Experte:

Dr. Pascal Kühner

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Jeder kennt ihn, den Heißhunger. Es ist der unstillbare Appetit auf beispielsweise Chips oder Schokolade. Dieser Appetit hat mit den Bildern in unserem Kopf zu tun. Wir konstruieren uns mit unserer geistigen Vorstellungskraft die Dinge, die wir gerne essen möchten. Jetzt kommt ein interessanter Behandlungsansatz ins Spiel. Just in den Momenten, in denen ihr euch dem Verlangen nach der Schokolade hingeben möchtet, stellt euch bewusst etwas anderes bildlich vor, z.B. euren waghalsigen Kopfsprung vom 3-Meter-Brett im Freibad vor einer Woche. Ihr schafft damit eine „visuelle Konkurrenz“.

Die australische Arbeitsgruppe um E. Kemps und M. Tiggermann (2010) konnte belegen, dass diese Methode wirksam ist. Demnach besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem was man sich geistig vorstellt und dem Heißhunger. Je intensiver man sich beispielsweise Schokolade vorstellt, desto stärker wird das Verlangen. Das ist wohl noch nichts Neues.

Diese Untersuchung bestätigt das, was wir alle aus eigener Erfahrung kennen: Während wir nur noch an Schokolade denken, entfaltet sich der unstillbare Appetit danach. Wir schmecken schon die Schokolade auf unseren Lippen. Dann ist es nahezu unmöglich noch an etwas anderes zu denken oder seiner Arbeit nachzugehen. Die Teilnehmer dieser Studie konnten sich demnach Wörter schlechter merken und Aufgaben wurden nur langsamer gelöst.

Um der Versuchung nicht nachzugeben, ist eine visuelle Distraktion (Ablenkung) notwendig. Beispielsweise kann dies die Vorstellungen von schönen Landschaften sein. Noch besser ist es, wenn Emotionen mitschwingen, z.B. bei intensiven Gerüchen, wie Blütenduft. Die Studie ging jetzt einen anderen Weg, den Appetit zu bändigen:

Diese Methode war einfacher und erfolgreich. Ausgangspunkt sind die Gedanken an Schokolade und das Verlangen. Als diese immer größer wurden, wurden die Probanden gebeten auf einem Bildschirm einem wirren Durcheinander von leuchtenden Punkten zu folgen. Man kann sich das wie eine Art Bildschirmschoner vorstellen, der in unregelmäßigen Abständen kleine Lichtpunkte erscheinen lässt.
Das Ergebnis ist erstaunlich: Der Appetit ließ durch die Bank hinweg nach. Die Probanden konnten ihren Heißhunger einfach „wegdenken“. Das Verlangen nach Süßem wurde weniger, die Teilnehmer konnten ihr unersättliches Verlangen nach Schokolade wieder kontrollieren.

Wie kann das in der Praxis aussehen? Einfache „Ablenkungs-Programme“ sorgen für visuelle Ablenkung. Diese könnte man als App auf dem Mobiltelefon immer griffbereit neben sich liegen haben.


Literatur:

Kemps E, Tiggermann M. A Cognitive Experimental Approach to Understanding and Reducing Food Cravings. Current Directions in Psychological Science 2010;19(2):86-90

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