Experte:

M.A. Wirtschaftswissenschaften Franz Albert Springer

Mobbing

Mobbing ist ein Begriff aus dem Englischen und bedeutet anpöbeln, angreifen, über jemanden herfallen. Mobbing ist vor allem Schikane, Intrige und Psychoterror in Organisationen, insbesondere am Arbeitsplatz. Aber auch in der Familie, in der Schule und der Freizeit nimmt Mobbing in erschreckendem Masse zu.

Die Bedeutung des Begriffs Mobbing hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Mobbing am Arbeitsplatz trifft einen großen Teil der erwerbstätigen Bevölkerung in unserer Gesellschaft.

Die Folgen von Mobbing am Arbeitsplatz betreffen nicht nur die bedauernswerten Opfer, sondern richten auch ökonomischen Schaden auf betrieblicher und gesellschaftlicher Ebene an.

Worin liegen nun die Gründe für das rapide Ansteigen der Mobbingaktivitäten in den letzten Jahren?

Einer der Hauptgründe für das stetige Ansteigen von Mobbing in der Arbeitswelt ist in der Globalisierung eben jener Arbeitswelt zu sehen. Mit ihr hält zunehmend angelsächsisches Führungsverhalten in den Betrieben Einzug. Die Maxime „hire and fire“ wird vorgelebt, und im zunehmenden Maße gnadenloser praktiziert. Sie dient somit als Basis für die diversen Mobbingvarianten, die, oft von der Unternehmensführung unterstützt, immer mehr an Bedeutung gewinnen. Mobbing dient immer mehr dazu, die Interessen von Betrieben gegenüber einzelnen Mitarbeitern durchzusetzen, instrumentalisiert ganze Abteilungen und Mitarbeiter und hat durch und durch asozialen Charakter.

Doch nicht alles was zunächst wie Mobbing aussieht ist auch tatsächlich Mobbing!

Um von Mobbing sprechen zu können müssen mindestens drei der beschriebenen Voraussetzungen vorliegen.

1. Zielgerichtetes Vorgehen des Täters:

Jede Mobbingaktivität verfolgt ein bestimmtes Ziel. Das heißt der Täter (oder die Täter) gibt ein Ziel vor, das es für ihn zu erreichen gilt. Dieses Ziel erreicht der oder die Täter dadurch, dass das Opfer, das der Zielerreichung im Wege steht, eliminiert wird.

2. Der Wille des Täters das Opfer „zu vernichten“:

Diese Voraussetzung für Mobbing klingt zunächst sehr martialisch, ist aber im Alltag durchaus Realität. Von den meisten Tätern wird die Vernichtung des Opfers zumindest billigend in Kauf genommen. Vernichtung meint hier natürlich nicht die gewaltsame, mit dem Tod endende Beseitigung des Opfers, sondern die Vernichtung seiner beruflichen Existenz.

3. Zerstörung des Selbstbewusstseins des Opfers durch den Täter:

Eine, wenn nicht gar die Hauptvoraussetzung für erfolgreiches Mobbing ist die Zerstörung des Selbstbewusstseins des Opfers durch den Täter. Die möglichen Vorgehensweisen der Täter sind ganz verschieden, von der Persönlichkeit des Opfers und des Täters, sowie von der konkreten Situation abhängig.

4. Psychische oder physische Gewaltausübung des Täters gegenüber dem Opfer:

In der Regel neigen intelligente Menschen beim Ausüben von Mobbingaktivitäten eher zur Anwendung von psychischer Gewalt, während einfach strukturierte Menschen mehr physische Gewalt ausüben. Selbstverständlich ist das eine so schlimm wie das andere, ist doch jede Form von Gewalt grundsätzlich abzulehnen.

5. Verbale Beleidigung des Opfers durch den Täter:

Das Aussprechen von Beleidigungen ist dem Menschen seit alters her so selbstverständlich wie Freizeit, Arbeit und Spiel. Schon bei Homer beschimpften sich die Helden der Griechen und Trojaner bevor sie handgreiflich wurden.

Wir alle wissen aus unserer  Kindheit, wie Beleidigungen verteilt und empfangen werden. Als erwachsenen Menschen hingegen passen wir uns der gesellschaftlichen Norm an und hüten uns davor den Mitmenschen zu beleidigen. Dieser könnte ja ebenfalls mit Beleidigungen reagieren oder, schlimmstenfalls, mit einer Beleidigungsklage antworten.

Trotzdem haben Beleidigungen einen gewissen Stellenwert im Instrumentarium des Mobbings. Mit offenen oder versteckten Beleidigungen ist es dem Täter möglich das Opfer zu demütigen, lächerlich zu machen oder zur Verzweiflung zu treiben.

6. Stigmatisierung des Opfers durch den Täter:

„Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich nachher ungeniert!“ Diese Feststellung einer alten Volksweisheit trifft leider auf unsere Gesellschaft nicht zu. Ein guter Ruf ist ein hohes Gut und muss sorgsam gepflegt werden. Aus diesem Grund ist auch die Zerstörung des guten Rufs, eine Stigmatisierung des Opfers durch den Täter, ein äußerst wirkungsvoller Bestandteil der Mobbingaktivitäten.

Wer sich schon einmal einer Rufschädigung ausgesetzt sah, weiß, wovon hier die Rede ist.


Lesen Sie außerdem hier alle weiteren Teile der Mobbing-Reihe von Franz Albert Springer.

  1. Gestüt Fohlengarten

    Interessanter, aufschlussreicher, praxisnaher Artikel.
    Mit diesem Thema wird sich viel zu wenig auseinandergesetzt.

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