Endlich scheint die Sonne und wir können den Sommer genießen! Aber wer derzeit in einem nicht-klimatisierten Büro sitzt, leidet vielleicht eher, als dass er die Temperaturen genießen könnte. Doch muss der Chef eigentlich handeln, wenn die Hitze im Büro unerträglich wird? Und haben die Angestellten ein Recht auf Hitzefrei oder eine Klimaanlage?

© sharpshutter22 - Fotolia.comZunächst die schlechte Nachricht für alle derzeit schwitzenden Arbeitnehmer: Hitzefrei gibt es nur für Schüler, und eine Klimaanlage muss der Arbeitgeber auch nicht einbauen. Dennoch hat der Chef eine gewisse Fürsorgepflicht für seine Mitarbeiter. Wird die Hitze im Büro also unerträglich, muss er aktiv werden. Und sollte der Arbeitgeber seine Angestellten nicht entsprechend vor den Temperaturen schützen können, dürfen sich diese an heißen Tagen freistellen lassen. Das gilt insbesondere für Schwangere, stillende Mütter oder Mitarbeiter mit nachgewiesenen gesundheitlichen Problemen.

Vorschriften für die Hitze im Büro

Doch ab wann ist die Temperatur am Arbeitsplatz unzumutbar? Die Arbeitsstättenverordnung hat hierzu klare Vorschriften veröffentlicht: Sobald in den Büros Temperaturen über 26 Grad herrschen, muss der Chef aktiv werden. Dies kann beispielsweise bedeuten, dass man die Arbeitszeit anpasst – also man früher anfängt und auf Überstunden verzichtet wird – oder man den Mitarbeitern kurze, zusätzliche Pausen gewährt. Daneben sieht die Arbeitsstättenverordnung vor, dass Fenster, Oberlichter und Glaswände mit zusätzlichen Sonnenschutzsystemen ausgestattet werden müssen, wenn die direkte Sonneneinstrahlung zu einer Erhöhung der Raumtemperatur führt. Es könnten also beispielsweise Jalousien oder Markisen angebracht werden, damit die Fenster von außen beschattet werden.


 

Bei Temperaturen ab 30 Grad Celsius

Lässt sich die Hitze im Büro trotz entsprechender Maßnahmen nicht senken und steigt das Thermometer auf über 30 Grad an, ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, die Beanspruchung der Beschäftigten zu reduzieren, damit diese nicht gefährdet werden. Zum Beispiel können dann die Bekleidungsregelungen gelockert, ausreichend Getränke zur Verfügung gestellt oder Gleitzeitregelungen genutzt werden, um die Arbeitszeit anzupassen. Daneben sollte er dafür Sorge tragen, dass die Temperatur wieder sinkt oder zumindest nicht weiter ansteigt, indem in den Morgenstunden gelüftet wird oder nicht genutzte elektrische Geräte aus bleiben.

Ab 35 Grad: Büro nicht mehr als Arbeitsraum geeignet

Sollte das Thermometer trotz allem über 35 Grad Celsius klettern, ist die Hitze im Büro nicht mehr zumutbar. Hierzu schreibt der Ausschuss für Arbeitsstätten in den Arbeitsstätten-Richtlinien (ASR):

(3) Wird die Lufttemperatur im Raum von +35 °C überschritten, so ist der Raum für die Zeit der Überschreitung ohne

  • technische Maßnahmen (z. B. Luftduschen, Wasserschleier),
  • organisatorische Maßnahmen (z. B. Entwärmungsphasen) oder
  • persönliche Schutzausrüstungen (z. B. Hitzeschutzkleidung),

wie bei Hitzearbeit, nicht als Arbeitsraum geeignet.

In diesem Fall ist der Chef nicht nur dazu verpflichtet, zu handeln, er riskiert auch die Gesundheit und Produktivität seiner Angestellten, wenn er es nicht tut. Denn die hohen Temperaturen können auch zu Schwindel, Übelkeit, Dehydration, Fieber oder gar Bewusstlosigkeit führen. Und bei allen Sparmaßnahmen oder Überlegungen, wie teuer der Einbau einer Klimaanlage wäre, sollte man deshalb auch darüber nachdenken, wie teuer es wird, wenn sich der Mitarbeiter krankmeldet und gänzlich ausfällt.

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