Sie heißen AOL Instant Messenger, ICQ oder Windows Live Messenger und gehören zu den Grundbausteinen des Internets wie E-Mails oder Browser: Chats. Nur wenige Errungenschaften des Computerzeitalters haben die Kommunikation derart verändert und beschleunigt. Mit ihm lassen sich Textnachrichten in Echtzeit austauschen – privat wie im Beruf ein äußerst nützliches Werkzeug.

Waren Chats lange Zeit auf Texte beschränkt, können Nutzer mittlerweile auch per Video miteinander in Kontakt treten – Skype oder Facetime sei Dank. Egal ob die Oma mit ihren Enkeln in Übersee redet oder sich zwei Divisionen eines Unternehmens absprechen: Videochats haben in der globalisierten Welt Distanzen noch einmal merklich verkürzt. Im geschäftlichen Bereich können Webkonferenzen das ein oder andere Meeting ersetzen, die Effizienz steigern und damit den Erfolg.

Aber wie ist die Chat-Technologie entstanden? War sie als Zeitvertreib gedacht oder hatte sie einen professionellen Hintergrund? Die Spur führt in den Mittleren Westen der USA – und nach Finnland.

E-Learning und CB-Funk

Im Fall des Chats hat die Erfolgsidee mindestens drei Väter. Es gab keinen plötzlichen Durchbruch, sondern Meilensteine über einen langen Zeitraum. 1973 arbeitete Doug Brown an der Universität von Illinois am ersten E-Learning System Plato. Auf dieser Plattform wurden nicht nur Kurse angeboten. Auf Plato debütierten zahlreiche, heute selbstverständliche Anwendungen vom Message Board über Netzwerkflugsimulatoren bis hin zu Multiplayerspielen. Im Herbst 1973 installierte Brown ein weiteres wegweisendes Tool: Talkomatic, den ersten Online-Chat.

Talkomatic erlaubte es bis zu fünf Nutzern, Nachrichten in Echtzeit auszutauschen. Sie erschienen auf dem Bildschirm in horizontal angeordneten Fenstern, während sie getippt wurden. Damit konnte erstmals eine Unterhaltung mit mehreren Teilnehmern online live und natürlich übertragen werden. Talkomatic war vom Start weg ein Erfolg. Aber noch nicht alle Eigenschaften eines heutigen Chats ließen sich damit abbilden. Offene Chat-Kanäle konnten von jedermann belegt werden. Jemanden einzuladen war nicht möglich. Talkomatic konnte das Telefon also nicht ersetzen.

Das erste PC-Programm zum Online-Chat wurde 1980 von CompuServe veröffentlicht (zwei Jahre nach der ersten E-Mail-Anwendung Infoplex). Der CB Simulator war über ein Wochenende hinweg von Alexander Trevor aus Ohio entwickelt worden und verdankte seinen Erfolg zu einem Gutteil seinem Namen. Im Gegensatz zu Instant Messaging war Citizens‘ Band Radio (zu Deutsch: CB-Funk) den Leuten ein Begriff. Ohne weiteres Marketing wurde der CB Simulator zum Erfolg und bot anfangs 40 offene Chat-Räume, allerdings nur lokal. Die erste Online-Hochzeit der Welt – zwischen den Usern ChrisDos und Zebra3 – lief Anfang der 1980er Jahre über den CB Simulator.

Den dritten Meilenstein auf dem Weg zur heutigen Chat-Technologie lieferte der finnische Student Jarkko Oikarinen. Im Sommer 1988 arbeitete er im Rechenzentrum der Universität von Oulo. Aus Langeweile schrieb er ein Programm, um die Kommunikation auf den Uniservern zu verbessern. So entstand der Internet Relay Chat (IRC), die Möglichkeit, einen Chat über verschiedene Server an unterschiedlichen Orten laufen zu lassen. Damit war die Grundlage geschaffen für ortsunabhängige Chatsysteme. Oikarinen band mit seiner Technik erst weitere finnische Universitäten ein und stellte schließlich die Verbindung mit einem Mitarbeiter am MIT in Cambridge her. Bereits im November 1988 trat der IRC-Chat seinen Siegeszug über das gesamte Internet an. Seither haben sich die Übertragungsbandbreiten dramatisch erhöht. Auf den Pionierleistungen von Brown, Trevor und Oikarinen bauen jedoch weiterhin alle Chatsysteme auf.

Cord Krüger

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