Wie ein Schatten taucht der Begriff „Headhunter“ immer wieder im Personalwesen auf. Entweder als die große Angst der Unternehmer, der Wunschtraum eines Mitarbeiters oder als direktes Werkzeug für die Firmen. Aber wen und wie jagen diese Headhunter und warum?

Der Geschäftsführer hat eine kurze Verschnaufpause zwischen den vielen Meetings. Gerade will er einige der aufgeschobenen Emails beantworten, da klingelt auch schon das Telefon: „Können Sie kurz sprechen?“
So oder so ähnlich sieht oft die Kontaktaufnahme eines Headhunters aus. Headhunter bedeutet wörtlich übersetzt Kopfgeldjäger und das löst bei vielen erst mal weniger angenehme Assoziationen aus. Western, Steckbriefe, düstere Gestalten, Mord und eine reiche Belohnung.

Aber bis auf wenige Aspekte unterscheiden sich die Headhunter im Personalbereich gar nicht so sehr von den Kopfgeldjägern des wilden Westens. Auch sie haben das Ziel einer Belohnung vor Augen und dafür müssen sie einer bestimmten Person habhaft werden.

 

Der Steckbrief

Schreibt ein Unternehmen eine Stelle aus, gibt es bestimmte Kriterien, die der zukünftige Mitarbeiter erfüllen sollte. Um einen bestmöglichen Kandidaten zu bekommen schalten einige Firmen Headhunter ein, die gezielt nach eben diesen Kriterien Ausschau halten. Vor allem bei Führungskräften wird dieser Weg gewählt, aber in der Zeit des wachsenden Fachkräftemangels häuft sich diese Prozedur auch schon bei den begehrten Nachwuchstalenten.

Bis hierhin wirkt die Arbeitsweise eines Headhunters kaum anders als von direkten Personalvermittlern, aber der Name kommt nicht von ungefähr: Die Jäger sind nicht auf unbeschäftigte Mitarbeiter aus, sie werben die Fachkräfte direkt von anderen Unternehmen ab.

Um den geeigneten Kandidaten zu finden, wird zusammen mit dem Arbeitgeber ein Profil, passend zur Stelle, konzipiert. Anhand der Kriterien begibt sich Headhunter auf die Suche.

Die Jagd

Neben den eigenen und vorhandenen Kontakten werden auch Lebenslaufdatenbanken und vermehrt die Social-Media-Kanäle für die Suche genutzt. Passt eine Person ins Raster des Jägers, kommt es zu einer persönlichen Ansprache, auch das ist eine Besonderheit.

Meist rufen die Headhunter direkt am Arbeitsplatz an, und tatsächlich dürfen sie das. Ein Unternehmen versuchte beispielsweise vergeblich gegen die Anrufe der Headhunter zu klagen. Aber der Bundesgerichtshof entschied, dass sie einmalig den potentiellen Kandidaten während dessen Arbeitszeit kontaktieren können. Dabei  darf es nicht zu einem Bewerbungsgespräch kommen, es darf nur das eventuelle Interesse geklärt werden – ein weiteres Gespräch muss außerhalb der Arbeitszeit liegen.

Während dieses Vorgespräches versucht der Headhunter zu ermitteln, worin das Interesse der erwählten Person liegt. Möchte er mehr Bezahlung, stärkere Entscheidungsmöglichkeiten oder ist der Kandidat vielleicht mit dem derzeitigen Arbeitsklima unzufrieden? Genau dort wird später angesetzt, um unentschlossene Mitarbeiter zu einem Wechsel zu bewegen.

Aus Angst vor diesen „Attacken“ schulen mittlerweile einige Unternehmen ihre Mitarbeiter, um den  Kopfgeldjäger bereits am Telefon zu entlarven. Das soll verhindern, überhaupt zu der Führungskraft durchgestellt zu werden.  Trotzdem gelingt es den Headhuntern  immer wieder, und wenn das potentielle Ziel nicht vollkommen mit seinem Arbeitsplatz zufrieden ist, kommt es meist zu einem zweiten, längeren Telefoninterview.

Das Duell

In dem längeren Gespräch werden noch einmal die Qualifikationen des Kandidaten geklärt und der Jäger kann genauer feststellen, ob diese Person zum Profil passt. Aber auch das potentielle Ziel ist nun in der Entscheidungsphase: Was bietet das Angebot und habe ich daran überhaupt Interesse?

Bei einer guten Eignung wird der Headhunter versuchen, den erwählten Kandidaten zu überzeugen, indem er die Erkenntnisse aus dem ersten Gespräch anwendet.

Sollten sich beide Parteien einig sein, einen Schritt aufeinander zu zu gehen, steht der Augenkontakt an. Hier kommt noch einmal alles auf den Tisch: Zielsetzungen, Motivation, Werdegang, Qualifikationen, Erfolge – aber auch von der anderen Seite wird das Angebot noch weiter konkretisiert.

Die Belohnung

Stellt sich der Kandidat auch im persönlichen Gespräch als geeignet heraus, werden die passenden Profile dem Unternehmen vorgelegt. Die Kopfgeldjäger haben dabei häufig eine gute Trefferquote – schließlich haben sie auch den richtigen Anreiz: das Kopfgeld.

Die Unternehmen geben oftmals bis zu einem Drittel des Jahresgehalts aus, das für die zu besetzende Stelle ausgeschrieben ist. Das ist auch einer der Gründe, weshalb Headhunter meist nur Aufträge für Führungskräfte annehmen, deren Jahresgehalt über 80.000 Euro liegt. Dieses Honorar wird dann etappenweise gezahlt: Ein Drittel erhält der Kopfgeldjäger, wenn er beauftragt wird, ein Drittel bei der Präsentation geeigneter Kandidaten und das letzte Drittel, wenn es zum Arbeitsvertrag kommt.

Zusammengefasst ist der Headhunter für drei Parteien pures Gold wert: für sich selbst, für das Unternehmen, das eine neue, qualifizierte Führungskraft bekommt, und natürlich für den Arbeitnehmer, der eine bessere Stellung sein Eigen nennen darf.
Nur einer bleibt oft bei dieser Jagd auf der Strecke – das vorherige Unternehmen des Mitarbeiters.


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