Es begann als ich 5 Jahre alt war. Ich besuchte mit meiner Oma ein Reptilienhaus ganz in der Nähe unseres Wohnorts. Zu sehen waren sehr viele verschiedene Tierarten die man sonst nur in den entferntesten Winkeln der Erde zu Gesicht bekommt. Somit war das für mich als damals kleines Mädchen etwas ganz Neues und Besonderes.
Skorpione, Krokodile und Echsen, ja sogar Vogelspinnen machten mir keine Angst. Bei einem Tier aber soll ich wie verrückt angefangen haben zu kreischen so dass wir die Reptilienfarm verlassen mussten. Es war eine Schlange. In den darauffolgenden Jahren formte sich bei meinen Eltern ein klares Bild. Unser Mädchen hat panische Angst vor Schlangen.
Jegliche Versuche mich zu beruhigen schlugen fehl. Auch während meiner Schulzeit war das Thema Schlange ein harter Brocken. Ich hatte des Öfteren Alpträume in denen Schlangen vorkamen, selbst bei Dokumentationen war ich höchst nervös und verängstigt sobald eine Schlange zu sehen war.

Auch in meinem Freundeskreis sprach sich das Thema rum und nicht selten machten sich Bekannte einen Spaß daraus, mich mit einer Gummischlange zu erschrecken und dann war der Tag/Abend für mich recht schnell beendet. Die Panik schnürte mir einfach die Kehle zu, obwohl ich wusste, dass es keine echte Schlange ist.
Nachdem ich wieder eine Nacht mit Albträumen zugebracht habe, beschloss ich mit 23 Jahren,

dass das so nicht weitergehen kann. Ich war mittlerweile Erwachsen und wollte mich nicht von meiner Angst kontrollieren lassen. Ich wollte nicht bei Filmen wegschauen, im Zoo stehen bleiben während die Familie ins Reptilienhaus geht und schon gar nicht wollte ich durch Plüsch- und Plastikschlangen einen Schweißausbruch bekommen. Deshalb suchte ich mir professionelle Hilfe.
Gemeinsam mit einem Therapeuten habe ich die Ängste aufgearbeitet. Schritt für Schritt wurde das Feindbild Schlange immer harmloser für mich. Nach einem Jahr, habe ich mir dann zusammen mit meinem Therapeuten einen großen Schritt vorgenommen. Ich sollte am Wochenende mit ein paar Freunden zu einer Reptilienmesse fahren und eine Schlange berühren. Bis zu diesem Wochenende war ich zumindest so weit gekommen, dass ich vom bloßen Anblick keine Panikausbrüche mehr hatte, aber sie anzufassen war immer noch ein schrecklicher Gedanke. Zwei liebe Freunde hielten meine Hand und sprachen mir Mut zu. Das hat mir in dem Moment sehr geholfen.
Ich nahm also meinen ganzen Mut zusammen, streckte die Hand aus, kniff die Augen zusammen und spürte plötzlich etwas ganz weiches. Die Haut war gar nicht so glitschig und stachelig wie ich es mir vorgestellt hatte. Es war leicht kühl, weich mit kleinen Erhebungen durch die Schuppen. Ich fiel nicht Tod um, wurde nicht gebissen oder gewürgt. Die Schlange interessierte sich gar nicht für mich. Seit dieser Erkenntnis habe ich meine Angst überwunden und werde davon nicht mehr in meinem Alltag eingeschränkt. Es war nicht einfach diese Panik zu verarbeiten und daher mein größter Erfolg und merkwürdigerweise finde ich Schlangen jetzt fast schön.

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