Ein Praktikum in der Bankenwelt hat mein Leben verändert. Wenn Sie meine Kumpels aus dem Abi-Jahrgang oder aus dem Studium gefragt hätten, wie sie mich beschreiben würden, „stinkfaul“ wäre noch eine Untertreibung gewesen.
Ich brauchte einen Praktikumsnachweis und weil ich Wirtschaftswissenschaften studiert hatte, dachte ich an eine Bank. Dafür entschieden habe ich mich, weil ich zu mir sagte: „Die haben nur bis 17:30 Uhr auf und freitags machen die sogar eher zu.“ Ich hatte echt gehofft, dass die Filialöffnungszeiten dann auch für mich galten. Tja, und dann habe ich gemerkt, dass jemand, der nicht am Schalter arbeitet, hier mindestens normale 8-Stunden-Tage hatte.

Dann wurde ich gefragt, ob ich meine zwei letzten Wochen in einer anderen Abteilung, Finanzierungsprojekte, verbringen wollte. Fand ich super spannend, aber die Kollegen rieten mir ab und haben gesagt: “Wer da hingeht, der ist selber schuld.“ Die würden nie Pausen machen, das Wochenende durcharbeiten und es geht auch mal eine ganze Nacht weiter. Aber es war mir zu langweilig, Kopierarbeiten zu machen und Kaffee zu kochen, also habe ich es riskiert.
Am ersten Tag schrieb ich meinen Eltern, ob sie vielleicht die Weltgesundheitsbehörde informieren könnten, denn ich hielt es für totale Ausbeutung – 13 Stunden! Dann musste ich am Wochenende kommen, Samstagmorgen um 10 Uhr. Ich hoffte nur bis Mittag. Dann hörte ich aber, als Ersatz könnte man sich auf Kosten der Firma was beim Pizzabringdienst bestellen. Und dann habe ich gedacht, toll, dann komme ich vielleicht pünktlich zur Sportschau. Aber ich durfte mir dann auch noch abends was bestellen. Um 22 Uhr war ich zu Hause. 12 Stunden an einem Samstag – das war außerhalb meiner Vorstellungskraft.

Aber ich fand es auch spannend und hatte es ja auch überlebt. Und dann kam der Hit: Da das ganze Zeug bis Montag fertig werden musste, musste ich am Sonntag um 7 Uhr wieder da sein. Ich rief meine Mutter an und dachte ich schmeiße alles hin. Und sie sagte: „Du hast jetzt 11 Wochen vom Praktikum geschafft. Es geht nur noch um eine Woche. Dann kriegst du einen guten Nachweis und bestimmt eine gute Beurteilung.“ Also watschelte ich – eigentlich nur meiner Mutter zuliebe, die sich geschämt hätte, wenn ich aufgegeben hätte -  am Sonntag da hin.
Und jetzt raten Sie mal: Bringdienst mittags, Bringdienst abends und raus aus der Bank kam ich am Montagmorgen um 2:52 Uhr. Die Uhrzeit werde ich nie vergessen. Ich textete meiner Mutter: „Danke Mama. Uni & Lernen ist wirklich Schmalspur.“ Die SMS hab ich bis heute behalten.
Seitdem weiß ich, was Leistungsbereitschaft bedeutet und dass man “Motivation für Mehr” zeigen muss, wenn man weiter kommen will. Das habe ich mir für meinen ersten Job nach dem Studium vorgenommen.

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