Auf hoher See hängt das Leben von perfektem Teamwork ab, von zuverlässigem Material und von einer kompetenten Führung. Andernfalls kann es zur Katastrophe kommen. Erfolgreiche Kapitäne können unsterblich werden – als Entdecker, erfolgreiche Grenzgänger oder als Retter in der Not. Versagt der Kommandant, wird dies meist sofort offenbar.

Mythen und große Erzählungen haben darum Geschichten und Dramen über Zusammenarbeit, Hierarchien, Ziele und Führungsstärke häufig auf See spielen lassen. An den Bibelversen über Noahs Arche, an Homers Odyssee, Herman Melvilles Moby Dick oder Filmklassikern wie Meuterei auf der Bounty lässt sich darum studieren, was schlechte Führung anrichten kann und was einen guten Kapitän auszeichnet.

Damit das Logbuch am Ende mit Erfolgserlebnissen gefüllt ist, sollten sich auch Führungspersonen zu Lande von Kapitänen ein paar Grundregeln abschauen. Hier sind unsere Top 5:

Machen Sie klare Ansagen

An Deck herrschen oft Hektik und schlechtes Wetter. Damit ein Befehl auch bei Windstärke acht noch gehört und umgesetzt wird, muss er eindeutig und verständlich sein. Kommunikation durch die Blume oder zwischen den Zeilen funktioniert auf einem Schiff nicht. Und auch jeder andere Chef sollte das beherzigen. Damit ist nicht Unfreundlichkeit gemeint, wohl aber Unzweideutigkeit.


Beispiele für souveräne Kommunikation sind der von Russell Crowe verkörperte Kapitän Jack Aubrey in Master & Commander und Jürgen Prochnows „Alter“ in Das Boot.

Vertrauen Sie Ihrer Crew

Ein Kapitän käme gar nicht auf die Idee das Deck zu schrubben oder die Segel einzuholen. Nicht nur, weil es seine Autorität untergrübe. Er hätte auch nicht die Zeit dafür. Im Gegensatz dazu tun sich viele Chefs mit dem Delegieren schwer und wollen am liebsten alles alleine regeln. Das führt bei den Mitarbeitern leicht zu Frustration und auch nicht unbedingt zu besseren Ergebnissen. Führen heißt Aufgaben zuweisen und vertrauen. Wer das beherzigt, kommuniziert bereits durch sein Handeln Wertschätzung für seine Crew.

So hat es auch Seefahrer Odysseus gemacht. Als sich sein Schiff den gefährlichen Sirenen näherte und er um seine Zurechnungsfähigkeit fürchtete, ließ er sich von seiner Mannschaft an den Mast fesseln und die Ohren mit Wachs verschließen. Führungsstärke heißt eben auch zu wissen, wann man die Kontrolle aus der Hand geben kann oder sogar sollte.

Treffen Sie unpopuläre Entscheidungen

Ein Kapitän ist nicht für gute Laune zuständig. Um die kümmert sich seine Crew schon selbst. Ob Praktikant oder Obermaat: Mitarbeiter wollen keinen Freund als Vorgesetzten, sondern jemanden, der entscheidet. Mit harten, aber richtigen Ansagen verschafft sich ein Kommandant mehr Respekt und letztlich Erfolg als mit Kompromissen um des lieben Friedens oder der guten Stimmung Willen.

Übertreiben sollte man es freilich nicht. Als Kapitän William Bligh seine Mannschaft erst mit unnötig harten Befehlen schikaniert und sich bald wie ein brutaler Diktator aufführt, verliert er jeglichen Rückhalt seiner Untergebenen. Es kommt zur Meuterei auf der Bounty.

Führen Sie vorausschauend

Als Kommandant eines Schiffes muss man nicht nur wissen, wie gerade die Segel zu setzen sind. Man muss auch wissen, wo es hingeht und welche nautischen Herausforderungen noch bevorstehen. Strahlt ein Kapitän dieses Wissen aus und die begründete Gewissheit, dass das Schiff sein Ziel erreichen wird, folgt ihm auch seine Mannschaft – sogar durch die raueste See.

Das Vertrauen seiner Besatzung verspielt darum nicht nur, wer wie Kapitän Bligh im alltäglichen Umgang versagt. Auch eine Führungskraft, die erkennbar die falschen oder bloß egoistische Ziele anstrebt, wird keinen Erfolg haben, weil man ihr nur widerwillig folgt. In einem solchen Fall kann man seine Mannschaft weder mit markigen Reden motivieren, noch auf sie mit Engelszungen einreden.

Kapitän Ahab war besessen von der Jagd nach Moby Dick und ordnete seiner persönlichen Rache an dem Tier alles andere unter. Sein Walfänger versank.

Gehen Sie als letzter von Bord

Der vielleicht größte Skandal am Untergang des Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia am 13. Januar 2012 war gar nicht unbedingt die Kollision mit einem Felsen. Vielmehr brachte sich der für das Unglück verantwortliche Kapitän mit einem Rettungsboot in Sicherheit, als die Evakuierung noch in vollem Gange war. Ein Kommandant, bei dem nicht das Wohl seines Schiffes oder das Gelingen seiner Mission an der ersten Stelle steht, ist nach allgemeinem Konsens inkompetent. Er wird so schnell nicht wieder ein Kommando erhalten.

Bei Managern ist man da nachsichtiger. Aber auch wer eine Abteilung oder ein Unternehmen führt, muss in seiner Kommunikation deutlich machen, dass er sein eigenes Wohl, wenn es hart auf hart kommt, dem des Teams und des Projekts unterordnet. Eine Führungskraft, die daran Zweifel lässt, gilt bald als „lame duck“, als lahme Ente.

Kommunikation an Bord dient also einerseits dazu, kurzfristige Aufgaben umzusetzen, die zum Erreichen eines langfristigen Zieles nötig sind. Andererseits ist sie dafür da, das Vertrauen zwischen Kapitän und Mannschaft permanent zu versichern und zu stärken.

Eine Führungskraft, die diese beiden Aspekte in ihrer Kommunikation beherzigt, wird zwar noch kein Schiff kommandieren können. Aber sie wird stets erfolgreich in den Zielhafen einlaufen.

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