Manchmal geht nicht der Urheber einer genialen Erfindung in die Geschichte ein, sondern derjenige, der ihr zum Durchbruch verhalf. Das Starrumpf-Luftschiff ist für immer mit dem Namen Zeppelin verknüpft, dabei hat der Graf aus Konstanz am Bodensee die Pläne dafür gar nicht allein entwickelt.

ZeppelinDie Geschichte des Luftschiffs beginnt Ende des 19. Jahrhunderts auf dem Balkan. Der Holzhändler David Schwarz (1852-1897) aus Zagreb überwachte winterliche Forstarbeiten und wohnte dazu in einer kleinen Blockhütte. Als ihm der Lesestoff ausging, schickte ihm seine Frau – so will es die Legende – ein Buch von Aristoteles, in dem es um Mechanik ging. Durch die Lektüre inspiriert, keimte in Schwarz eine Idee: Er wollte ein Luftschiff konstruieren.

Obwohl er keine technische Ausbildung oder gar ein Studium besaß, machte sich der Enthusiast ans Werk und setzte dabei auf einen seinerzeit völlig neuen Werkstoff: das Aluminium. Nachdem seine Entwicklungspläne konkretere Gestalt angenommen hatten, ging Schwarz auf die mühsame Suche nach Investoren. Er fand diese nicht in seiner Heimat Österreich-Ungarn, jedoch in Russland. Das Militär interessierte sich für seine Idee und begann 1892 in St. Petersburg mit dem Bau des Luftschiffs.

Der erste Zeppelin glich einem Getreidesilo

Ob es jemals einen Testflug absolvierte, ist bis heute strittig. Fest steht hingegen, dass das russische Kriegsministerium das Projekt kurz vor seinem Abschluss abbrach – der hohen Kosten wegen. Frustriert, aber nicht geschlagen, verließ Schwarz  St. Petersburg. Der Aluminiumfabrikant Carl Berg erklärte sich schließlich bereit, den Erfinder zu unterstützen. Mit seiner Hilfe baute er in der Nähe von Berlin das erste lenkbare Luftschiff der Welt. Es war 38 Meter lang, glich vom Äußeren einem liegenden Getreidesilo und bestand vollständig aus Aluminium.


Ein erster Flugversuch wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit am 8. Oktober 1896 unternommen. Das Luftschiff verließ den Hangar und hob tatsächlich wenige Meter vom Boden ab. Mehr erlaubte die schlechte Qualität des verwendeten Wasserstoff-Gases nicht.

Kurz nachdem Schwarz am 13. Januar 1897 darüber informiert worden war, dass seine Erfindung bereit war, endlich mit reinerem Wasserstoff befüllt zu werden, starb er völlig überraschend an Herzversagen. Der Jungfernflug verzögerte sich bis zum 3. November des gleichen Jahres, dann war es soweit: In Tempelhof startete das Schwarz‘ Luftschiff und flog 400 Meter hoch.

Zeppelin verhilft der Idee zum Durchbruch

Zu diesem Zeitpunkt hatte Ferdinand Graf von Zeppelin (1838-1917) zwar bereits viele Jahre lang versucht, das preußische Militär zum Bau eines Starrluftschiffs zu bewegen, doch passiert war wenig. Zeppelin warb noch immer um Investoren. Nach Schwarz‘ Tod kaufte der Graf dessen Witwe die Konstruktionspläne ab und ließ die Erfindung patentieren.

Zeppelins 128 Meter langer Prototyp LZ 1 erhob sich am 2. Juli 1900 in den Himmel über dem Bodensee – zum Staunen von rund 12.000 Zuschauern. Die öffentliche Resonanz auf den Jungfernflug war phänomenal. Auch wenn sich die Luftschiff-Technik langfristig nicht durchsetzen sollte, wurde Zeppelin zur Legende.

Wer weiß, hätte David Schwarz den ersten Flugversuch seines Luftschiffs nicht im Geheimen stattfinden lassen, wäre er heute vielleicht bekannter als Ferdinand von Zeppelin. Man muss eine Erfolgsidee eben nicht nur haben, sondern sie auch vermarkten können.

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