Als Bertha Benz 1888 mit dem Patent-Motorwagen III ihres Mannes von Mannheim nach Pforzheim fuhr, waren ihre größten Sorgen, ob das Fahrzeug durchhalten würde und wo sie überhaupt überhaupt Treibstoff herbekäme? Seit diese Fragen für Autofahrer weitestgehend ihre Schrecken verloren haben, kreisen die Gedanken des Automobilisten um eine neue: Ist mein Gefährt schön gepflegt?

Was für manche Besitzer eine lästige Pflicht, ist für andere ein Ritual, das zum Wochenende gehört wie die Sportschau oder der Großeinkauf. So werden samstags vielerorts die Autos zur Waschanlage gefahren, gewaschen und gewienert, geschäumt und gewachst.

Aber wer hat die Waschanlage eigentlich erfunden?

Dass Autopioniere wie Carl Benz ihre Prototypen, Unikate und Versuchsträger hegten und pflegten darf als sicher gelten. Die Erfindung automatisierter Waschanlagen kam jedoch erst viele Jahre später. 1914 eröffnete in Detroit die erste kommerzielle Möglichkeit, sein Auto reinigen zu lassen. Das Fahrzeug wurde im Kreis von Station zu Station geschoben und dabei gesäubert und getrocknet.

Um 1928 kam die Idee einer halbautomatischen Waschanlage auf, aber es sollte noch bis 1948 dauern, bis sie einsatzbereit war. Wiederum in Detroit, der Hochburg der amerikanischen Autoindustrie, errichtete man die erste Anlage dieser Art, in der die Fahrzeuge von einer Maschine durch einen Vorläufer der heutigen Waschstraßen gezogen wurden. Bürsten, Wassersprinkler und Gebläse gab es schon, ihre Bedienung erfolgte jedoch noch immer manuell.


In den 1950ern eröffnete Dan Hanna, ein Geschäftsmann aus Portland, Oregon, zahlreiche ähnlicher Waschanlagen und trieb deren Automatisierung voran. 1959 war seine erste automatische Anlage einsatzbereit.

480 Millionen Autowäschen jährlich

Diesseits des Atlantiks machte man sich ebenfalls Gedanken darüber, wie sich Autos reinigen lassen könnten, ohne selbst zu Schlauch und Schwamm greifen zu müssen. Gebhard Weigele und Johann Sulzberger aus Augsburg jedenfalls war das Waschen von Hand zu mühsam: „Wir hatten zusammen ein Architekturbüro und von den Baustellen immer schmutzige Autos“, erzählte der heute 81-jährige Weigele im Interview. „So entschlossen wir uns, eine Autowaschanlage zu bauen, die man in die Waschhalle einer Tankstelle einbauen konnte.“

Statt auf Bürsten und Schaum setzten die beiden Erfinder allerdings zunächst auf eine ganz andere Technik. Sie mischten Sägespäne und Wasser, um Autos zu reinigen. Als sie sahen, dass ihre Methode nicht wie gewünscht funktionierte und sich das Gemisch in allen Fugen und Ritzen der Autos festsetzte, änderten sie ihren Ansatz. Mit zwei großen rotierenden Bürsten und viel Waschmittel klappte es. Am 8. August 1962 meldeten Weigele und Sulzberger ihre Waschanlage als Patent DE 1187943 an. Knapp zwei Jahre später entwickelten sie eine Waschstraße mit Münzautomaten, die es dem Autofahrer ermöglichte, in seinem Gefährt sitzen zu bleiben.

50 Jahre nach der Patentanmeldung der beiden Augsburger Waschanlagen-Pioniere zählt man in Deutschland 15.200 Portalanlagen (in denen sich das Auto nicht bewegt) und 1850 Waschstraßen. Dort wird etwa jede zweite der jährlich etwa 480 Millionen Autowäschen vorgenommen. Alle anderen erfolgen per Hand durch die Besitzer. Manch eine Erfindung wird eben zu einem Riesenerfolg, auch wenn man nicht alle potenziellen Kunden von ihr überzeugen kann.

Cord Krüger

Lesen Sie auch

Noch keine Kommentare vorhanden.

Sag' Deine Meinung!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *