Wenn man erfährt, was Tüftler und Wissenschaftler zu großen Erfindungen anspornte, hört man selten Geschichten über das Streben nach Ruhm und Reichtum. Häufig lässt sich der innere Antrieb zum Fortschritt auf einen einzigen Begriff reduzieren: Unzufriedenheit.

So war es auch bei Hans-Joachim Pabst von Ohain (1911-1998). Dem Physiker missfielen die Flugzeuge seiner Zeit: „Die Propeller machten ein schreckliches Geräusch. Das Flugzeug vibrierte, da es Kolbenmotoren hatte. Sie konnten sich nicht einmal mit ihrem Nachbarn unterhalten. Es war nicht so romantisch, wie ich erwartet hatte. Fliegen sollte doch etwas Elegantes sein.“Die Realität der Pionierjahre der Luftfahrt deckte sich nicht mit Ohains Idealvorstellungen. So machte er sich bereits während er noch an seiner Dissertation arbeitete daran, eine Alternative zum ungeliebten Propeller zu entwickeln. Unterstützt von seinem Automechaniker Max Hahn startete Ohain verschiedene Experimente und reichte 1936 sein Patent ein mit dem Namen „Verfahren und Apparat zur Herstellung von Luftströmungen zum Antrieb von Flugzeugen“.

Ein Investor verhilft zum Durchbruch

Ohains Alternative zum Propeller war ein Strahltriebwerk, bestehend aus Laufrad, Verdichter, Brennkammer, Turbine und Schubdüse. Ohne voneinander zu wissen, hatte der Engländer Frank Whittle (1907-1996) kurz zuvor eine ähnliche Konstruktion angemeldet. Da sich die Ideen der beiden jedoch in entscheidenden Punkten unterschieden, wurde Ohains Antrag 1937 genehmigt.

Die größten Schwierigkeiten des Erfinders waren allerdings weder patentrechtlicher Natur noch konstruktionsbedingt, sondern finanziell. Ein Prototyp musste gebaut werden und ein Testflug sollte irgendwann die Funktionstüchtigkeit des Strahltriebwerks beweisen. Ohain wandte deshalb sich an Ernst Heinkel. Der Flugzeugunternehmer war vom Konzept des neuartigen Antriebs sofort überzeugt und richtete Ohain und Hahn eine geheime Forschungsanlage ein.

Während der Erfinder und sein Mechaniker nach diversen Rückschlägen schließlich mit dem HeS 3 ein funktionsfähiges Triebwerk entwickelt hatten, konstruierte Heinkel dasExperimentalflugzeug He 178. Am 27. August 1939 hob schließlich in der Nähe von Rostock das weltweit erste Strahlflugzeug ab.

Die zivile Luftfahrt für immer verändert


Ohain hatte damit nicht nur eine der wichtigsten Erfindungen des 20. Jahrhunderts erfolgreich getestet, sondern auch den inoffiziellen Wettstreit mit Whittle für sich entschieden. Dessen Experimentalflugzeug, die Gloster E.28/39, absolvierte ihren Jungfernflug erst eineinhalb Jahre nach der He 178.

Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs unterbrach zunächst die Weiterentwicklung des Strahltriebwerks. Hans von Ohain wurde 1947 in die USA gebracht und arbeitete dort für die Airforce als Chefentwickler an Düsenflugzeugen. Whittle sollte er erst Jahre später kennenlernen. Die beiden Männer wurden enge Freunde. Ihre Erfindungen kamen schließlich auch der zivilen Luftfahrt zugute. Nach ihrer Auslieferung Ende der 1950er Jahre revolutionierten Boing 707 und Douglas DC-10 die Langstreckenfliegerei für immer.

Die strahlgetriebenen Passagiermaschinen waren komfortabler, schneller und wirtschaftlicher als alles da gewesene. Und Hans von Ohains Ideal vom „eleganten“ Fliegen war damit Wirklichkeit geworden.

Cord Krüger

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