Bei unserer jüngsten Geschichte über eine Erfolgsidee ging es um die Emoticons, im Wesentlichen also um Smileys aus Zeichenfolgen wie ;-). Unsere Facebook-Leserin Bianca Fric kommentierte daraufhin humorvoll: „War das nicht Forrest Gump?“

Tatsächlich liefert der von Tom Hanks gespielte Simplizissimus Forrest Gump im gleichnamigen Spielfilm von 1994 die Idee zum weltberühmten Smiley. Während eines Langstreckenlaufs wischt er sich mit einem gelben T-Shirt das Gesicht ab und inspiriert mit seinem Abdruck so einen findigen Geschäftsmann. Forrest Gumps Rolle in dieser Geschichte ist natürlich erfunden. Aber wer war es dann? Wem verdanken wir die minimalistischen gelben Grinser?

Wer zuerst Kreis, Bogen und zwei Punkte zu einem Gesicht arrangierte, lässt sich nicht sicher sagen. Die ersten Aufzeichnungen lassen sich hingegen auf das Jahr 1948 datieren. Ausgerechnet die für seine bleischweren Dramen bekannte schwedische Regielegende Ingmar Bergman ließ einen Smiley (der damals noch nicht so hieß, aber dazu später mehr) in seinem Film Hafenstadt auftauchen. Später tauchte er auf verschiedenen Kinopostern auf. Gelb war das grinsende Gesicht damals jedoch noch nicht. Ein New Yorker Radiosender druckte 1962 den noch etwas krakeligen Smiley auf Tausende Sweatshirts. Sogar Mick Jagger ließ sich mit so einem fotografieren.

Ein lachendes Gesicht für gute Nachrichten

Seine bis heute gültige Gestalt bekam er ein Jahr später. Werbegrafiker Harvey Ball erhielt von der Versicherungsanstalt State Mutual Life Assurance den Auftrag, ein Zeichen zu entwerfen, das sich auf Anstecknadeln drucken ließ. Das Unternehmen wollte damit die Mitarbeiterzufriedenheit unterstreichen und steigern. Ball machte sich an die Arbeit und entwarf ein schwarzes, grinsendes Gesicht auf gelbem Grund mit zwei ovalen Augen – den Smiley. Dafür erhielt er 45 Dollar Honorar, ließ sich seine Idee allerdings nicht schützen.


Das sollte sich als Fehler erweisen, denn fast ein Jahrzehnt nach Harvey Ball machte der französische Journalist Franklin Loufrani das Symbol in Europa populär und gab ihm seinen Namen: Smiley. Mit ihm markierte er 1971 in seiner Zeitung „France Soir“ alle guten Nachrichten. Sein Smiley unterschied sich grafisch nur minimal von Balls, ob er dessen Entwurf kannte, konnte nie geklärt werden. Loufrani war im Gegensatz zu Ball klug genug, seinen Smiley als Marke anzumelden.

Die Smiley Company gehört heute zu den größten Lizenzunternehmen überhaupt. Seit 2002 ging Loufranis Firma acht Jahre lang gerichtlich gegen den US-Warenhausgigant Wal-Mart vor, der die Symbole unter anderem auf Sonderangebote und die Westen seiner Mitarbeiter drucken ließ. Man einigte sich schließlich 2010 auf einen Vergleich, über dessen Höhe Stillschweigen vereinbart wurde.

Eine Erfolgsgeschichte war der Smiley natürlich nicht nur für Loufranis, den das lachende Gesicht zum Einkommensmillionär machte. In der Popkultur ist es ebenfalls seit Jahrzehnten nicht wegzudenken. Und spätestens, wenn Hollywood sich wie bei Forrest Gump eigene Geschichten über die Ursprünge einer Idee ausdenkt, dann weiß man, dass sie gut war.

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