Um bei der Bewerbung aufzufallen, versucht sich so mancher Kandidat eine besonders originelle Bewerbungsmethode einfallen zu lassen. Kartoffelsäcke, Lebensläufe auf Klopapier oder ein mitgeschicktes Plakat, auf dem die Motivation als Collage veranschaulicht wird – Personaler staunen immer wieder über die ungewöhnlichen Ideen. Doch wie viel Kreativität, Originalität und Exklusivität kommt an und wann ist das Maß voll? Helfen die außergewöhnlichen Bewerbungsmethoden immer bei der Jobsuche? Wir geben Antworten.

©employadam.comDer 24-jährige Brite Adam Pacitti ist einer der Bewerber, die auf Originalität setzten. Musste er auch. Denn nach 250 Bewerbungen und etlichen Hilferufen auf den Social-Media-Kanälen hatte Pacitti trotz erstklassigen Universitätsabschluss als „Media Producer“ und einiger Praxiserfahrung noch immer keinen Job gefunden. Seine Lösung: Mit den letzten 500 Pfund von seinem Konto mietete er eine Plakatwand in London, wies darauf hin, dass er eine Arbeit suche, und bastelte eine Homepage als Kontaktmöglichkeit für die Firmen. Dort erwartete die Unternehmer ein humoristisches Video, dass Adams Werdegang und seine Qualifikationen zeigte.

Knapp 50 Firmen sollen daraufhin Interesse bekundet haben und laut seinem Twitter-Account wurde er zu vielen Vorstellungsgesprächen eingeladen, über die er jedoch noch nicht mehr sagen durfte.

Erfolgreiche Guerilla-Bewerbungen

Auch sehr außergewöhnlich war die Bewerbung des Franzosen Victor Petit. Er sandte eine DIN-A4-Seite an verschiedenste Unternehmen, auf deren Rückseite sich sein Lebenslauf befand, während die Vorderseite ein riesiges Foto mit integriertem QR-Code zeigte. Scannte man den Code mit dem Smartphone ein, gelangte man zu einem kurzen Bewerbervideo.

Einen Schritt weiter ging der Amerikaner Alec Brownstein, indem er namhafte Agenturchefs direkt ansprach. Das machte er allerdings nicht persönlich, sondern überlies es dem Online-Suchmaschinengiganten Google. Sobald einer der fünf ausgewählten Chefs, sich selbst googelte, erhielt er als Topergebnis die Nachricht von Brownstein, man möge ihn einstellen.

2013-02-08_090902

Vier der fünf Chefs luden den Amerikaner daraufhin zum Gespräch ein, zwei machten ihm ein Jobangebot und Brownstein fing bei der internationalen Werbeagentur Y&R in New York an. Gekostet hatte diese Aktion den Werbetexter nur sechs Dollar – typische Bewerbungsunterlagen hätten inklusive Druck, Papier und Mappen sicherlich mehr Geld verschlungen und möglicherweise nicht so viel Erfolg eingebracht.

Auffallen hilft… manchmal

Ob nun ein Koch, der seine Bewerbungen in einer Bratpfanne verschickte oder die Bildergalerie von Brandon Kleinmann auf Facebook – es gibt viele Möglichkeiten, sich von der Masse abzuheben. Trotzdem ist eine solche Strategie eine Gradwanderung und kann auch schiefgehen. So erging es beispielsweise einer Bewerberin, die bei einer Werbeagentur punkten wollte, indem sie einen Föhn mit den Unterlagen verschickte. Der Slogan dafür lautete: „Ich bringe frischen Wind in Ihr Unternehmen.“ Postwendend kam die Absage: „Heiße Luft können wir selbst produzieren.“

Auch verderbliches Essen, langwierige Lebenslauf-Puzzles oder ein eingeschweißtes Anschreiben in einem Gelatine-Block stoßen bei den meisten Personalern eher auf Unverständnis. Denn Kreativität nur um der Kreativität Willen hat noch niemanden weitergebracht. Eine gute Idee, die den Empfänger der Bewerbung nicht vor ewig lange Aufgaben stellt, gehört dazu – und natürlich eine sorgfältige Recherche, ob diese Branche und das entsprechende Unternehmen auch für so viel Originalität offen sind. Um die Idee zu testen, kann die Meinung Dritter oft hilfreich sein: Käme diese Bewerbungsmethode wirklich an oder macht man sich damit vielleicht lächerlich?

Karrierecoach Jürgen Hesse weiß, bei welchen Jobs der Spaß aufhört: „Stellen Sie sich vor, ein 50-jähriger gestandener Betriebswirt kommt nun mit einer völlig schrägen Bewerbung daher – da hat er sehr schlechte Karten.“

Bewerber Mitte 20, die sich für einen kreativen Beruf bewerben, können gute Ideen allerdings als Chance nutzen, um sich einen Vorteil in der Auswahl zu verschaffen. Schon kleine Farbkonzepte in der Bewerbung, eine beigefügte Collage oder ein paar grafisch aufbereitete Statistiken zur Person, können einer Bewerbung das gewisse Etwas verleihen.

Person und Job müssen stimmen

Versuchen Sie allerdings niemals, einen besonders tollen Einfall zu erzwingen. Erstens würde der Personaler so etwas merken und zweitens wirken spontane Ideen immer authentischer. Denn so bunt und spektakulär Ihre Bewerbungsmethode auch ist – wenn diese Art weder zu Ihnen, noch zur gewünschten Stelle passt, steht Ihnen sicher trotzdem eine Absage ins Haus.

Sind Sie also eher eine introvertierte Person oder bewerben Sie sich für einen traditionellen und konservativen Beruf, achten Sie lieber darauf, dass Sie hochwertiges Papier nutzen und mit dem Inhalt Ihrer Anschreiben, Lebensläufe und den angelegten Zeugnissen überzeugen. Denn hier gilt die Faustregel: Kreativität ja, aber nicht um jeden Preis – schon gar nicht, wenn die Qualität Ihrer Bewerbung darunter leidet.

Lesen Sie auch

  1. Franz O.

    Eine außergewöhnliche ideenreiche Bewerbung kann ein Sanktionsgrund sein. Solche Bewerbungen werden oft von den Ämtern als Arbeitsablehnung betrachtet, wenn kein Arbeitsverhältnis zustande kommt. Aus eigener Erfahrung kann ich davon nur abraten derartige Bewerbungen anzufertigen!

Sag' Deine Meinung!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *