Manche Menschen scheinen einfach das Glück gepachtet zu haben. Alles fliegt ihnen zu und oft steht man selbst daneben und starrt diese Glückpilze neidvoll an. Sollen sie doch ruhig etwas von ihrem Glück abgeben! Und tatsächlich ist die Forschung der Meinung: Ja, Glück kann man lernen.

Fotolia.com - GlückspilzNichts beschäftigt die Menschen so sehr wie das Glück. Ob in der Liebe, im Spiel oder einfach glücklich sein – dieses kleine Wort steckt in so ziemlich allen Aspekten des Lebens. Aber woran liegt es eigentlich, ob wir glücklich oder unglücklich sind? Gibt es diese Göttin Fortuna, die auserwählte Menschen berührt, auf dass Sie freudestrahlend durchs Leben gehen und Ihnen alles gelingt?

Mit dieser Frage beschäftigen sich Psychologie, Soziologie, Neurologie, Genetik…  die Liste ließe sich noch fortsetzen. Die Glücksforschung ist hoch im Kurs und damit auch die Ratgeber, Dokus oder mittlerweile Comedy-Programme zum Thema Glück. Trotzdem sind sich die meistens einig: Glück kann man lernen.

Aber wie eigentlich?

Schauen Sie genau hin

Der britische Psychologe Richard Wiseman hat mittels Experimente versucht, die Frage nach dem „wie?“ zu beantworten. Dafür suchte er nach Menschen, die sich selbst als Glückspilz oder als Pechvogel betitelten und beobachtete ihr Verhalten in verschiedenen Situationen.

Unter anderem gab er ihnen eine Zeitschrift, worin beide Parteien die Bilder zählen sollten.
In der Mitte der Zeitschrift prangte der Satz: „Hören Sie auf zu zählen, melden Sie dem Versuchsleiter, dass Sie diesen Satz entdeckt haben. Dafür erhalten Sie 250 Pfund.“
Tatsächlich bemerkten fast alle Glückspilze diese Botschaft, die Pechvögel hingegen, nahmen den Satz größtenteils nicht wahr.

Die Möglichkeit, Glück zu haben, stand also für jeden Beteiligten offen, sie wurde lediglich nur von der einen Gruppe wahrgenommen, während die anderen zu versteift und zu vertieft die Bilder zählten.

Die Glückspilz-Prinzipien

Haben Glückspilze also eine bessere Wahrnehmung? Zumindest eine andere, meint Wiseman. Er hat anhand seiner Experimente vier Prinzipien aufgestellt, die glückliche Menschen ausmachen:

1.    Sie erwarten positive Ergebnisse

Glückspilze glauben an ihr Glück und sehen sich in ihrer Annahme bestätigt, wenn ein gutes Ereignis eintritt. Dadurch wird ihr Vertrauen ins Glück wieder verstärkt und es bildet sich ein Kreislauf – bei den Pechvögeln ist es genau umkehrt. Mit jeder schlechten Erfahrung wird ihre Meinung verstärkt, dass sie einfach Pech haben und sie glauben immer mehr, dass Ihnen nie etwas gelingen wird.

2.    Glückspilze bleiben optimistisch

Auch Glücksmenschen machen manchmal negative Erfahrungen, aber sie gehen anders damit um. Statt zu resignieren, machen sie Aussagen wie: „Nicht so schlimm“ oder „Es kann nur besser werden“.

3.    Glücksmenschen erkennen Gelegenheiten und nutzen sie

Hier ist der Aspekt der Wahrnehmung. Glückspilze achten genau auf ihre Umgebung, schauen auch schon einmal über den Tellerrand. Beispiel: Wenn Sie durch die Stadt gehen und ständig auf ihre Füße starren, werden Sie Ihre große Liebe, die direkt an Ihnen vorbei geht, nie entdecken. Nichts anderes zeigte das Experiment von Wiseman. Während sich die Einen auf die Zählung versteiften und sonst nichts erkannten, ließen die Glückspilze den Blick schweifen, schauten sich das Gesamtbild an, bevor sie sich auf die kleinen Teile konzentrierten. So konnten sie die Botschaft entdecken.

4.    Glückliche Menschen sind entspannter

Dieses vierte Prinzip ergänzt grundsätzlich das dritte. Wer sich versteift und ängstlich ist, wird den Anweisungen folgen und verkniffen an die Aufgabe gehen – entspannte Menschen können aufmerksamer sein, sich vielleicht stärker einbringen und haben dadurch die Möglichkeit wieder mehr zu entdecken.

Diese Prinzipien lehrte Wiseman die selbsterklärten Pechvögel. Einen Monat lang lernten sie die Grundsätze und versuchten, sie umzusetzen, mit grandiosem Erfolg: Knapp 80 Prozent gaben hinterher an, glücklicher zu sein.

Hausaufgabe: Glücklich sein!

Diese Lehrmöglichkeiten haben mittlerweile auch andere erkannt und sie teilweise schon umgesetzt. So wurde 2007 erstmalig in Deutschland das Schulfach „Glück“ von  Schuldirektor Ernst Fritz-Schubert auf den Stundenplan gesetzt. Die Schüler in der Willy-Hellpach-Schule in Heidelberg lernten dabei von verschiedenen Dozenten, wie sie ihr Glück und ihre Möglichkeiten mehr schätzen und mit kreativeren Ansätzen an Aufgaben und Probleme gehen können.

Spott und Lob waren damals gemischt, aber zumindest das Interesse war groß  und mittlerweile sind einige Schulen diesem Beispiel gefolgt und vertreten auch die Meinung: Glück kann man lernen.


Buchempfehlungen:

So machen Sie Ihr Glück. Wie Sie mit vier einfachen Strategien zum Glückspilz werden.

Dr. Richard Wiseman (Autor)

Über Jahre begleitete der Psychologe Menschen, die sich als Glückspilze oder Pechvögel betitelten und untersuchte die unterschiedlichen Verhaltensweisen.
Englische Originalausgabe: The Luck Factor (2003)

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Schulfach Glück: Wie ein neues Fach die Schule verändert

Ernst Fritz-Schubert (Autor)

Gemeinsam mit einem Expertenteam konzipierte der Schuldirektor Ernst Fritz-Schubert einen Lehrplan für das Unterrichtsfach „Glück“. Wie sich die Schule dadurch verändert hat, zeigt der Pädagoge in seinem Buch.

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