Ich hatte eine sehr wichtige Prüfung an der Uni abzulegen. Zu einem komplexen juristischen Problem sollte ich heute ein Referat vor dem Kurs und dem Professor absolvieren. Ich hatte im Vorfeld eine ausführliche Präsentation vorbereitet und fühlte mich trotz meiner Prüfungsangst am Vorabend recht gut vorbereitet.

Doch als ich in der Früh aufwachte, war es mit meiner Zuversicht vorbei. Nachts  wurde ich von einem furchtbaren Albtraum heimgesucht, in dem ich vor Hunderten von Leuten meinen

Text vergesse und ausgebuht werde. Ich hatte ein ungutes Gefühl in der Magengegend, fühlte mich schwach und wollte mich am Liebsten im Bett verkriechen.
Ich schleppte mich ins Bad und machte mich für den Tag fertig. Draußen regnete es in Strömen und alles war trüb und nass. Als ich ins Auto stieg, hörte ich plötzlich ein lautes „Raaatsch!“. Meine Hose war gerissen! Glücklicherweise hatte ich es noch gemerkt, rannte in die Wohnung zurück und zog mich um.
In der Uni angekommen, waren meine Hände schweißnass und mein Herz raste. Als ich den Raum betrat, war der Professor noch nicht da. Nach und nach füllte sich der Raum mit Studenten, ich war vor lauter Nervosität nicht in der Lage am allgemeinen Smalltalk teilzunehmen.
Dann betrat mein Professor den Raum und begann mit der Vorlesung. Nach einigen einführenden Worten, die mir wie Stunden vorkamen, bat er mich nach vorne.

Wie ferngesteuert begann ich damit, meinen Laptop an den Projektor anzuschließen. Ich dachte, ich falle jeden Moment in Ohnmacht. Der Albtraum, die gerissene Hose, der Regen – das konnte doch kein Zufall sein! Ich war fest davon überzeugt, dass ich das komplette Referat vollständig vermasseln werde. Dabei brauchte ich doch so dringend eine gute Note!
Als ich mich umdrehte, um zu überprüfen, ob die Projektion an der Wand gut zu lesen war, erschien die Warnung „Lampe defekt“ anstelle meiner Präsentation. Mein Professor meinte nach einem Blick auf die Meldung: „Dann müssen Sie es halt ohne die Präsentation erklären!“
Mir wurde übel. Ich konnte auf keinen Fall auf meine Power-Point-Präsentation verzichten! Mein gesamtes Referat war darauf angewiesen!
Ich druckste herum und versuchte ihm klarzumachen, dass das auf keinen Fall möglich wäre. Doch er schien unempfänglich für meine Argumente – wahrscheinlich nuschelte ich so undeutlich vor mich hin, dass ich auch überhaupt nicht zu verstehen war.
Während ich vor meinen Kommilitonen und meinem Professor stand, passierte plötzlich etwas Seltsames. Ich wollte es einfach hinter mich bringen, egal wie! Natürlich hatte ich Angst, aber eigentlich hatte ich mich doch gut vorbereitet. Und was konnte mir schon passieren? Wenn ich eine schlechte Note bekam, dann würde es an meiner Unfähigkeit liegen, vor Leuten zu sprechen. Und das konnte ich nicht ändern. Oder doch?

Es ging wie ein Ruck durch meinen Körper. Ich merkte, dass ich mich aufrichtete und tief durchatmete. Und auf einmal begann ich zu sprechen, nein, zu referieren! Ich versuchte einfach alles so zu erklären, wie ich es einem Freund erklären würde. Mit jeder Minute wurde ich selbstbewusster und konnte sogar auf Fragen meines Professors antworten. Als es vorbei war, war ich wie in Trance. Ich konnte es gar nicht begreifen – ich, die seit Jahren Probleme damit hatte, vor Leuten zu sprechen, hatte es geschafft! Und sogar ohne die Zuschauer durch eine Präsentation von meiner Person abzulenken!
Nach der Stunde bat mich mein Professor zu sich. Er gratulierte mir zu der gelungenen Darstellung des komplizierten Falls und lobte mich für den spontanen Verzicht auf die Präsentation! Und wegen der Note könne ich mich getrost zurücklehnen, die sei auf jeden Fall im Einserbereich!

Heute habe ich viel weniger Angst davor, vor Leuten zu sprechen. Nachdem ich einmal so ins kalte Wasser geworfen wurde, habe ich nun viel mehr Selbstvertrauen. Ich weiß jetzt, dass ich für meinen Erfolg selbst verantwortlich bin und dass ich auch das Zeug dazu habe, erfolgreich zu sein! Nur den kleinen Schupser, denn braucht man manchmal.

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