Das Sprichwort „Viel hilft viel“ ist nur selten richtig. In der Kommunikation sollte man sich nie nach ihm richten. Wer weitschweifig redet, läuft Gefahr, dominant oder inkompetent zu wirken. Aber wieso ist das so und was kann man dagegen tun?

Wenn man etwas sagt, übermittelt man eine Botschaft an einen Empfänger. Häufig macht man dabei jedoch den Fehler, nicht nur diese Botschaft zu übermitteln, sondern noch allerlei mehr. Man schränkt ein, kommentiert, nimmt mögliche Reaktionen vorweg, verallgemeinert oder abstrahiert. Zum Beispiel so:

Der Chef fragt, wie es um Projekt A steht. Man antwortet:

„Projekt A ist wirklich sehr kompliziert. Eigentlich wollte ich bald fertig sein, Freitag oder so, aber ohne X geht das nicht. Y fehlt auch noch. Das liegt ja nicht an mir. Ob ich die Deadline halten kann, weiß ich nicht. Es war auch wirklich sehr stressig in letzter Zeit. Ich sehe, was ich tun kann. Vielleicht wird’s nicht optimal – ich sag’s nur jetzt schon.“

Die Botschaft ist im Grunde sehr viel kürzer, nämlich:

„Projekt A will ich am Freitag abschließen und benötige dafür noch X und Y.“


Diese klare Aussage wird oben durch lauter Nebenbotschaften verdeckt: durch Klagen („kompliziert“, „stressig“), unklare Ankündigungen („bald fertig, Freitag oder so“, „ob ich die Deadline halten kann, weiß ich nicht“) und vorauseilende Verteidigungen („das liegt ja nicht an mir“, „ich sag’s nur jetzt schon“).

Wieso tut man das? Der Mitarbeiter hat Bedenken, ob er das Projekt rechtzeitig abschließen kann, und will Ärger vermeiden. Außerdem braucht er selbst etwas (X und Y) und weiß nicht, ob und wie er es fordern kann.

Die ausführliche, verschnörkelte Antwort ist also eine defensive Kommunikationsstrategie als Ausdruck von Unsicherheit. Sie wird jedoch nicht zum Erfolg führen. Entweder der Chef im Beispiel reagiert nun seinerseits auf die Nebenbotschaften – indem er bei den Klagen einhakt, den unklaren Ankündigungen oder der vorauseilenden Verteidigung. Dann hat man ihn bestenfalls abgelenkt, am Unsicherheitszustand ändert sich jedoch gar nicht. Oder aber, der Chef durchschaut den Mitarbeiter und nagelt ihn fest („Wann werden Sie das Projekt denn nun abschließen?“). In diesem Fall gerät dieser erst recht in die Defensive. Nach X und Y zu fragen, wird dann noch unangenehmer.

Prägnant kommunizieren bedeutet hingegen, offensiv zu sein, aktiv und auch mal fordernd. Wer sich kurzfasst, wirkt nicht nur kompetenter und sympathischer, er ist es auch. Er gibt seinem Gegenüber die Gelegenheit, sich sofort mit dem Wesentlichen beschäftigen zu können.

Ein chinesisches Sprichwort sagt: „Sprich nur, wenn es einem Ziel dient.“ Um erfolgreich zu kommunizieren, muss man sich also über seine Ziele klar sein, die Situation realistisch einschätzen und dann festlegen, was man tun will und was man noch braucht. Alles Übrige wird Gespräche länger machen, aber nicht einträglicher.

Wer klare Aussagen macht, wird an ihnen gemessen. Wer sich aber nicht messen lassen will, wird irgendwann auch nicht mehr ernstgenommen.

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