Gute Argumente, tolle Produkte und wichtige Inhalte sind nicht alles. Man muss sie auch verkaufen können. Wer die eigenen Sprachfertigkeiten verbessern und die Rhetorik zu seinem Erfolgsinstrument machen will, der kommt an unseren zehn Tipps nicht vorbei.

Ansprache1. Fassen Sie sich kurz. Verheddern Sie sich nicht in Schachtelsätzen, aus denen Sie im ungünstigsten Fall nicht mehr heil herausfinden. Vor allem wer das Prädikat häufig ganz ans Ende seines Satzes stellt, riskiert bei zu langen Sätzen, dass sein Zuhörer den Anfang schon wieder vergessen hat. Mark Twain soll diese Eigenart des deutschen Satzbaus einmal so beschrieben haben: Er würde sich ja gern zu Hegel äußern, bloß habe er erst drei seiner Bände gelesen, das Verb komme jedoch im vierten.

2. Vermeiden Sie Füllworte und Umgangssprache. Sowohl in der Wortwahl als auch im Satzbau kann man im normalen Sprachgebrauch ordentlich schludern: Der Westfale ist, wenn er beschäftigt ist, „am Arbeiten“, und bei Zeitgenossen wie Edmund Stoiber ist jedes dritte gesprochene Wort „äh“. Wenn man seine eigenen Schwachpunkte kennt, kann man sie sich gezielt abtrainieren. Benutzen Sie zu viele Floskeln wie „eigentlich“, „vielleicht“ oder „wohl“, nehmen Sie sich eine nach der anderen vor und verbannen Sie sie aus ihrem aktiven Wortschatz.

3. So wie man sich unliebsame Eigenheiten abgewöhnen sollte, lassen sich auch neue aneignen. Dabei geht es nicht darum, mit Fremdworten zu protzen, sondern sich einen Vorrat an Synonymen und wirklich passenden Begriffen zuzulegen. Betrachten Sie Ihren Wortschatz wie einen Werkzeugkasten und versuchen Sie, für jeden Fall gerüstet zu sein. Lesen Sie zum Beispiel regelmäßig FAZ, Zeit oder Neue Zürcher Zeitung und bald wird aus „lässig“ „nonchalant“ und aus „Dreistigkeit“ „Chuzpe“.

4. Bleiben Sie positiv. Auch wenn Sie kritisieren, vergessen Sie dabei nicht, einen Ausgleich zu schaffen. Anstatt gegenüber einem Kollegen seinem Ärger Luft zu machen, versuchen Sie, Ihre Worte so motivierend und zielführend wie möglich zu wählen. Positive Botschaften werden Sie langfristig immer weiter bringen als negative.

5. Eignen Sie sich rhetorische Figuren an. Wissen Sie was ein Pleonasmus ist oder ein Synekdoche? Wenn nicht, schauen Sie nach! Stilmittel zu lernen war im Deutschunterricht immer eine lästige Pflicht, doch Texte und Reden profitieren ungemein davon, wenn man sich variantenreich und passend ausdrücken kann. Nehmen Sie sich einzelne Stilmittel vor und erfinden Sie eigene Beispiele. Vielleicht bemerken Sie dabei ja, dass Ihre Reden nie so erfolgreich waren, wie sie hätten sein sollen, weil Sie ständig nur Parallelismen aneinandergereiht haben.

6. Wie man etwas sagt, ist oft noch wichtiger, als was man sagt. Wer überzeugt wirkt, überzeugt auch andere. Eine selbstbewusste, unverkrampfte Körpersprache kann man sich aneignen. Häufig hilft es bereits, sich die eigene Motivation vor Augen zu führen. Wenn Sie sich beispielsweise mit dem Inhalt Ihres Vortrags hundertprozentig identifizieren, werden Sie ihn viel begeisternder halten.

7. Manchmal kommt man mit einfachen Argumenten nicht weiter und muss seinen Gegenüber überreden. Mit Manipulationstechniken sollte man achtsam umgehen, kennen sollte man sie jedoch in jedem Fall. Fürchten Sie, dass Ihr Gehaltswunsch abgelehnt wird, können Sie zum Beispiel einen viel zu hohen Betrag fordern und Ihr Wunschsalär anschließend als Kompromiss präsentieren. Wollen Sie eine Ablehnung vermeiden, fragen Sie nicht nach grundsätzlicher Bereitschaft und bieten stattdessen gleich zwei konkrete Alternativen an. Also nicht: „Möchten Sie etwas trinken?“ Sondern: „Trinken Sie Kaffee oder Saft?“

8. Auch Schlagfertigkeit kann man üben. Schlimmer als einen spielerischen Anwurf oder eine ernstgemeinte Frage schlecht zu parieren, ist ihr überhaupt nichts entgegensetzen zu können. Neben einem soliden Allgemeinwissen und Fachkenntnissen helfen spezielle Kommunikationstrainings und einfache Übungen für Zuhause: Tippen Sie ohne hinzusehen mit dem Finger auf eine beliebige Seite einer Zeitung und reden Sie laut eine Minute lang über den gewählten Begriff. Mit der Zeit werden Sie ihre sprachliche Reaktionszeit beträchtlich verkürzen.

9. Lernen Sie von den Besten. Schauen Sie Videos von den besten Rednern der Welt. Studieren Sie, wieso Steve Jobs Ihre Aufmerksamkeit fesselt, Steve Ballmer hingegen grobschlächtig wirkt und Tim Cook ungelenk. Erweitern Sie Ihren Stil um das, was andere erfolgreich macht.

10. Üben Sie. Es klingt banal, aber auch in der Rhetorik ist Training das A und O. Probieren Sie Seminare und Kurse aus, experimentieren Sie mit Audio- und Videoaufzeichnungen, bitten Sie Freunde um Hilfe. Erstellen Sie sich Ihren persönlichen Trainingsplan und setzen Sie auf die Strategie, die am besten zu Ihnen passt.

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