Experte:

M.A. Wirtschaftswissenschaften Franz Albert Springer

Mobbing Gewalt

In der Regel neigen intelligentere Täter beim Mobbing eher zur Anwendung von psychischer Gewalt, während sehr einfach strukturierte Menschen mehr physische Gewalt ausüben. Selbstverständlich ist das eine so schlimm wie das andere, ist doch jede Form von Gewalt grundsätzlich abzulehnen.

Stellvertretend für die beiden Arten der Gewaltausübung beim Mobbing mögen die folgenden zwei Fälle sein.

Ausübung von physischer Gewalt beim Mobbing

Ante A. ist im zweiten Ausbildungsjahr als Fachwerker in einem Malerbetrieb beschäftigt. Er ist gutwillig und fleißig, kann aber keinerlei Eigeninitiative zeigen. Dieser Mangel hat ihm schon öfters die eine oder andere Ohrfeige des im selben Betrieb beschäftigten Gesellen Udo K. eingebracht.

Udo K. seinerseits möchte den „lästigen“ Ante A. gerne loswerden und befürchtet, der Betrieb könne sich entschließen Ante A., nach Beendigung seiner Ausbildung, weiter zu beschäftigen. Er unternimmt alles, um Ante A. das Leben schwer zu machen und dessen Unzulänglichkeiten aufzudecken. Eines Tages eskaliert die Situation.

Udo K. und Ante A. sind zusammen damit beschäftigt eine Wohnung in einem Neubau zu tapezieren. Als es 9.00 Uhr ist beschließt Udo K. eine Pause einzulegen. Da er diese aber nicht mit Ante A. verbringen will verlässt er die Wohnung, um mit einem ihm bekannten, ebenfalls im Neubau beschäftigten, Gipser zusammen ein Bier zu trinken.

Für Udo K. gibt es nun kein Halten mehr

Das Gespräch des Udo K. mit dem Gipser zieht sich hin und Ante A. ist der Meinung er müsse nun wieder etwas arbeiten. Zu diesem Zweck legt er die Tapeten mit dem Muster nach oben auf den Tapeziertisch und bestreicht das Muster mit Tapetenkleister. Danach klebt er die Tapeten, mit der falschen Seite nach unten, an die Wand.

Als nach 20 Minuten Udo K. zurückkehrt und die Bescherung sieht rastet er vollkommen aus. Er beschimpft Ante A. auf das Übelste und, als dieser sich zu rechtfertigen versucht, packt den Stiel einer abgebrochenen Schaufel, der unglücklicherweise zufällig im Flur steht, und schlägt diesen ein paar Mal über den Rücken von Ante A. Dieser schreit auf und kündigt an den Vorfall dem Chef zu melden. Für Udo K. gibt es nun kein Halten mehr. In blinder Wut stürzt er sich auf Ante A. und verpasst ihm einen derben Faustschlag aufs Auge.

Ausübung von psychischer Gewalt beim Mobbing

Herr Dr. med. J.W.K. hat seit 24 Jahren eine Stammsprechstundenhilfe, Frau Ute K. Beide verbindet ein äußerst ambivalentes Verhältnis von gegenseitige Abhängigkeit, Abneigung und Wertschätzung. Sog. „Psychospiele“ haben, als Ritual, einen festen Platz im Arbeitsalltag der beiden.

Ich selbst wurde, als Patient von Herrn Dr. J.W.K. unfreiwillig Zeuge einer solchen Machtdemonstration. Unter Magenschleimhautentzündung leidend musste ich mir aus diesem Grund den Magen röntgen lassen. Zur Besprechung der Therapie und zur Begutachtung der Röntgenaufnahmen erhielt ich einen Termin bei Herrn Dr. J.W.K.

„Lassen Sie das, das ist nicht Ihre Aufgabe!“

Als ich nun mit Herrn Dr. J.W.K. im Sprechzimmer stand und dieser die Röntgenaufnahmen am Schirm begutachten wollte, fiel ihm eines der Röntgenbilder aus der Hand und sank zu Boden. Selbstverständlich wollte ich sofort die Aufnahme aufheben, wurde aber durch einen Zuruf von Dr. J.W.K. daran gehindert: „Lassen Sie das, das ist nicht Ihre Aufgabe!“

Statt das Bild aufzuheben rief er laut und vernehmlich nach seiner Sprechstundenhilfe. Diese musste extra aus dem Labor ins Sprechzimmer eilen, um mit anhören zu müssen: „Frau K. heben Sie bitte die Röntgenaufnahme auf und legen Sie sie auf den Schreibtisch.“ Frau K. tat wie ihr geheißen, drehte sich um und verließ das Zimmer.

Offensichtlich bemerkte Herr Dr. J.W.K. mein Erstaunen über das soeben Gesehene und fühlte sich bemüßigt eine Erklärung abzugeben. Er meinte, er würde „über Tarif“ bezahlen und deshalb könne er durchaus solche Sonderleistungen verlangen. Seiner Sprechstundenhilfe müsse, von Zeit zu Zeit, der Platz, welchen sie in der Praxis einnimmt vor Augen geführt werden.


Lesen Sie außerdem hier alle weiteren Teile der Mobbing-Reihe von Franz Albert Springer.

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