Ob im Unternehmen, in der Schule oder an der Universität: Wir präsentieren viel und das meist mit allen technischen und elektronischen Möglichkeiten. Was anfangs noch als neu und beeindruckend galt und viel Aufmerksamkeit bekam, ist heute ganz normaler Alltag: Wir beginnen einen Vortrag, indem wir mehr oder weniger souverän unseren Laptop aufklappen, diesen mit einem Beamer verkabeln und unseren Zuhörern mit vertonten Bildern, Textcharts und Slides bombardieren. Doch häufig werden viele Präsentationen als überladen, unprofessionell oder gar als inkompetent beschrieben.

Woran liegt das? Haben wir durch all die technischen Optionen verlernt, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren und den Sachverhalt, wie auch uns selbst, angemessen zu präsentieren und zu inszenieren? Erfahren Sie, wie Sie Ihren Text am sinnvollsten medialisieren und welche Medien sich für Ihre Botschaft eignen.

Ohne Medien geht es in der Rhetorik nicht

Wer rhetorisch glänzen will, braucht etwas, das den Text an seine Adressaten vermittelt. Dieses Etwas bezieht sich auf die jeweilige Einrichtung zum Speichern und Senden einer Botschaft. Das kann entweder unser eigener Körper sein oder ein externer Träger wie beispielsweise ein Flugblatt, ein Theater oder ein Weblog. Medien sind also streng genommen nichts mehr als Tragflächen für Botschaften.
Stellen Sie sich zunächst zur Veranschaulichung vor, dieser Artikel stünde nicht hier im Web, sondern wäre in einem Ratgeberbuch abgedruckt, das Sie vor einigen Tagen in der Buchhandlung erstanden haben. Würde der Text dann komplett dasselbe aussagen? Sicherlich, wer genau hinschaut, erfährt im Internet genauso viel wie aus einem Buch. Aber lesen wir tatsächlich den Internetartikel mit derselben Aufmerksamkeit wie das Buchkapitel? 
Auch wenn der Text stets derselbe bleibt: Wechselt das Medium, kann sich auch die Botschaft des Textes ändern.

Sie haben die Qual der Wahl – vielfältige Medien, vielfältige Eigenschaften

Jedes Medium verfügt über Eigengesetzlichkeiten und unterscheidet sich in seinen jeweiligen typischen Speicher- und Sendeeigenschaften, die auch nur bedingt von uns beeinflusst werden können. In manchen Situationen können diese Eigenschaften zu einem unüberwindbaren Widerstand werden, die es unmöglich machen, das jeweilige Medium für das Speichern und Senden der Botschaft zu verwenden. Deshalb ist wichtig, diese Eigengesetzlichkeiten von Anfang an strategisch einzukalkulieren.

Ihr Körper: Das Speichermedium Nummer 1

Seit jeher gilt der menschliche Körper als Tragfläche für den Austausch von Kommunikation. Speziell das Gehirn dient uns als Datenspeicher und Prozessor für unsere Texte. Deshalb wurden schon in der klassischen Rhetoriktheorie die lautlichen bzw. stimmlichen Leistungen sowie die Körpersprache selbst untersucht. Denn setzen Sie Ihren Körper, Ihre Mimik und Gestikwährend Ihres Vortrages überlegt ein, können sie Ihrer textlichen Botschaft zusätzlichen Nachdruck verleihen oder sogar eine eigenständige Botschaft haben.

In der klassischen Rede- oder Gesprächssituation stehen sich Redner und Zuhörer gegenüber. Alle Kommunikationsbeteiligten befinden sich an einem Ort. In dieser Situation, haben Sie die Möglichkeit, auf etwaige Reaktionen Ihrer Zuhörer einzugehen. Das ist eine sehr dankbare Position: Sie können das Medium, in diesem Fall Ihren Körper, Ihre Stimme und Ihre Gestik steuern und spontan anpassen. Eine Option, die nicht jedes Medium bietet.

Allerdings haben Ihr Körper und Ihre Stimme nur eine begrenzte Reichweite. Sie können Ihrer Präsenz zwar durch körperexterne, technische Hilfsmittel, wie etwa ein Lautsprecher oder Videoleinwände, verstärken, nicht aber beliebig erweitern. Um die eigene Reichweite in nennenswertem Ausmaß zu steigern, brauchen Sie technische Medien, die eine zeitliche und insbesondere auch eine räumliche Distanz überbrücken können.

Zudem haben Sie in der klassischen Gesprächssituation nur bedingt die Möglichkeit, Inhalte auch zu visualisieren. Ein nicht ganz unwichtiger Punkt, denn die Visualisierung kann helfen, eine Botschaft nicht nur akustisch zu untermalen, sondern diesen durch die optische Wahrnehmung sinnvoll zu ergänzen. Die älteste Präsentationstechnik ist wohl das »Zeigen eines Gegenstandes«. Eine Anwendung, die auch heute – trotz vielfältiger technischer Möglichkeiten – immer wieder zu beobachten ist und wirkungsvoll eingesetzt wird. Bei einer Debatte um die Massentierhaltung im deutschen Bundestag zum Beispiel diente ein DIN A4-Blatt dazu, den Abgeordneten die Enge eines Käfigs für Legehennen zu veranschaulichen.

Als Visualisierungs- und Zeigetechnik dienen Ihnen in erster Linie externe Tragflächen: Bei einem Vortrag können zum Beispiel eine Tafel, ein  Flipchart oder eine Pinnwand helfen, Anregungen aus dem Publikum unmittelbar aufzugreifen und festzuhalten. Vorstrukturierte Anschriebe können mit Inhalten befüllt werden, um Ihre Argumente vor den Augen der Zuhörer zu ordnen oder zu gewichten. Das Ergebnis kann anschließend dauerhaft präsentiert werden. Zur  Veranschaulichung komplexer und abstrakter Inhalte sind Bilder und Videos äußerst sinnvoll, eine Ergänzung in einem Vortrag, die Sie ausschöpfen sollten.

Die Printmedien: Erweiterung Ihrer Adressaten

Die Printmedien, etwa das Flugblatt, das Buch, die Zeitung oder die Zeitschrift, dienen seit der  Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert und durch Beschleunigung der Drucktechnik im ausgehenden 19. Jahrhundert als die ersten Massenmedien. Texte oder Bilder müssen nun nicht mehr mühsam von Hand kopiert werden, sondern lassen sich ohne größeren Aufwand vervielfältigen. Zeitungen und Zeitschriften werden daher zum einen besonders wichtig für die Durchsetzung politischer Ziele, zum anderen fördern sie die Entwicklung einer populären Unterhaltungskultur.

Die Eigengesetzlichkeiten der Printmedien stellen jedoch Widerstände dar, die Sie kalkulieren, steuern und überwinden müssen, wenn Sie eine Botschaft verbreiten wollen: Beispielsweise bieten Zeitungen, Flugblätter oder Plakate keine aktuelle Berichterstattung, weil der Prozess des Drucks und der Verteilung immer eine bestimmte Zeit beansprucht. Außerdem reduzieren sich Ihre Präsenz und die Eingriffsmöglichkeiten: Während Sie in einer „normalen“ Rede- und Gesprächssituation körperlich anwesend sind und jederzeit auf Reaktionen des Publikums eingehen können, können Sie in Printmedien nicht überprüfen, ob Ihre Botschaft vom Leser intentionsgemäß verstanden und umgesetzt wird.

Die audio-visuellen Medien: Jetzt wird´s bunt und bewegt!

Die Erfindung elektronischer Kommunikationsmittel, wie des Telefons, besonders aber des Rundfunks und Fernsehens sowie des Internets, haben die Form von Massenkommunikation revolutioniert.

Seither ist es möglich, zu Texten und Bildern zusätzlich auch Töne und Bewegtbilder zu übertragen. Sie können zudem, eine natürliche Redesituation simulieren, gleichzeitig ein Massenpublikum ansprechen und damit eine weitaus größere Präsenz entfalten.

Dennoch müssen Sie als Kommunikator auch hier große Widerstände überwinden und sich bestimmten medialen Eigengesetzlichkeiten unterwerfen: Die Programmstruktur von Radio und Fernsehen verlangt etwa die richtige Formatierung. Außerdem kann das vielfältige Angebot dazu führen, dass Ihre Adressaten zu spät einschalten oder gar die gesamte Sendung verpassen. Weiterhin ist der Zugang zu Rundfunk und Fernsehen stark institutionalisiert und lediglich den Fernseh- und Radiomachern vorbehalten.

Im World Wide Web hat wiederum jeder, der über das entsprechende Gerät mit Internetanschluss und das dazugehörige Know-how verfügt, die Möglichkeit, ein sehr großes Publikum zu finden. Die einseitige Kommunikationsrichtung wird im Internet zugunsten von Dialog und Interaktivität verdrängt.
Einmal erstellte und versendete Texte sind Veränderungen ausgesetzt: Sie können kommentiert, weitergeleitet, oder in andere Zusammenhänge gestellt, kopiert und verfremdet werden. Das sind alles schwer kalkulierbare Prozesse, die Sie dennoch mit bedenken sollten und versuchen müssen zu steuern.

Und nun zur Praxis:

In jedem Falle geht es um die Frage, was das jeweilige Medium mit dem Text macht und wie der Text am besten dargestellt werden kann. Denn das kann über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Eine Checkliste anhand folgender zehn Fragen hilft Ihnen bei der Auswahl, das richtige Medium für Ihre Botschaft zu finden.

Checkliste:

1) Warum halte ich diesen Vortrag? Was ist mein Anliegen, meine Botschaft, mein Ziel?

2) Welche Voraussetzungen, Interessen und Erwartungen bringen die Zuhörer mit? Was ist für sie relevant?

3) Welche situativen Widerstände muss ich bedenken? Ist für ein Redepult, die passende Bestuhlung und Beleuchtung, die notwendige Technik, usw. gesorgt?

4) Wie viel Zeit ist für das Thema (in der konkreten Redesituation, vor allem für die Zuhörer) angemessen? Bin ich mit den Medien (Mikrofon, Laptop, Beamer, Presenter, usw.) vertraut?

5) Wie gliedere ich meinen Vortrag am geschicktesten? Wie baue ich meine Argumentation auf?

6) Wo kann ich kürzen, wo muss ich vertiefen oder durch Beispiele veranschaulichen?
An welcher Stelle sollte ich auf Gegenargumente eingehen, um diese abzuschwächen oder zu widerlegen?

7) Welche Passagen muss ich besonders verständlich formulieren?
Welche Passagen muss ich besonders wirkungsvoll ausgestalten?

8) Welche Vermittlungsmethode (Manuskript, Kärtchen, frei) passt zu mir und meinem Vortragsthema?

9) Welche Inhalte sollten visualisiert werden? Welche Präsentationstechnik eignet sich besonders für bestimmte Argumente?

10) Welche Materialien sollten die Zuhörer schriftlich an die Hand bekommen? Was sollten sie mitschreiben?

Für die Praxis gilt: Elektronische Medien können helfen, Ihre Botschaft zu visualisieren, zu ergänzen und mit dem entsprechenden Nachdruck zu vesehen.

Der schlimmste Fehler: eine DIN-A4-Textseite oder eine Präsentationsfolie eng beschrieben, an die Wand projizieren. Das hilft zwar Ihnen als Redner, denn so haben Sie ständig ihr Manuskript vor Augen und brauchen nur von der Wand abzulesen. Für Ihre Zuhörer hat das jedoch keinen Mehrwert. Zuschauer sollen den Blick auf das Wichtige richten können. Die Folie sollte Ihren Vortrag nicht abbilden, sondern ihn mittels Bilder, Grafiken oder Videos sinnvoll ergänzen.

Das wirkungsvollste Medium für einen Vortrag: Ihr eigener Körper. Ob das Referat in der Schule, die Präsentation an der Universität oder das Meeting in Ihrem Unternehmen, wer nicht weiß, wie er sich und sein Wissen verkaufen kann, der wird seine Zuhörer auch nicht informieren, unterhalten und bewegen können. Vertrauen Sie auf sich und setzen Sie alles auf Ihre Körpersprache, Ihren Charme und Ihr Wissen. So werden Sie Ihre Zuhörer am ehesten überzeugen!

Ein Gastbeitrag von Stefanie Montwill

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