Experte:

M.A. Wirtschaftswissenschaften Franz Albert Springer

stressed buisnessman or teacher closing ears

Das Aussprechen von Beleidigungen ist dem Menschen seit alters her so selbstverständlich wie Freizeit, Arbeit und Spiel. Schon bei Homer beschimpften sich die Helden der Griechen und Trojaner bevor sie handgreiflich wurden.

Wir alle wissen aus unserer Kindheit wie Beleidigungen verteilt und empfangen werden. Als erwachsenen Menschen hingegen passen wir uns der gesellschaftlichen Norm an und hüten uns davor den Mitmenschen zu beleidigen. Dieser könnte ja ebenfalls mit Beleidigungen reagieren oder, schlimmstenfalls, mit einer Beleidigungsklage antworten.

Trotzdem haben Beleidigungen einen gewissen Stellenwert im Instrumentarium des Mobbings. Mit offener oder versteckter Beleidigung ist es dem Täter möglich das Opfer zu demütigen, lächerlich zu machen oder zur Verzweiflung zu treiben.

Beispiel aus der Praxis

Was Beleidigungen auszulösen vermögen, wenn sie gezielt als Mobbing eingesetzt werden soll nachfolgender Fall aus dem Bereich des Sports verdeutlichen.

Josef B. ist Fußballprofi und seit drei Jahren bei einem deutschen Zweitligisten unter Vertrag. Er fühlt sich in seinem Verein wohl, genießt die Anerkennung der meisten seiner Mannschaftskollegen, bei den Fans kommt er gut an und seine Familie fühlt sich im Umfeld, in dem sie lebt, glücklich.

Mit seinen 31 Jahren steht Josef B. im Zenit seiner Karriere. Er plant noch drei bis vier Jahre als Profi zu spielen, um dann die Trainerlaufbahn einzuschlagen. Vorsorglich hat er schon das Fußballlehrerdiplom erworben und deshalb sieht er optimistisch seiner Zukunft entgegen.

„Alter Sack“ und „Schlafwagenfußballer“

Die Situation ändert sich für Josef B. schlagartig, als sein Verein einen jungen Offensivspieler, Mirco T. (22 Jahre), verpflichtet. Dieser soll als Nachfolger von Josef B. aufgebaut werden und Zug um Zug immer mehr Spielanteile erhalten. Josef B. unterstützt zunächst seinen jungen Kollegen, weiß er doch wie schwer es ist, zu Beginn einer Karriere, Fuß zu fassen. Allerdings legt Marco T. ein lässiges, selbstsicheres Starverhalten an den Tag, so dass Josef B. sich von ihm zurückzieht.

Mirco B. ist mit seiner Rolle als Ergänzungsspieler unzufrieden. Er will jetzt und nicht in ein bis zwei Jahren Stammspieler werden. Seinen Ambitionen steht eigentlich nur noch Josef B. im Wege. Also beginnt er diesen zu mobben. Öfters nennt er ihn im Training einen „alten Sack“, er macht sich über die ruhige Art von Josef B. lustig und nennt ihn einen „Schlafwagenfußballer“. Josef B. überhört diese Bemerkungen oder quittiert sie allenfalls mit einem Lächeln.

Mirco T. beginnt zu erkennen, dass er so Josef B. nicht reizen kann. Allzu gefestigt, routiniert und abgeklärt ist der ältere Kollege. Mirco T. weiß allerdings, dass Josef B. ein ausgesprochener Familienmensch ist, seine Frau und seine beiden Kinder liebt und jede freie Minute im Kreise seiner Familie verbringt. Diese Tatsache macht er sich für seine Attacke zu nutze.

Mobbing zielt auf die „wunden Punkte“

Während eines Trainingssiels fragt er deshalb Josef B. unvermittelt und so dass es alle Kollegen hören können: „Schläft Deine Frau immer noch mit dem Neger?“ Josef B. sieht rot, geht auf Marco T. los und schlägt diesen nieder. Die Mannschaftskollegen haben die größte Mühe die beiden Streithähne zu trennen und Schlimmeres zu verhüten. Das Training wird sofort unterbrochen und sowohl Mirco T. als auch Josef B. werden nach Hause geschickt.

Am nächsten Tag versucht der Manager des Vereins, die beiden zu versöhnen. Vergeblich! Josef B. bleibt unversöhnlich, so dass der Manager Handlungsbedarf sieht. Zunächst bekommt Josef B. eine Geldstrafe. Eine wesentlich höhere Geldstrafe bekommt auch Mirco T., als Auslöser des Streits.

Der Manager erkennt, dass beide Profis nicht mehr zu zusammen in einem Team agieren können. Deshalb muss er sich, in Zusammenarbeit mit dem Cheftrainer, entscheiden welcher der beiden Spieler abgegeben werden soll. Zunächst tendiert er dazu Josef B. die Freigabe zu erteilen, weil Mirco T. die Zukunft gehört, aber als sich ein anderer Verein an Mirco T. interessiert zeigt, gibt er diesen frei und stellt so die alten Verhältnisse wieder her.


Lesen Sie außerdem hier alle weiteren Teile der Mobbing-Reihe von Franz Albert Springer.

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