Die Geschichte der Stoppuhr beginnt vor mehr als 500 Jahren im nordhessischen Kassel. Dass wir heute unser Leben auf der Erde sekundengenau takten, hängt mit der Leidenschaft des Landgrafen Wilhelm IV. für die Sterne zusammen.

StoppuhrDer begeisterte Förderer der Astronomie ließ 1560 in Kassel eine Sternwarte bauen. Um deren Präzision zu erhöhen stellte er 1579 den Schweizer Uhrmacher Jost Bürgi ein. Dieser konstruierte die erste Uhr mit Sekundenzeiger und „erfand“ so in gewisser Weise diese Zeiteinheit.

Bürgi legte damit zwar den Grundstein für die Stoppuhr, stoppen ließ sich sein Zeitmesser allerdings noch nicht – und handlich war er auch nicht. Die erste der verbliebenen Herausforderungen meisterte abermals ein Schweizer: Jean Pouzait baute 1776 eine sekundengenaue Uhr, die sich stoppen ließ. Da man dabei jedoch das gesamte Uhrwerk anhielt, war sie eher unpraktisch.

Vom Kasten- zum Hosentaschenformat

Das änderte sich fünfzig Jahre später. 1821 entwickelte der Franzose Nicolas Rieussec die erste Uhr mit praktikabler Stoppfunktion. Wie schon im Fall von Jost Bürgi lieferte wieder das Hobby eines Adligen den Anstoß für eine Erfindung. König Ludwig XVIII. war begeisterter Fan des Pferderennsports. Rieussecs Stoppuhr erlaubte es, die Rundenzeiten der Pferde genau zu messen. Seine Uhr besaß einen mit einem Sekundenzeiger gekoppelten Tintenschreiber. Stoppte man die Zeit, wurde sie grafisch auf einem Ziffernblatt festgehalten. So kam die Uhr mit Stoppfunktion zu ihrem Namen: Chronograph, zusammengesetzt aus den griechischen Worten Chrono (Zeit) und Graph (schreiben).


Rieussecs Chronograph hatte die Ausmaße eines Schuhkartons. Um sie im Alltag einsetzen zu können, musste die Stoppuhr schrumpfen. Dies gelang einem Österreicher: Joseph Thaddäus Winnerl konstruierte 1831 eine sekundengenaue Stoppuhr im Taschenuhrformat. Seine von ihm Chronoskop getaufte Erfindung besaß sogar noch einen weiteren Clou. Mit zwei unabhängig voneinander anhaltbaren Sekundenzeigern ließen sich endlich auch Zwischenzeiten bequem ablesen. Nur die Uhrzeit anzeigen konnte das Chronoskop nicht. Es war eine reine Stoppuhr.

Die Entwicklung der Stoppuhr hört nicht auf

Erst abermals dreißig Jahre später vereinte der Franzose Adolphe Nicole alle genannten Eigenschaften. 1862 präsentierte er die erste Taschenuhr der Welt, deren Sekundenzeiger sich nicht nur anhalten ließ, sondern der auch noch per Knopfdruck wieder auf Null gestellt werden konnte.

Damit war die Stoppuhr, wie wir sie heute kennen, einsatzbereit. Seither hat sich vor allem die Präzision der Zeitmessung verbessert. Das sieht man nicht zuletzt bei Sportwettbewerben wie den Olympischen Spielen: 1936 maßen Schiedsrichter die Zeiten der Skifahrer mit zwei Stoppuhren an der Start- und Ziellinie und verglichen beide Werte, so dass die tatsächlichen Rennergebnisse erst Stunden später vorlagen. 1962 in Helsinki konnten zum ersten Mal Rundenzeiten live im Fernsehen eingeblendet werden. Bei den Sommerspielen 2012 filmten Spezialkameras die Ziellinie mit 2000 Bildern pro Sekunde.

Keine schlechte Entwicklungsbilanz für eine Erfolgsidee, die vor 500 Jahren auf einer Sternwarte in Kassel ihren Anfang genommen hat.

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