Jetzt geht es ans Eingemachte: Sie sind in kleinem Kreise auserwählt worden, haben sich verabredet und treffen sich mit einem Ihrer Wunschpartner für einen neuen Job. Wie das Blind-Date zum Erfolg werden kann. Wie Sie glänzen und sich ideal auf den neuen potenziellen Partner einstellen können – sofern Sie den auch wollen – lesen Sie hier.

Wissen, worüber man spricht

Leider in der heutigen Zeit nicht mehr selbstverständlich:  Eine gute inhaltliche Vorbereitung – die halbe Miete eines erfolgreichen Bewerbungsgesprächs. Zur Zeit meiner eigenen Bewerbungen Anfang der 90-er Jahre musste man sich mühsam vorab den Geschäftsbericht eines Unternehmens aus der Presseabteilung zur intensiven Recherche und Vorbereitung zusenden lassen. Über die Gesprächsteilnehmer wusste man maximal Name, Position und Geschlecht – das Alter konnte man ggfs. noch bei vorherigem Telefonkontakt erraten. Der Rest war dann eine Glaskugel, auf die man einfach spontan reagieren und das Beste daraus machen musste. Sicher hatte das auch Gutes, denn vorhandene Spontanität ist für manche Menschen ja auch ein großer Pluspunkt gegenüber Wettbewerbern.

Dank der omnipotenten Rechercheoption im Internet wertschätzt Ihr Blind Date-Gegenüber aber heute, wenn Sie schon ganz gut Bescheid wissen – oder zumindest so tun können als ob. Bescheid wissen über das Unternehmen. Zu wissen, wie etwa der Vorstand heißt, welche Marken und Produkte wie im Wettbewerb positioniert sind, wer die bedeutendsten Konkurrenten sind. Vielleicht noch, wie die Unternehmensstrategie lautet – sofern es eine veröffentlichte gibt.
Je nach Jobprofil sind auch Informationen über die aktuelle wirtschaftliche und finanzielle Lage (Bewerber für Finanzen), das Unternehmens-Image, Werbe-Kampagnen und die mediale Berichterstattung (Marketing/PR), Forschung, Produktions- und Entwicklungs-Innovationen (Ingenieure) hilfreich.  Das meiste davon finden Sie heute auf der Unternehmenswebsite und aktuell mit einer einfachen vorbereiteten Recherche beispielsweise in Google News. Nehmen Sie sich das zu Herzen und zeigen Sie, dass Sie sich wirklich interessieren – für das Unternehmen insgesamt und den Job im speziellen. Damit bleiben Sie bei Ihrem Blind Date eher im Gedächtnis als diejenigen anderen Kandidaten, die (hoffentlich) nicht so gut im Thema waren wie Sie.

Fühlen, wann man mit Wissen glänzt

Bauen Sie Ihre Kenntnisse über Unternehmen, Marke, Produkte, Standorte und aktuelle Medienberichte an geeigneten Stellen im Gespräch ein und setzen Sie diese aktiv in Bezug zu den möglicherweise auf Sie wartenden Aufgaben.  Würden Sie sich aktuell bei Facebook bewerben, sollten Sie einiges mehr wissen, als dass das Social Network auf die Nutzermilliarde zustrebt, noch im Mai seinen Börsengang mit einer aktuellen Bewertung von 100 Milliarden Dollar an die Technologiebörse Nasdaq plant, kürzlich für eine Milliarde die Mobile Photo Sharing App Instagram gekauft hat. Sie sollten beispielsweise auch wissen, dass die Ex-Google Managerin Sheryl Sandberg die klare Nummer 2 nach Mark Zuckerberg ist. Das aber ist bei Facebook keine Kunst.

Ähnliches über weniger medial präsente Unternehmen aus der Provinz zu wissen oder sich anzueignen, ist schon mehr Anerkennung wert. Oder kennen Sie Ort, Management, Marken, Produkte und Portfolio von Hidden Champions wie Kärcher, Dräger, Rossmann oder der Tönnies Gruppe, dem führenden deutschen Fleisch- und Wurstproduzenten?

Sie werden merken, es macht Spaß, sich einzulesen und noch mehr Spaß, Ihr Wissen im Gespräch kompetent aber dezent einfließen zu lassen.  Dabei ist natürlich Umsicht zu wahren und nicht wahllos mit Halbwissen um sich zu werfen. Denn sonst geht der Schuss eher nach hinten los und man wird als Besserwisser abgestempelt.

Analysieren, wen man trifft

Wie viel Sie von Ihrem Wissen wann anbringen sollen, bleibt Ihrer Menschenkenntnis überlassen. Es hängt zum Großteil von Ihrem Date, dem Typ Menschen auf der anderen Seite des Tisches ab. Je mehr Sie über diesen Menschen im Vorfeld herausfinden können, desto besser und schneller können Sie auf ihn eingehen. Auf sein Alter, seine Ausbildung, seine Präferenzen, Hobbies und Bedürfnisse, möglicherweise gemeinsame Interessen, Themen, Meinungen und Kenntnisse. Und damit sind wir wieder eins zu eins beim Blind Date. Bereiten Sie sich also fast auch so vor, wie Sie es für ein Treffen mit einem neuen potenziellen Lebens-Partner tun würden. Schauen Sie nach Profilen in Facebook und Xing, nach Bildern, Herkunft, Ausbildung, früheren Arbeitgebern, Bekannten und gegebenenfalls anderen Veröffentlichungen. Höchstwahrscheinlich ergeben sich irgendwelche Übereinstimmungen und Interessen, mit denen Sie vorsichtig und dezent ins Gespräch einsteigen können oder die Sie im Gespräch zu geeigneter Zeit einbringen können. Übertreiben Sie es aber nicht, denn Sie wollen ja nicht als Stalker verabschiedet werden.

Zusehen, wie man das Eis bricht

Solche Gemeinsamkeiten sind ideale „Icebraker“ und Sie zeigen, dass Sie authentisch sind und sein können. Geben Sie dazu zunächst einen verbindlichen Händedruck, und vermeiden Sie dabei zu große Distanz und auch zu enge Nähe – die können Sie verbal im Gespräch aufbauen. Steigen Sie dann mit einem lockeren Thema ins Gespräch ein – idealerweise bevor Sie sich setzen oder dazu aufgefordert werden. Im Stehen ist Ihr Zwerchfell noch entspannter, die Stimme lockerer und Ihr Bewegungsradius im Raum größer. Greifen Sie nicht unbedingt das schlechte Wetter zu Ostern auf, sondern fragen Sie beispielsweise Ihren Gesprächspartner, wie lange er/sie schon für das Unternehmen arbeitet und in welchen Bereichen – auch wenn Sie es längst schon aus Xing recherchiert haben.

Spontane Menschen sind in der Lage, in Sekundenbruchteilen Gesprächsthemen zu (persönlichen) Gegenständen im Raum aufzugreifen und eine Beziehung dazu herzustellen. Nicht zum Familienbild auf dem Schreibtisch, aber zum Gemälde an der Wand, einem bekannten Buch im Regal, dem interessanten Blick aus dem Fenster oder dem schönen Unternehmensgebäude. Oder zu einem aktuellen Artikel über das Unternehmen. So brechen Sie das Eis und schaffen eine lockere Gesprächs-Atmosphäre Ihr Gegenüber wird es Ihnen danken. Auch hier gilt, je besser Sie auf „Ross und Reiter“ vorbereitet sind, desto authentischer kommen Sie rüber. Sind Sie darin eher unsicher, trainieren Sie Ihre Spontanität beim Besuch von Freunden und Bekannten vorab – Feedback inklusive.

Auswählen, wie man am besten sitzt

Ist das Eis gebrochen, müssen Sie Platz nehmen. Haben Sie die Wahl, dann mit dem Rücken zum Fenster. So werden Sie nicht geblendet und auch nicht so leicht abgelenkt. Sitzen Sie über Eck zu Ihrem Gesprächspartner, kommt es auf Ihre wahrlich „bessere Hälfte“ an. Finden Sie heraus, ob Sie eher nach links oder rechts überzeugender sprechen und besser wirken – Ihre Freunde werden es mit Ihnen testen. Sitzen Sie aufrecht und wechseln Sie die Sitzposition hin und wieder – nicht zu häufig, aber etwa so oft wie Ihr Gegenüber das tut. Mal nach vorne geneigt und aktiv antwortend auf den Tisch gestützt, mal nach hinten gelehnt und aufmerksam zuhörend. Machen Sie es wie beim Blind Date und schauen Sie Ihrem Gegenüber in die Augen, Sind es zwei oder mehr Gesprächspartner, wechseln Sie den Blickkontakt – regel- und gleichmäßig. Noch wissen Sie nicht, wer von beiden der wichtigere, finale Entscheider für oder gegen Sie ist. Die Hände liegen dabei locker mal auf dem Tisch oder die Arme auf der Stuhllehne.

Antworten, auch auf mittlere Sicht

Was Sie häufig gefragt werden, merken Sie spätestens im Dritten Interview und können Sie mindestens dann gut vorbereiten, nicht aber auswendig lernen. Wichtig sind dabei folgende Aspekte:
Sie sollten Ihre bisherige Ausbildung und Karriere mit den wichtigsten Meilensteinen in etwa fünf Minuten knackig und eventuell mit individuellen Erfolgserlebnissen auf den Punkt bringen – die Frage danach kommt bestimmt.Vergessen Sie dabei nicht Ihre berufliche Perspektive, die Sie vor Augen haben sollten und zu der idealerweise auch das betreffende Jobprofil passt.

Dazu gehören Argumente für Ihre Person. Warum Sie zum Unternehmen passen, die richtigen Kenntnisse und Fähigkeiten mitbringen und welchen Beitrag Sie gerne leisten wollen.

Gibt es Lücken in Ihrem Lebenslauf, weichen Sie Fragen dazu über Brücken und  Überleitungen zu den positiv damit verbundenen Aspekten  aus. So wird aus einem halben Jahr Interrail durch Europa eine Sprach- und Kulturreise und aus einer halbjährigen Auszeit ein Sabatical oder eine berufliche Orientierungsphase mit konkretem Lerneffekt. Bei Fragen zu früheren Jobs und Arbeitgebern bleiben Sie immer positiv oder neutral; vermeiden Sie grundsätzlich negative Aussagen über andere Unternehmen und handelnde Personen. Sie wissen nie, wer wen kennt und Ihre Aussagen weiter trägt und wie Ihnen dies am Ende grundsätzlich ausgelegt werden kann. Erläutern und antworten Sie klar, deutlich in kurzen ganzen Sätzen, mit bildlichen Beispielen und dabei niemals zu ausschweifend – Ihre Botschaften sollen haften bleiben und klar mit Ihnen als Person assoziierbar sein.

Im Gespräch lassen Sie Ihrem Gegenüber stets den Vortritt. Versuchen Sie aber, dieses über Ihr passend platziertes Wissen mit zu führen und zwischendrin auch Fragen zu stellen. Dann wird das Interview auch für Ihr Gegenüber ein angenehmer Dialog, an den sich jeder gut erinnert, statt ein plattes Frage- und Antwortspiel.  Bleiben Sie authentisch, übertreiben und flunkern Sie nicht. Auch und insbesondere dann, wenn Sie in Ihrem Fachgebiet unentdeckt herausragend sind, wird es Ihr Gesprächspartner schon wissen, da er Sie ja einladen hat lassen.

Zeigen, wer man ist

Last not least gehört zu jedem Bewerbungstermin auch ein glaubwürdiger Look. Wichtig: SIE müssen sich wohlfühlen und Ihrem Gegenüber insgesamt authentisch  erscheinen. Passende Kleidung sind bei Angestellten-Jobs ein elegantes Kostüm oder ein schlichter Anzug – mit/ohne Krawatte. Ihr Kleidungsstil sollte dem Job, dem Unternehmen und Ihrem Gegenüber entsprechend gewählt werden. Ein zu auffälliges Outfit ist out, eine Verkleidung ebenso. So ist gut gemeinter Anzug aus einem Factory Outlet für einen Elektrotechnikermeister für Audi genauso fehlplatziert wie für den Eventmanager bei Red Bull. Das Sakko zur Jeans wiederum zu leger für einen Büro-Job in einem Konzern oder Institut, dafür aber passend für eine Agentur oder ein Dienstleistungsunternehmen.  Können Sie es schwer einschätzen, kleiden Sie sich in Ihrem elegantesten Lieblingsstück. Denn am Ende müssen Sie sich in Ihrer Haut wohlfühlen, statt eine Rolle zu spielen, die Sie womöglich nicht durchhalten können.

Am Ende des Gesprächs ganz wichtig: Zeigen Sie Verbindlichkeit.  Bedanken Sie sich für die Einladung, das Interesse an Ihrer Person, das angenehme Gespräch. Falls Ihr Date es Ihnen nicht von selbst erklärt, fragen Sie ruhig, wie die nächsten Schritte geplant sind. So unterstreichen Sie nochmals Ihr nachhaltiges Interesse – sofern das Ihrerseits durch das Gespräch bekräftigt wurde. Wie bei einem Blind Date eben.

Ein Gastbeitrag von Andreas Vill

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