Als Kind mit Migrationshintergrund ist es nicht immer einfach, sich sein soziales Umfeld auszusuchen. Vielmehr wird man in eine „Schublade“ zunächst hinein geboren, klingt merkwürdig, ist aber so. Auch wenn man sich gern dagegen wehren möchte, der Widerstand scheint meist größer zu sein als der eigene Wille. Ich wuchs in einem Stadtteil auf, welches man schon als sozialen Brennpunkt bezeichnen könnte. Der Ausländeranteil überwiegt. Die Kriminalitätsrate war zu dem Zeitpunkt sehr hoch. Dennoch schien die multikulturelle Gesellschaft, die in Ihrem Ganzen trotzdem viele kleinere Mikrokosmen beherbergte, ganz gut klar zu kommen. Es war üblich seine Freizeit mit Menschen aus seinem näheren Umfeld zu verbringen…der eine vorbestraft, der andere aggressiv, der andere gewaltbereit. Manchmal hat man selbst keine Wahl und auch wenn das Gute aus dem tiefsten Inneren versucht die verhärtete Schale des Bösen zu durchbrechen…es ist schwierig. ABER auch wenn die Chance auch noch so minimal erscheint…die Chance ist DA!!! Und ich bin ein Beispiel dafür, dass es funktioniert hat.

Gegangen bin ich auf eine Grundschule, die einen erhöhten Ausländeranteil gehabt hat. Das Schicksal hat es wohl am Ende der vierten Klasse gut mit mir gemeint, dass ich eine Empfehlung für die Realschule erhalten hatte, denn der größte Teil setzte Ihre Schulbildung entweder auf eine Gesamtschule oder auf eine weiterführende Hauptschule fort. Nur ein Bruchteil, an einer Hand abzuzählen, durfte auf das Gymnasium. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war mir klar, dass ich aus diesem sozialen Teufelskreis ausbrechen wollte. Ich wollte einfach nur raus! Raus aus diesem Milieu, aus dieser 2 Zimmerwohnung (40qm), die natürlich für eine dreiköpfige Familie viel zu klein war. Eine große Schrankwand teilte mein Schlafzimmer vom Wohnzimmer. Privatsphäre war Fehlanzeige. Ich musste es schaffen! Egal wie! Mir war aber auch bewusst, dass der Weg hier raus, der Bildungsweg war. Ich musste lernen, viel lernen, auch wenn dies bedeutete Abstriche zu machen. Ich wollte und musste besser sein als alle anderen. Das „Abhängen“ war nun Vergangenheit. Meine Motivation war mein Ziel. Dies machte sich schon bald in meinen Noten bemerkbar und ich bemerkte, dass Anerkennung und Respekt unter den Mitschülern und den Lehrern zunahmen. Es war wie ein Rausch, eine „Droge“, von der ich mehr wollte, von der ich von da an abhängig war. Ich spürte, dass ein Etappenziel erreicht worden ist. Und es fühlte sich gut an…sogar sehr gut.
Nach meinem Realschulabschluss habe ich überlegt, so wie jeder andere auch, wie es nun weitergehen sollte. Nirgendwo anders als bei der Bank gibt es so viel Geld. Also musste ich „notgedrungen“ dorthin, wo die Quelle sprudelte. Ich bewarb mich bei einer renommierten Bank, wohlgemerkt eine Bank, keine Sparkasse . Die Bewerbungsphase war nicht leicht, zumal Personalabteilungen bereits anhand formaler Kriterien aussiebten. Ich hörte nicht auf Bewerbungen zu schreiben. Die ersten Absagen taten noch weh, doch dann hatte ich gelernt, damit umzugehen und es nicht persönlich zu nehmen. Ich hatte ein Ziel vor Augen! Und diese Absagen konnten mich nicht daran hindern, dieses Ziel zu erreichen. Hartnäckig wie ich bin, gab ich nicht auf. Und am Ende erhielt ich auch Einladungen zum Vorstellungsgespräch. Mir war bewusst, dass ich eine Chance erhalten habe, die es galt zu nutzen. Das tat ich dann auch. Ich bereitete mich akribisch vor, bis ins letzte Detail. Ich verbrachte Stunden und Nächte mit dem Studium der betreffenden Bank. Von drei Einladungen zum Vorstellungsgespräch bzw. Bewerbungsprozesse überstand ich drei erfolgreich. Drei von drei bedeutete eine Erfolgsquote von 100%. Und da war wieder dieses Gefühl von Stolz und Zufriedenheit und der Gewissheit, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Ich absolvierte dort meine drei jährige Ausbildung, um die Finanzwelt genauestens zu studieren. Ich bestand die meine Ausbildung erfolgreich und habe eine weitere Etappe des Erfolgs geschafft!
Ich war mittlerweile finanziell unabhängig und habe sogar etwas ansparen können. Nach meiner Ausbildung wurde ich übernommen und arbeitete als privater Kundenberater. Irgendwann stellte ich mir die Frage: Ist es das gewesen? Habe ich schon alles erreicht?

Die Antwort: NEIN! HABE ICH NICHT!
Ich wollte mehr. Mein Ehrgeiz hatte mich erneut gepackt.
Nach Feierabend mühte ich mich in die Abendschule, um das Abitur nachzuholen, mit dem Ziel ein Studium der Betriebswirtschaft zu beginnen.
Die nächsten Etappenziele waren also das Abitur und das Studium. Beides um dies nun abzukürzen habe ich geschafft. Und ich bin überzeugt, dass auch jeder andere es schaffen kann. Eiserner Wille und feste Zielsetzungen sind das Geheimnis. Nach jeder Niederlage aufstehen, das gehört nunmal dazu. Aus Fehlern lernen, um besser zu werden! Auch wenn der Weg zum Erfolg nicht immer geradlinig verläuft, solange man sich bewegt und einen Schritt nach dem anderen macht, wird man ankommen. Bereits Konfuzius wusste: „ DER WEG IST DAS ZIEL!“.
Übrigens: Heute bin ich als IT-Unternehmensberater tätig.

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