viele. Begründen Sie also eher Ihre Kontaktanfrage mit einer zweckgebunden Formulierung wie: „Sie verantworten das selbe Thema in Ihrem Unternehmen wie ich bei Firma XYZ. Gerne würde ich mich mit Ihnen über Best Practices austauschen“.

Über kurz oder lang werden Sie ein veritables Netzwerk aufbauen, das Ihre Kompetenz und insbesondere Ihre Fähigkeit, effizient netzwerken zu können, zusätzlich untermauert. Letztere ist in der heutigen Gesellschaft nicht mehr nur in Marketing-, Vertriebs- und Kommunikationsberufen wichtig, sondern lässt zudem (positive) Rückschlüsse auf Ihre persönliche Kommunikationsstärke und Teamfähigkeit zu.

Profitieren, wenn es darauf ankommt

Wenn Sie nun einmal über eine dreistellige Zahl an Kontakten verfügen, wird Ihr Profil in Google unter Ihrem Vor- und Nachnamen auf den vorderen Plätzen erscheinen. Sofern Sie keine zu gängige Kombination aus Vor- und Nachname oder/und einen identischen Namen mit einem

Prominenten wie etwa Helmut oder Harald Schmidt haben. Jetzt ist es an Ihnen, sich in Ihrem Netzwerk die interessantesten Unternehmen einmal frühzeitig herauszusuchen und gegebenenfalls Mitarbeiter dieses Unternehmens über gemeinsame Bekannte oder Interessen und Verantwortungsbereiche dort zu kontaktieren. So findet man Sie dann auch leichter. Denn manche Unternehmen suchen mittlerweile gezielt in Sozialen Netzen nach neuen potenziellen Mitarbeitern – teilweise sogar, bevor es überhaupt eine öffentliche Stellenausschreibung gibt. Denn diese ist aufwändiger, generiert häufig eine gar nicht gewollte Flut an Bewerbungen und es fällt schwer, die perfekten Kandidaten herauszudestillieren.

Insbesondere spezielle fachliche oder Führungs-Qualifikationen, Branchenkenntnisse, gelegentlich auch Wettbewerbs-Unternehmen sind die häufig genutzten Suchkriterien, die bei der Personalsuche in sozialen Netzwerken relevant sind. Wenn Sie hier einmal von Personalberatern und Headhuntern angesprochen werden, bleiben Sie professionell und antworten Sie seriös und verbindlich -  auch beim ersten Mal. Denn bei zu viel Dankbarkeit und Freude würde man auf mangelndes Selbstvertrauen schließen. Sind Sie nicht interessiert an dem Job oder empfinden Sie diesen als keine Weiterentwicklung, lassen Sie dies den Anbieter nicht spüren. Bleiben Sie bei Ihrer Schokoladenseite. Denn man sieht sich auch im Web immer mindestens zwei oder gar drei Mal. Und wer weiß, welches Angebot beim nächsten Mal um die Ecke kommen könnte.

Ein Gastbeitrag von Andreas Vill

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