Fußballspiele sind ohne sie praktisch undenkbar. Auch in London werden sie dieser Tage wieder zum Einsatz kommen, wenn Schiedsrichter bei den Olympischen Spielen Entscheidungen treffen oder englische Polizisten Alarm geben: Trillerpfeifen.

Doch nicht nur Ordnungshüter und Spielleiter schwören auf das kleine, praktische und vor allem laute Signalinstrument. Trillerpfeifen kommen auch im Bahnverkehr zum Einsatz, wo Zugführer die Abfahrt mit ihnen ankündigen. Und bei Demonstrationen lässt sich mit ihnen ein infernalisches Spektakel veranstalten.

Aber wo kommen Trillerpfeifen eigentlich her? Wer hat sie erfunden?

Ihre Ursprünge liegen tatsächlich im England des späten 19. Jahrhunderts. Die Londoner Polizei suchte nach neuen Ideen, wie sie beim Streifendienst die Aufmerksamkeit von Bürgern und anderen Einsatzkräften erregen konnte, und schrieb zu diesem Zweck 1883 einen Wettbewerb aus. Die zu dieser Zeit verbreiteten Rasseln galten als zu leise und zudem unpraktisch, denn sie ließen sich nicht freihändig benutzen.

Von dem Wettbewerb hörte Joseph Hudson, ein Werkzeugmacher aus Birmingham. Er wollte eine Signalpfeife konstruieren, doch es fehlte ein durchdringender Ton. Ein ärgerliches Missgeschick brachte ihn schließlich auf die entscheidende Idee, so zumindest will es die Legende: Als dem begeisterten Violinisten seine Geige zu Boden fiel, rissen die Seiten mit einem durchdringenden Laut.

Unentbehrlich bei Pfadfindern und Polizisten


Hudson stellte einen ähnlichen Misston her, indem er eine kleine Kugel in eine Pfeife einbaute. So entstand der charakteristische Trillerpfeifenton, der eigentlich aus zwei Tönen besteht. Hudson führte seine Erfindung der Polizei vor und dort war man vor allem von der Reichweite begeistert. Über eineinhalb Kilometer weit war das Signal klar zu hören. Er bekam den Zuschlag für einen Auftrag über 7000 Stück. Seine kleine, gemeinsam mit seinem Bruder gegründete Firma J Hudson & Co wurde so über Nacht zum wichtigsten Pfeifenhersteller der Welt.

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte das heute unter dem Namen Acre Whistles produzierende Unternehmen über 40 Patente und verkaufte allein von seiner Standardtrillerpfeife, der „Acme Thunderer“, mehr als 200 Millionen Stück. Sie kommt bei Militär- und Polizeieinheiten auf der ganzen Welt zum Einsatz, bei den amerikanischen Pfadfindern, beim American Football sowie beim Fußball.

Wie die Trillerpfeife ein Taschentuch ersetzte

Hudson verhalf jedoch nicht nur den englischen Bobbys mit seiner Erfindung zu einem neuem Markenzeichen. Auch die Schiedsrichter beim Fußball profitierten: In den ersten Jahren der Sportart machten sie nämlich noch nicht durch ein akustisches Signal auf ihre Entscheidungen aufmerksam, sondern mit einem Taschentuch. Dieses aus nachvollziehbaren Gründen eher unpraktische Hilfsmittel wurde durch Hudsons Trillerpfeife abgelöst – zunächst jedoch inoffiziell.

Denn das über das verbindliche Regelwerk wachende International Football Association Board (IFAB) ließ sich mit einem offiziellen Bekenntnis zur Trillerpfeife etwas mehr Zeit als die Londoner Polizei. Erstmals 1936 wurde sie schriftlich in einer Fußnote erwähnt, seit 2007 ist ihr in den Fußballregeln immerhin eine ganze Seite gewidmet. Joseph Hudsons Erfolgsidee schreibt also auch mehr als 110 Jahre, nachdem er seine Violine fallengelassen haben soll, weiterhin Geschichte.

Cord Krüger

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