Positives Denken ist gesundheitsförderlich, macht glücklich und hilft beim Überwinden großer Herausforderungen. Dennoch sollte man sich nicht dazu zwingen – zum Teil, kann dies sogar noch mehr Stress hervorrufen. Studien zeigen, in welchem Maße positives Denken gesund ist und wann man auch negative Emotionen zulassen sollte.

Success winner womanWer optimistisch durchs Leben geht, ein Lächeln auf den Lippen trägt und positiv kommuniziert, kann in der Interaktion mit anderen Menschen häufig mehr erreichen als pessimistische Miesepeter. Darüber hinaus belegen zahlreiche Studien, dass eine positive Denkweise auch gesundheitsförderlich ist. Optimisten werden seltener krank, schneller gesund und Wissenschaftler der Columbia Universität in New York fanden heraus, dass auch ihr Risiko eines Herzinfarkts geringer ist. So beobachtete das Forscherteam um Karina Davidson 1700 beschwerdefreie Erwachsene über einen zehnjährigen Zeitraum hinweg. Das Ergebnis zeigte, dass in der Gruppe mit optimistischer Grundhaltung rund 22 Prozent weniger Herzinfarkte auftraten.

Ärzte vermuten, dass diese Effekte vor allem darauf zurückzuführen sind, dass positiv eingestellte Menschen weniger negativen Stress erleben und auch schwierige Lebenssituationen besser bewältigen können. Wer sich positives Denken antrainiert und mit einem Dauerlächeln durchs Leben geht, lebt also gesünder – oder?

 

Zwanghaft positives Denken kann schädlich sein

Nicht unbedingt. Denn wer sich zum glücklich sein oder lächeln zwingt, kann genau das Gegenteil bewirken. Untersucht haben dies unter anderem die US-Wissenschaftler Brent Scott und Christopher Barnes, indem sie 58 Busfahrer zwei Wochen lang begleiteten und jeweils vor und nach der Arbeit zu ihrer Stimmung befragten. Ähnlich wie Verkäufer oder Flugbegleiter hatten die Testpersonen die Auflage, gegenüber den Kunden freundlich und fröhlich zu sein. Wann immer ein Gast den Bus betrat, musste gelächelt werden, egal, wie gestresst oder unzufrieden man eigentlich war. Das Ergebnis zeigte, dass sich die Fahrer durch dieses gezwungene Lächeln jedoch nicht besser, sondern deutlich schlechter fühlten. Zudem sank die gute Laune ebenso wie  Motivation und Produktivität. Laut dem Psychologen schade die erzwungene positive Haltung und Unterdrückung der eigentlich Gefühle also nicht nur der Arbeit und persönlichen Einstellung, sondern auch der Gesundheit, da vermehrt Stress durch den Zwang und die Verdrängung produziert wird.

Zu dieser Einschätzung kommt auch die New Yorker Autorin Barbara Ehrenreich. In ihrem Buch Smile or Die. Wie die Ideologie des positiven Denkens die Welt verdummt zeigt sie, wie aus der „Kraft des positiven Denkens“ die „Pflicht zum positiven Denken“ geworden ist und welchen Schaden dies anrichten kann. Dafür bringt sie diverse Beispiele an und thematisiert auch ihre eigene Krebserkrankung. Statt Trost und Kanäle für ihre Verzweiflung zu finden, riet man ihr die Krankheit zu umarmen und den Krebs mit einem Lächeln zu begrüßen, denn das positive Denken wäre entscheidend für die Heilung. Aber das gezwungene Optimistischsein kostet Kraft und kann sogar schädlich sein, wenn sich keine Besserung einstellt: „Dann bleibt der Patientin nämlich nur, sich selbst dafür die Schuld zu geben.“

Optimismus heißt nicht Verdrängung

Positives Denken sollte deshalb nicht in jeder Situation erzwungen werden. Auch wenn diverse Ratgeber dazu raten, die negativen Gedanken beiseite zu schieben und lieber zu lächeln, heißt das nicht, dass man die eigenen Gefühle verdrängen sollte. So geben sich auch die optimistischsten Menschen Gefühlen wie Trauer und Verzweiflung hin, nehmen diese an und bewältigen sie um sich hinterher wieder auf die positiven Dinge konzentrieren zu können.

Wie solche Bewältigungsmethoden aussehen können, zeigte beispielsweise James Pennebaker, ein Psychologe der University of Texas in Austin, mit seinen Experimenten zum „expressiven Schreiben“. Dabei solle man seine negativen oder traumatischen Erlebnisse niederschreiben, um sie zu ordnen und zu verstehen. Seine Experimente belegten, dass das Niederschreiben, wenn es regelmäßig geschah, nicht nur beim Bewältigungsprozess half, sondern auch das Wohlbefinden langfristig gesteigert werden konnte. Allerdings sollte man laut Pennebaker nicht wochenlang über ein bestimmtes schreckliches Ereignis schreiben. Sonst könne man in Selbstmitleid enden, aus dem man nicht mehr herauskäme.

Auch die Psychologin Barbara Fredrickson von der University of North Carolina rät dazu, negative Emotionen zuzulassen und anzunehmen. Beispielsweise helfe die Trauer um eine geliebte Person, den Verlust zu akzeptieren. Wichtig sei nur zu erkennen, dass die negativen Gefühle nicht das Leben bestimmen und dass sie bewältigt werden können. Glücksmomente solle man hingegen genießen, sich aber nicht zwanghaft an sie klammern. Vielmehr erzeugen sie von ganz allein Energiereserven und machen belastbarer, so dass das Durchhaltevermögen dauerhaft steigt.

Positives Denken sollte also nicht als Pflicht verstanden werden. Vielmehr geht es darum, die Glücksmomente im Leben zu erkennen und wertschätzen zu können. Verdrängen Sie Ihre negativen Gefühle nicht, sondern bewältigen Sie sie. Aber konzentrieren Sie sich dann auch wieder auf die guten Sachen im Leben.


Nächste Woche sagen wir Ihnen, wie man ganz ohne Zwang oder Verdrängung das positive Denken beeinflussen und trainieren kann.


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