Es gehört zu den bekanntesten Wassersportarten und zum Standardbild an vielen Touristenstränden dieser Welt. Ein bisschen Mut gehört dazu und geschickt sollte man auch sein, andernfalls endet das Vergnügen jäh. Die Rede ist natürlich vom Wasserskifahren.

Balancieren bei hohen Geschwindigkeiten: So könnte man die Herausforderung am knappsten beschreiben. Beim Wasserski steht man auf Skiern und hält sich an einem Seil fest, das von einem Boot oder einer Winde gezogen wird. Dabei erreichen Profis ein Tempo von 190 Stundenkilometern. Gute Körperbeherrschung ist auch in anderen Spielarten der Sportart gefragt. Bei Showauftritten lassen sich vierstöckige Pyramiden bilden; beim Slalom müssen Bojen umkurvt werden.

Doch woher kommt das Wasserskifahren eigentlich? Und wer hat es erfunden?

Der Erfinder des Wasserskis war weder Wissenschaftler, noch arbeitete er in der Forschungsabteilung irgendeines Sportartikelherstellers. Ralph Samuelson war ein 17-jähriger Teenager, den der Gedanke umtrieb, dass Skifahren nicht nur auf Schnee, sondern auch auf Wasser möglich sein müsste. Es war der Frühling 1922 als Samuelson am Lake Pepin, einem Stausee am Oberlauf des Mississippi mit seinen ersten Versuchen begann. Sein Bruder, der ein Motorboot besaß, half ihm.

Samuelson gab nicht auf

Samuelson experimentierte mit gebogenen Fasshölzern und konventionellen Skiern, erntete damit aber nur Gelächter bei den anderen Kindern. Doch der junge Erfinder war hartnäckig und kaufte zwei Kiefernplanken, die mit 2,4 Metern länger waren als seine ersten improvisierten Wasserskier. Samuelson bog die Spitzen und befestigte Lederriemen als Bindung.

Ein paar Tage lang musste er noch an seiner Körperhaltung auf den Skiern arbeiten, dann bot sich der Jugend am See ein Anblick, der allen Spott verstummen ließ. Samuelson fuhr über den Lake Pepin. Doch damit nicht genug: Der halbwüchsige Draufgänger wurde immer wagemutiger, veranstaltete kleine Vorführungen seiner Kunst, benutzte im Sommer 1925 als Erster eine eingefettete Rampen und hängte sich im gleichen Jahr sogar an ein Flugboot. Dabei jagte er mit aberwitzigen 130 Stundenkilometern über den See.

Späte Ehre für den Wassersportpionier

Doch ein Schicksalsschlag und eine Torheit hätten beinahe dazu geführt, dass sich heute niemand mehr an den ersten Menschen auf Wasserskiern erinnert hätte. Denn zum Patent angemeldet hat Samuelson seine Erfolgsidee nie. Darum gilt seit Oktober 1925 Fred Waller mit seinen „Dolphin Akwa-Skees“ als Erfinder des Wasserskis. Und Samuelson Status als regionale Berühmtheit fand ein jähes Ende, als er sich 1927 beim Bau eines Bootshauses schwer am Rücken verletzte. Ans Wasserskifahren war fortan nicht mehr zu denken.
Erst 1963 – die Wasserskier hatten mittlerweile ihren Siegeszug um die Welt angetreten – stöberte eine Lokalreporterin den praktisch vergessenen, zurückgezogen lebenden Samuelson wieder auf. Das öffentliche Interesse an ihm war gewaltig, zumal auch in den Vereinigten Staaten viele davon ausgingen, die Ursprünge des Wasserskis lägen an der französischen Mittelmeerküste. Die „American Water Ski Association“ erklärte Samuelson drei Jahre später zum Begründer des Wasserskisports. Der Erfinder bezeichnete das später als glücklichsten Tag seines Lebens.

Cord Krüger

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