Wladimir Klitschko ist ein bescheidener Mann. „Ich bin zufrieden mit dem, was ich erreicht habe“, sagt er, und es klingt, als erkläre da ein Hobbysportler, wieso er nicht nach Höherem strebt. Wladimir Klitschko jedoch ist schon ganz oben – und hat trotzdem nie aufgehört zu streben. Der am 25. März 1976 im heutigen Kasachstan geborene Boxer gewann 1996 bei den Olympischen Spielen als erster Weißer die Goldmedaille im Superschwergewicht. In seiner Profikarriere siegte er in 57 seiner 60 Kämpfe, 50 Mal durch K.o.

Aktuell hält Klitschko die Weltmeistertitel der Boxverbände WBA, IBF, WBO, IBO. Sollte sein älterer Bruder Vitali seine Karriere beenden und dessen WBC-Gürtel vakant werden, könnte Wladimir der erste Schwergewichts-Champion aller Verbände werden.

Klitschko bereitet sich akribisch auf seine Kämpfe vor, trainiert hart und macht fast keine Fehler. Kritiker bemängeln den mangelnden Unterhaltungsfaktor seines intelligenten Boxstils. Doch gerade der Verzicht auf ungestüme Aktionen macht den 36-Jährigen so erfolgreich. Seine eindrucksvolle Physis hilft natürlich auch. Mit einer Größe von 1,98 Metern, einem Gewicht von mehr als 110 Kilogramm und einer Reichweite von 2,06 Metern ist der Linksausleger seinen Kontrahenten meist körperlich und im Kopf überlegen.

„Boxen ist wie Schach“

Boxen macht für ihn aber nicht nur das bloße Anhäufen von Titeln und Medaillen aus. „Drei bunte Gürtel in den Ring zu tragen, ist nicht mein Ding. Dazu muss man mich fast zwingen. Spaß macht der Sport“, sagt Klitschko. Ihn reizen der Moment des Erfolgs und das Spiel mit dem Gegner: „Ziel ist es den Schlüssel zu finden, um den Gegner zu knacken. Boxen ist wie Schach. Wenn man körperlich und taktisch gut vorbereitet ist, dann hat man das Gefühl, kein Gegner dieser Welt, kann dir etwas anhaben.“


Natürlich kennt auch „Dr. Steelhammer“ Selbstzweifel. Drei bittere Niederlagen hat Klitschko in seiner Profikarriere erlitten. Sie haben ihn stärker gemacht. Sein Erfolgsrezept für die Selbstmotivation: „Ich überrede mich: Du schaffst, was du dir vorgenommen hast. Wer mit den Beinen schon auf allen Seiten gestanden hat, der kann besser die Balance halten.“

„Diese akribische Vorbereitung ist der Spaß“

Dass sein hartes Training auch Momente der Frustration bereithält, weist der Champion weit von sich. Klitschko liebt die Phase, bevor es losgeht: „Diese akribische Vorbereitung ist der Spaß. Sieben Wochen vor einem Kampf schneide ich den Rest des Lebens ab und habe Freude daran. Das musste ich auch erst lernen. Ich war früher leichtsinniger, habe die Sache nicht so ernst genommen. Ich studiere heute auch den Gegner sehr genau und entdecke jeden Tag Neues.“

Der promovierte Sportwissenschaftler tut gut daran, denn Leichtsinn ist der Untergang vieler Boxer – selbst der großen. Wer unkonzentriert im Ring ist oder seine Aufgabe nicht ernst genug nimmt, besiegelt damit seine Niederlage. Klitschko weiß das: „Die Geschichte ist voll von Fightern, die ihre Gegner unterschätzt haben und sich dann im Ringstaub wiederfanden.“

„So reden Loser“

Auch ein geborener Gewinner wie Klitschko kennt den Wert, im Moment des Scheiterns seine Würde zu wahren. Als sein Gegner David Haye nach dessen Niederlage über einen gebrochenen Zeh klagte, riet ihm der Weltmeister: „Sage nie nach einer Niederlage, dass du verletzt warst und deswegen nicht kämpfen konntest. So reden Loser. Egal, was man sagt, bei der Öffentlichkeit kommt das nicht gut an. Nimm den Kampf so, wie er war.“

Aufhören kommt für Klitschko einstweilen nicht in Frage. Er fühlt sich im besten Boxeralter. Den Punkt, wann es an der Zeit ist abzutreten, kennt er jedoch genau: „Ein Karriereende kann nur zwei Gründe haben: Gesundheit oder Motivation.“ Aus dem Mund des besten Boxers der Gegenwart klingt das überzeugender als jede sozialpolitische Diskussion über das richtige Renteneintrittsalter. Auch für Menschen mit bescheideneren Ambitionen.

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