Der Vortrag ist ausformuliert, das Geschäftstelefonat im Geist durchgespielt, dann wird es ernst und irgendwie springt der Funke nicht über. Das Publikum reagiert desinteressiert, der Verkauf will nicht gelingen: Vielleicht liegt es an der Stimme.

„Die Stimme ist unser wichtigstes Kommunikationsmittel“, erklärt Logopädin Eva Loschky im Gespräch mit der „Süddeutschen“. „In der Face-to-Face-Situation nehmen wir fast 40 Prozent des Gesagten als Stimme und Tonfall wahr.“ Dabei kann Manches schiefgehen. Wer zu schnell spricht, wirkt gehetzt oder unsicher, zu langsames Sprechen wird hingegen als einschläfernd wahrgenommen. Auch die Verzögerungslaute „äh“ und „ähm“ kommen nie gut an.

Karriereberaterin Susanne Rausch weist auf ein weiteres Problem hin, das insbesondere Frauen betrifft: eine zu hohe oder zu dünne Stimme. „Ein Mann mit einer kräftigen, wohltönenden Stimme hat es im Berufsleben einfacher als eine Frau mit Piepsstimme.“

Setzen Sie auf Entspannung und Training

Da Männer in der Regel einen größeren Kehlkopf haben als Frauen, fällt ihre Stimme von Natur aus tiefer aus. Um die Stimmlage zu trainieren, empfehlen Experten zum Beispiel das wiederholte Aussprechen von Sätzen mit vielen Vokalen. Auch die Bauchatmung lässt sich verbessern, etwa indem man sich mit einem Buch auf dem Bauch Rücklinks hinlegt.


Entscheidend ist es, an seiner natürlichen Stimmlage zu arbeiten, nicht zu versuchen, sich eine neue anzueignen. Gerade am Telefon kann es fatal sein, wie jemand anders klingen zu wollen. „Innerhalb der ersten sieben Sekunden eines Telefonats hat man sich ein Eindruck von dem Gesprächspartner gemacht“, sagt Phonetikerin Vivien Zuta. Auch wer beim Telefonat eine ungewöhnliche Körperhaltung einnimmt, riskiert, unnatürlich und damit unbewusst irritierend zu klingen. Besser ist es, entspannt zu bleiben und während des Gesprächs zu lächeln.

Meiden Sie Alkohol, Nikotin und trockene Luft

In Berufen, die häufiges Reden vor Publikum verlangen, empfiehlt es sich besonders, auf die Ernährung zu achten. Gut für Schleimhäute und Stimme sind mindestens zwei Liter Wasser am Tag; zu vermeiden sind stark milch- oder säurehaltige Lebensmittel; absolut schädlich sind Alkohol, Nikotin und trockene Luft, etwa durch Heizungs- oder Klimaanlagen.

Doch nicht nur Mitarbeiter können einiges tun, um ihre Stimmen gesund zu halten und zu trainieren. Auch Unternehmen können für den Erfolg aktiv werden. Logopädin Loschky: „Ich würde jeder Firma empfehlen, ein körperbezogenes Stimmtraining anzubieten. Das hilft mehr als ein Rhetorikkursus.“

Cord Krüger

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