Manche Menschen schaffen es, uns sofort in ihren Bann zu ziehen. Schon mit dem ersten Satz kann es gelingen, das Publikum zu fesseln. Und das liegt nicht unbedingt daran, dass diese Menschen besonders gut aussehen, eine wunderschöne Stimme haben oder von Gott berührt sind. Die meisten bereiten sich lediglich gut auf ihre Rede vor.

Damit auch ihre Rede ein voller Erfolg wird, haben wir Ihnen die grundsätzlichen Bausteine noch einmal zusammengefasst und geben Ihnen praktische Tipps, wie Sie ihrer Rede den Feinschliff geben können.

Die Fünf Produktionsstadien in der Übersicht

Ideenfindung

Lassen Sie sich von ihrem Alltag inspirieren. Machen Sie vielleicht ein Brainstorming zu einem vorgegebenen Thema, oder nutzen Sie etwas aus ihrem Interessengebiet –darin kennen Sie sich aus.

Aufbau und Gliederung

Überlegen Sie sich, wie ihre Rede aufgebaut sein sollte. Die klassische Methode ist eigentlich jedem Publikum am besten bekannt: Einleitung, Hauptteil, Schluss. Aber wie sollen die einzelnen Teile aufgebaut werden? Wo setzten Sie vielleicht einen Höhepunkt – den Spannungsbogen? Machen Sie sich also Stichpunkte zu den einzelnen Teilen und schreiben Sie über jeden Abschnitt, was Sie mit ihm  erreichen möchten. Spannung? Information? Atmosphäre auflockern?

Textarbeit

Jetzt geht’s an die Formulierung. Überlegen Sie sich, welche rhetorischen Figuren sie nutzen wollen, welche Stilmittel Ihre Botschaft untermauern. Wollen Sie mit rhetorischen Fragen oder Alliterationen arbeiten? Finden sich vielleicht passende Zitate zum Thema? Gibt es berühmte Persönlichkeiten, die mit dem Thema in Verbindung stehen und auf die Sie sich beziehen könnten?

Auswendig lernen

Jede Rede wirkt professioneller, wenn sie nicht vom Manuskript abgelesen wird. Freies Sprechen, Blickkontakt zum Publikum und eine bedeutungsvolle Gestik und Mimik verleihen einer Rede erst den richtigen Charme. Denn jeder Mensch, auch in ihrem Publikum, ist visuell eingestellt. Schließlich besteht Kommunikation nur zu  30 Prozent aus verbaler Kommunikation. Die restlichen Botschaften, also rund 70 Prozent, müssen Sie durch Körpersprache vermitteln.

Training

Üben Sie Ihre Rede am besten vor einem Spiegel. Egal wie gut Sie die Worte auswendig gelernt haben, machen Sie trotzdem noch ein bis zwei Übungsdurchläufe. Üben Sie solange, bis Sie gar nicht mehr darauf achten müssen, ob Sie gerade die richtigen Worte finden. Wenn Sie an diesem Punkt angekommen sind, konzentrieren Sie sich hauptsächlich auf Ihr Spiegelbild. Ist die Mimik und Gestik angebracht, übertrieben oder zu langweilig? Setzen Sie gezielte Akzente und transportieren Sie die Botschaft, indem Sie das dazu passende Gefühl in Ihrer Mimik widergeben.

Tipps für den Feinschliff

  • Informieren Sie sich über aktuelle Geschehnisse, Zitate und berühmte Persönlichkeiten zum Thema. Die Recherche wird durch das Internet vereinfacht, aber Achtung: Manche Zitate sind z.B. verfälscht, machen Sie also immer die Gegenkontrolle.
  • Eine bildliche Sprache verzaubert das Publikum schneller, weil gute Bilder sofort die visuelle Vorstellung anregen, dieses Prinzip ist uns schon aus der Kindheit von Märchen und Gute-Nacht-Geschichten bekannt. Aber achten Sie darauf, dass Sie nicht nur in Bildern reden und verheddern Sie sich nicht in zu komplizierter oder zu langen Sinnbildern.
  • Nutzen Sie einen Trainingsdurchlauf und gehen Sie Ihre Rede mit übertriebenen Emotionen durch. Überspitzen Sie jedes Gefühl, das Sie transportieren wollen. So wird Ihnen deutlich, welche Gefühle mit welchem Part angesprochen werden.
  • Ein Fünkchen Humor lockert die Atmosphäre und kann zur größeren Sympathie des Publikums führen. Wenn Sie es jedoch übertreiben oder gar nicht den Geschmack Ihrer Zuhörer treffen, tritt eher das Gegenteil ein. Nutzen Sie also keine Kontrollpersonen, die eventuell nicht alles verstehen, nehmen Sie lieber etwas, in das sich alle hineinversetzen können und versalzen Sie Ihre Rede nicht mit zu viel Humor.
  • Sprechen Sie Ihr Publikum direkt an. Integrieren Sie es und lassen es Teil der Rede werden. Die Zuhörer werden sich dadurch stärker involviert und zu Ihnen zugehörig fühlen.
  • Trainieren Sie Ihre Stimme in Tonlage, -höhe und Lautstärke. Achten Sie auch auf die Geschwindigkeit. Gönnen Sie sich und ihren Zuhörern auch mal eine Pause, schläfern Sie das Publikum aber auch nicht ein. Machen Sie sich Markierungen im Manuskript, an dem Sie eine Sprechpause einlegen wollen oder welche Satzzeichen/Wörter besonders betont werden sollten.
  • Seien Sie ehrlich und offen. Lügen oder ausweichende Aussagen zu unangenehmen Themen stellen sich nicht nur in Tonalität und Lautstärke der Stimme dar, sie zeigen sich vor allem in der Körpersprache und Mimik. Ein aufmerksames Publikum wird Ihnen nicht glauben, vielleicht sogar negativ gegenüber Ihnen eingestellt sein.
  • Überraschen Sie den Zuhörer. Bringen Sie nicht immer die gleichen Floskeln, sondern etwas Frisches und Eigenes in Ihre Reden. Bringen Sie vielleicht selbst Erlebtes mit ein, das Sie auch menschlich erscheinen lässt. Thematisieren Sie z.B., dass Ihnen das Schreiben einer Rede schwer gefallen ist. Die Zuhörer können so etwas nachvollziehen und werten eine gelungene Rede dann noch höher.

Der wichtigste Aspekt bleibt die Übung. Aber üben Sie nicht immer nur allein. Nutzen Sie Freunde, Familie und Bekannte. Sprechen Sie Ihre Rede vor Ihnen und bitten Sie explizit um ehrliches Feedback. Seien Sie bei nahestehenden Personen trotzdem vorsichtig mit zu großem Lob, die angebrachte Kritik ist aber umso wichtiger. Wenn gute Bekannte es schon wagen, sie deshalb zu kritisieren, wird es einem fremden Publikum erst recht auffallen.

Sollten Sie bei Ihrer ersten Rede nicht ganz überzeugen, verzweifeln Sie nicht. Lernen Sie aus kleinen Fehlern und sagen Sie sich selbst: „Beim nächsten Mal mache ich es besser.“

Lesen Sie auch

Noch keine Kommentare vorhanden.

Sag' Deine Meinung!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *