Inzwischen haben Sie es geschafft: Eines Ihrer Blind Dates wurde zur Liaison, Sie haben Ihren neuen Arbeitgeber kennengelernt, Sie wissen, was er von Ihnen erwartet und auch, was Sie ihm geben wollen und können. Aber noch wissen Sie nicht, ob das Verhältnis eine Bindung fürs Leben werden könnte oder zumindest eine interessante und lehrreiche Zwischenstation in Ihrer persönlichen Entwicklung. Sich darüber klar zu werden, ist eine persönliche Herausforderung. Denn auch wenn Sie sich vorstellen, Ihr Blind Date eines Tages zu heiraten, müssen Sie zuvor erst einmal einiges gemeinsam unternehmen und abklären – emotional wie rational.

Wissen, was Unternehmen unterscheidet

Ihre gemeinsame Zukunft will wohl überlegt sein. Das gilt für Menschen in Partnerschaften wie auch für Arbeitnehmer in Beschäftigungsverhältnissen. Schließlich verbringen Sie etwa ein Drittel Ihrer Zeit im Job, ein Drittel im Schlaf und das verbleibende Drittel mit Ihrem Partner, Familie, Freunden oder für sich. Die Zeit, die Sie im Job verbringen, können Sie weitgehend selbst bestimmen oder zumindest mit Eigeninitiative beeinflussen und auch jederzeit optimieren. Ob Sie nun die langfristige Beziehung mit einem Unternehmen eingehen oder doch noch das ein oder andere Mal einen Tapetenwechsel suchen, hängt in erster Linie von Ihnen ab. Es wird aber auch vom Unternehmen und den für Sie angebotenen Entwicklungsmöglichkeiten stark beeinflusst.

Grundsätzlich lassen sich drei Kategorien von Arbeitgebern unterscheiden:
Große Unternehmen und Konzerne über 500 Mitarbeitern oder 100 Millionen Euro Umsatz.
Kleine Mittelständische Unternehmen (KMU) von 1,0 bis 100 Millionen Umsatz. Kleinstbetreibe unter 1 Million Euro Umsatz. Mehr als 99 Prozent aller Unternehmen in Europa sind KMU. Diese Unternehmen beschäftigen rund 70 Prozent aller Arbeitnehmer. Viele Fach- und Führungskräfte sowie auch Studenten bevorzugen Großunternehmen und Konzerne. Denn sie versprechen allein aufgrund Ihrer Bekanntheit und Größe eine nachhaltige wirtschaftliche Existenzgrundlage und damit verbundene Arbeitsplatzsicherheit sowie ein umfassenderes Spektrum an beruflichen Weiterbildungsmöglichketen und Entwicklungsperspektiven. Dies bestätigen diverse Arbeitgeber-Rankings wie beispielsweise das jährliche Ranking von Trendance. Hier liegen in mehreren Kategorien insbesondere die Automobilhersteller Audi, BMW und Porsche, aber auch Unternehmen wie Google, Siemens, SAP auf der Beliebtheitsskala weit vorne.
Ausprobieren, was für Sie in Frage kommt


In großen Unternehmen und Konzernen sind Sie für einen kleinteiligeren Arbeitsbereich verantwortlich als möglicherweise in einem KMU, denn die Organisationsstrukturen sind in der Regel viel arbeitsteiliger. Das erfordert eine individuellere Spezialisierung. Ihre Aufgabe ist eher mit einem Zahnrädchen in einem großen Uhrwerk vergleichbar oder mit einer Stecknadel im Heuhaufen. Es kann Ihnen der Blick fürs große Ganze fehlen. Den erhalten Sie eher in KMU oder gar in Kleinstunternehmen, wo Sie meist ein weitreichenderes Arbeitsgebiet abdecken oder verantworten werden. Hier sind Entscheidungswege kürzer und weniger politisch als in Großunternehmen. Ein Vorteil, der andererseits durch weniger Entwicklungs- und Wechselmöglichkeiten gegenüber Großunternehmen aufgewogen wird. Große Unternehmen und Konzerne bieten Ihnen in der Regel vielfältigere Möglichkeiten für Ihre Entwicklung, Auslandseinsätze und diverse Karriereschritte oder auch inhaltliche Wechsel.

Der für Sie passende Unternehmenstyp hat großen Einfluss auf Ihre Karriere. Zur Entscheidung für Großunternehmen oder KMU müssen Sie zuerst Ihre eigene Wahrnehmung trainieren und die eigene berufliche Entwicklung reflektieren. In welchen Unternehmensgrößen waren Sie bislang tätig? Woher  stammen Ihre Erfahrungen und Kompetenzen? Wie haben Sie diese eingesetzt? In welchen Unternehmensgrößen fühlen Sie sich wohl und wo können Sie Ihre Kenntnisse und Erfahrungen am erfolgreichsten einbringen? Denn nicht jeder kann die Anforderungen im Großunternehmen perfekt erfüllen. Hier geht es häufig um interne Politik in eigener Sache, um Netzwerke und das „Verkaufen“ Ihrer Kompetenz und Expertise. Manch anderer tut sich als Arbeitnehmer in inhabergeführten Mittelstandsunternehmen schwer, hat Probleme, seine eigenen berufliche Ziele zu verfolgen und seine Kompetenzen sinnvoll einzusetzen.

Herausfinden, welcher Typ Sie selbst sind

Grundsätzlich kann man zwischen zwei Typen unterschieden: den Spezialisten und den Generalisten.  Überlegen Sie selbst anhand Ihrer Erfahrungen, welche Art von Karriere Sie bevorzugen. Meist können Sie dies sehr gut aus Ihrem Privatleben und Ihren bisherigen Aktivitäten in Schule, Studium und Freundeskreis herleiten. Vertiefen Sie sich gerne in der Ausbildung bzw. das im Studium erworbene Wissen, tendieren Sie eher zum Spezialisten. Haben Sie zudem Bedenken, ob Sie andere Menschen anleiten und Teams koordinieren wollen, würde Ihnen eine Generalisten-Funktion zunächst eher Unbehagen bereiten. Sind Sie eher der kommunikative Teamplayer, der sich ungern in Aufgaben vertieft und lieber den Blick für das Gesamtziel nicht aus den Augen verliert und die Verantwortung für ein Gruppen-Arbeitsergebnis sucht, sind Sie klar ein Generalist. Fach-Spezialisten können durchaus später auch zu Generalisten werden und mit vielfältig gesammeltem Spezialisten-Know-how glänzen. Generalisten hingegen tun sich eher schwer, sich wieder als Spezialisten zu positionieren, wenn Sie länger aus dem operativen Geschäft raus waren.

Ausloten, wo Ihre Reise hingehen kann

Sind Sie einmal im Unternehmen angestellt, sollten Sie alle Chancen zur Weiterbildung und Förderung nutzen. Zeigen Sie Engagement und Motivation – in Ihrem Aufgabengebiet und auch darin, stets Neues lernen zu wollen. Hören Sie sich stets auch über Abteilungsgrenzen hinaus um, wie das Unternehmen sich insgesamt entwickelt und wo neues geplant und im Aufbau ist. Dafür bieten die meisten größeren Unternehmen heute ein aktuelles Intranet sowie einschlägige Mitarbeiterzeitungen. Verfolgen Sie konstant die aktuellsten News und wirtschaftliche Entwicklung Ihres Unternehmens. Arbeiten Sie beispielsweise im Einkauf eines Unternehmens, etwa eines Automobilkonzerns, sollten Sie immer über die aktuellen Technologie-Entwicklungen, wie beispielsweise neue elektrische Antriebe, und über Produkte und Innovationen Bescheid wissen. So können Sie in jeder Situation mitreden und sich bei Vorgesetzten, auch aus anderen Bereichen, mit Ihrem Know-how und individuelle Kompetenz überzeugen.

Testen, wie gut Sie sich im Wettbewerb schlagen

Manchen Menschen ist das Verkaufen Ihrer eigenen Persönlichkeit in die Wiege gelegt. Andere wiederum können sich dies auch durch wiederholtes Üben nicht zu Eigen machen. Beobachten und analysieren Sie ihre engen Kollegen und solche, die in anderen, von Ihnen begehrten Abteilungen arbeiten. Können Sie sich hier eine Nische erarbeiten, die Sie einzigartig oder gar unverzichtbar macht, dann tun Sie es.

Grundsätzlich gibt es 3 Typen: Der erste Typ kann sich sehr gut verkaufen, er verspricht oft mehr, als er eigentlich halten kann. Der zweite Typ arbeitet effizient und erfolgreich, liefert sehr saubere Arbeitsergebnisse ab, schafft es aber nicht, sich damit in den Vordergrund zu stellen und bleibt im Schatten der „Verkäufer“. Er wird daher meist unterschätzt. Der Typ Nummer drei hat gleichzeitig inhaltlich große Kompetenz und kann diese Expertise zudem auch noch gut vermarkten: Das sind aber die wenigsten Menschen. Sie sollten sich daher besser auf die „Blender“ unter Ihren Kollegen fokussieren, denn diese Gattung können Sie mit Ihren eigenen Kompetenzen und Argumenten toppen. Zeigen Sie allerdings nicht mit dem Finger auf Ihre Wettbewerber. Bleiben Sie souverän und machen Sie einfach einen besseren Job, setzen Sie Ihre Projekte professioneller um und liefern Sie innovativere Ideen. Mit Taten und Ergebnissen werden Sie auffallen. Und wenn Sie hier erfolgreich sind, werden Sie merken, dass Sie Ihre Arbeitsergebnisse auch überzeugend positionieren können.

Netzwerken, um Förderer zu finden

Um sich für Ihre Person und Ziele Gehör zu verschaffen, brauchen Sie interne Mentoren, Förderer und Verbündete. Insbesondere in großen Unternehmen und Konzernen geht es nicht ohne. Die Personalabteilungen sind hier zu weit weg vom Fachbereich. Sie  können Sie nur unterstützen, wenn Ihr Chef mitspielt, Sie entsprechend gut beurteilt und weiter empfiehlt. Bauen Sie also zu allererst einen engen Draht zu Ihrem direkten Vorgesetzten auf: Binden Sie ihn immer in Ihre Ideen, Projekte  und Arbeitsergebnisse ein. Übergehen sie ihn nicht und lassen Sie ihn durchaus nach oben hin auch mal mit Ihren eigenen Ideen glänzen. Wenn es ein guter Chef ist, wird er sich irgendwann dafür erkenntlich zeigen und Sie spätestens zum Jahresende entsprechend beurteilen.
Leider gibt es nicht selten auch Führungskräfte, die Ihre Mitarbeiter nicht fördern und protegieren. In diesem Fall gibt es Wege aus dem Dilemma, die Sie auch parallel gehen können.

Versuchen, die eigentlichen Entscheider zu begeistern

Bauen Sie einen engen Draht zum Chef Ihres Chefs auf. Versuchen Sie, Ihre Ideen und Projektbeiträge auf höherem Niveau zu dokumentieren, Ihren Erfolgsbeitrag plakativer zu gestalten und direkt in die Visibilität des Chef-Chefs zu bringen. Dafür müssen Ihre Ideen eine weitreichendere Relevanz haben. Präsentieren Sie ihm als Instandhaltungsingenieur beispielsweise Vorschläge für einen effizienteren Reparaturprozess, als Einkäufer konzeptionelle Ideen für ein neues digitales Auftragsvergabesystem oder als Verkäufer Ideen für neue Vertriebstaktiken, die für alle hilfreich sind. Um korrekt und nicht angreifbar zu bleiben, binden Sie Ihren direkten Chef mit ein, nehmen Sie ihn mit und lassen Sie ihm ggfs. einen Anteil an Ihrem Projekt mitpräsentieren. Versucht dieser, Ihr Engagement explicit auszubremsen, gehen Sie direkt zum Chef-Chef. Allerdings nicht, um Ihren direkten Vorgesetzten anzuprangern, sondern schlicht, um Ihre Idee professionell zu präsentieren. Wenn diese überzeugend wirkt, wird er Sie bitten, Ihren direkten Chef mit einzubinden. Das tun Sie dann mit Genugtuung, denn Sie haben ja ein Mandat von oben.

Gehen Sie auch auf Führungskräfte benachbarter Bereiche zu – natürlich mit gut vorbereiteten Ideen, die bereichsübergreifend anwendbar sind. So zeigen Sie, dass Sie über den Tellerrand hinaus denken und sich für das Unternehmen als Ganzes einsetzen. Mit relevanten Ideen, wird dieser Sie anhören. und Sie für künftige Vakanzen im Auge und Gedächtnis behalten.
Auch hier gilt die Maxime, Ihren direkten Chef erst einmal miteinzubinden und erst bei Ablehnung seinerseits einen wohlüberlegten Alleingang einzuschlagen. Grundsätzlich sollten Sie sich im Klaren sein, dass ihr Chef/Chefin Sie immer noch ausbremsen kann, wenn Sie für seinen/ihren Geschmack zu „weit rausrudern“.

Dabei sein, wenn es um interne Treffen geht

Um sich ein engmaschiges internes Netzwerk aufzubauen, müssen Sie Zeit aufwenden. Nutzen Sie alle offiziellen und inoffiziellen Zusammenkünfte betrieblicher und privater Natur, um sich inhaltlich auszutauschen und neue Kollegen/innen kennenzulernen. Zeigen Sie sich dabei hohes Interesse für Ihr Gegenüber, sein/ihre Aufgaben und Arbeitsergebnisse. Verabreden Sie sich mit Ihren Kollegen regelmäßig zum Mittagessen – hier bekommt man im Flurfunk auch häufig hilfreiche Insider-Informationen, auf die Sie mit Ihren Ideen wieder eingehen können.
Bauen Sie Ihr Netzwerk zu Kollegen auf verschiedenen Ebenen auf. Denn auch ein Praktikant kann in ein bis zwei Jahren zum Kollegen oder gar Leiter eines anderen Bereiches werden. Und dann sind Sie bei ihm im Hinterkopf. Nutzen Sie Sommerfeste, Kantinen, Kaffee- und gegebenenfalls Imbisspausen, um sich ausgiebig auch mit anderen Bereiche zu verbinden. Vernetzen Sie sich zudem international, zunächst via Telefon, im Anschluss dann persönlich.

Kooperieren, um Teams zu bilden

Stoßen Sie übergreifende Projekte an, dominieren Sie diese nicht allein, denn dann bleiben Sie das. In vielen Fällen brauchen Sie für eine etwas größer gedachte Idee ausgewählte Partner, Verbündete und Fürsprecher. Je mehr Kollegen – auch aus anderen Abteilungen – Sie für Ihr Projekt begeistern können, desto höher sind die Chancen, dafür ausreichend vielseitige Argumente und Budgets für eine Realisierung zu bekommen. Versuchen Sie, anderen Kollegen spezielle Rollen und Teilaufgaben zuzuordnen und eine gemeinsame Zielorientierung zu fixieren. So können sich alle mit einem neuen Projekt identifizieren und dafür gemeinsam kämpfen.

Dazu zählen auch Initiativen gemeinsam mit Wettbewerbern oder Verbänden – auch außerhalb Ihres Unternehmens. Gattungsmarketing und unternehmensübergreifende Kooperationen mit nachweislichen Synergieeffekten unterstützen Ihr unternehmensinternes Standing und dazu das bei Wettbewerbern und anderen Konzernen.
Auch hier gilt: Involvieren Sie ihre Vorgesetzten Ein souveräner Chef wird es Ihnen danken und Sie bei der Umsetzung unterstützen.

Zu guter Letzt: lernen Sie von Ihren Vorgesetzten. Sind diese in Ihren Augen erfolgreich, schreiben Sie sich die positiven Dinge dabei auf und versuchen Sie, diese auf Ihre Art anzuwenden. Ist Ihr Chef alles andere als ein Vorbild, notieren und verinnerlichen Sie sich dessen negative Verhaltensmuster und versuchen Sie, diese selbst zu vermeiden. Ich hatte beispielsweise fast immer überwiegend positive, professionelle Vorgesetzte, die auch meinen beruflichen Lebensweg maßgeblich beeinflusst haben.  Darunter auch zwei Frauen, von denen ich gerade sehr viel mehr positive Eigenschaften adaptieren konnte als von Männern.

Should I stay or should I go?

Schaffen Sie es, im Unternehmen kontinuierlich weiter nach oben oder auch erfolgreich seitwärts in neue Aufgaben zu wechseln, können Sie sich glücklich schätzen. In kleineren Unternehmen wird dies bei offenen Vakanzen noch schneller oder mangels vakanter Positionen gar nicht klappen. Letzteres finden Sie aber schnell heraus. Die mittlere Halbwertzeit von Beschäftigungsverhältnissen ist in der Industrie durchaus auch mal eine zweistellige Jahreszahl. In kleineren und insbesondere in Medienunternehmen, Agenturen der Beratungs- und Dienstleistungsbranche oft auch nur drei Jahre. Realisieren Sie Ihre Situation und schieben Sie nichts unnötig auf – es ist Ihre Lebenszeit, und die sollten Sie immer optimieren. Kommen Sie also auch mit ihrem eigens aufgebauten Vitamin B nicht weiter, wird es Zeit für einen Tapetenwechsel.

So ist es auch im Job wie in einer Beziehung nach einem erfolgreichen Blind Date. Man findet erst nach Monaten heraus, ob das auch im Daily Business und im Alltag passt, was von Ihnen erwartet wird und was Sie im Gegenzug erwarten. Und wenn Sie selbst nach zwei bis drei Jahren noch Herausforderungen in Ihrem Unternehmen sehen und in Angriff nehmen können, bleiben Sie erst einmal dabei und nutzen Sie die Chancen schnell und nachhaltig. Tendieren Sie eher für einen Job-Wechsel, ziehen Sie diesen konsequent durch, sobald Sie sich mental dafür entschlossen haben. Leider werden solche Entscheidungen gegen einen Arbeitgeber wie auch gegen einen langjährigen Partner häufig länger hinausgezögert und unnötig verschleppt. Bedenken Sie, dass während dieser Zeit oft wertvolle Chancen unbemerkt an Ihnen vorüberziehen.

Schlussendlich werden Sie nach zahlreichen und umfassenden Veränderungen und beruflichen Erfahrungen früher oder später  in die Monogamie  einlenken. Ein langfristiges Ziel, dass Sie dank Ihres Engagements ins Netzwerken zielstrebiger und früher erreichen können.
Viel Erfolg!

Ein Gastbeitrag von Andreas Vill

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