Erfolgreich wird man nicht unbedingt, wenn man etwas grundlegend Neues erfindet. Oft entpuppt es sich als viel entscheidender, eine Idee zu einem praktikablen Produkt weiterzuentwickeln. Die Kaffeefiltertüte wird heute gemeinhin einem Geniestreich der Dresdner Hausfrau Melitta Bentz (1873-1950) zugeschrieben.

Kaffee kochen im Porzellan Kaffeefilter, freigestelltDabei war sie nicht die Erste, die etwas gegen Kaffeesatz zu unternehmen versuchte. Die Idee das Heißgetränk zu filtern ist fast so alt wie der Kaffee selbst. Bereits 1784 schrieb Johann Georg Krünitz in seiner Oeconomischen Encyclopädie, ein „feines Leinwand-Tüchlein oder Haartuch“ könne in einem Trichter als Filter eingesetzt werden. Im 19. Jahrhundert kamen vor allem Metallsiebe zum Einsatz – den Kaffeesatz aus der Tasse verbannen konnten sie jedoch nicht. Bei keiner Filtermethode konnten Handhabung, Preis und vor allem das Ergebnis überzeugen.

73 Pfennige Startkapital

Im Herbst 1908 war es Melitta Bentz, die den entscheidenden Geistesblitz hatte. Auf den durchlöcherten Boden einer Konservendose legte sie Löschpapier aus einem Schulheft ihres Sohnes. Mit diesem improvisierten Filter gelang ihr, woran alle Kaffeeliebhaber zuvor gescheitert waren: satzloser Kaffee.

Bentz wäre mit dieser Idee jedoch nicht in die Geschichte eingegangen, wenn sie danach nicht einen zweiten, ebenso wichtigen Schritt gewagt hätte. Bereits am 15. Dezember gründete sie ihr Familienunternehmen mit dem bescheidenen Startkapital von 73 Pfennigen. Ihren „Kaffeefilter mit nach unten gewölbtem, mit einem Abflussloch versehenem Boden und lose einliegendem Siebe“ meldete sie beim Kaiserlichen Patentamt an.

Kaffefilter: von der Idee zum Unternehmen

Melitta Bentz, Foto: Melitta

Melitta Bentz, Foto: Melitta

Bestand das Unternehmen anfangs lediglich aus Melitta Bentz, ihrem Ehemann und den zwei Söhnen, konnte die Familie bereits nach kurzer Zeit Erfolge verbuchen. Bei der internationalen Hygieneausstellung in Dresden 1910 wurde ihr Kaffeefilter ausgezeichnet. Die Firma wuchs und musste aus Platzgründen Ende der 1920er Jahre ins Ostwestfälische Minden übersiedeln. Zu dieser Zeit exportierte Melitta auch schon ins Ausland und arbeitete kontinuierlich an der Verbesserung des Kaffeefilters. Seine heutige Tütenform erhielt er 1936. Der Name „Filtertüte“ ist seit 1963 ein geschütztes Warenzeichen.

Heute beschäftigt Melitta mehr als 3000 Angestellte und wird von zwei Enkeln der Gründerin geführt. Mit Tatkraft und Durchhaltevermögen war es ihr nicht nur gelungen, aus einer Idee ein marktfähiges Produkt zu machen, sondern auch, ein dauerhaft erfolgreiches Unternehmen aufzubauen.

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