Um viele alltägliche Dinge macht man sich nur sporadisch Gedanken. An Autoreifen denkt man – wenn man nicht gerade einen Platten hat – zwei Mal im Jahr und zwar jeweils wenn der Wechsel von Sommer- auf Winterpneus ansteht und umgekehrt. Gerade im Winter, wo es bei rutschigem Untergrund auf die Qualität der Reifen ankommt, ist es an der Zeit, sich ein wenig genauer mit ihnen zu befassen. Zum Beispiel, wem wir sie überhaupt zu verdanken haben. Wer erfand eigentlich den Autoreifen?

Im Gegensatz zu manch anderen Erfolgsideen kam diese nicht einem einzelnen Mann. Vielmehr trugen mehrere kluge Köpfe mit ihren Einfällen dazu bei, dass man Autoreifen heute selbstverständlich und sorglos verwenden kann.

Charles Goodyear (1800-1860). Der Amerikaner erfand 1839 durch Zufall die Vulkanisation, als ihm mit Schwefel vermischter Kautschuk auf den Herd fiel. Schwefel und Hitze machten den Kautschuk widerstandsfähig und elastisch – er wurde zu Gummi. Der Grundlage für eine ganze Industrie war gelegt.

Der Schotte Robert William Thomson (1822-1873) experimentierte mit zunächst mit aufblasbaren Tierdärmen und meldete schließlich 1845 den ersten Gummireifen der Welt als Patent an. Seine Erfindung war ihrer Zeit allerdings um gut 50 Jahre voraus. Das Fahrrad verbreitete sich erst langsam und Autos waren noch Zukunftsmusik. Außerdem mangelte es Thomson an geeignetem, dünnen Gummi für seine „Aerial Wheels“ (zu Deutsch: Luft-Räder). So blieben seine Gummireifen eine Kuriosität.

Aus Ideen werden Weltkonzerne


Vierzig Jahre später wurde der Reifen noch einmal erfunden und diesmal mit mehr Erfolg. Der Tierarzt John Boyd Dunlop (1840-1921) kam 1888 auf die gleiche Idee wie Thomson, als er Schlauchreifen mit Fußballventil für das Dreirad seines Sohnes bastelte, damit der Steppke beim Fahren im Haus nicht so viel Lärm machte. Dunlop erkannte das Potenzial seiner Erfindung, meldete sie zum Patent an und gab bald schon seinen Beruf auf, um sich voll auf sein Unternehmen für Fahrradreifen zu konzentrieren. Dunlop gibt es bis heute.

Nur drei Jahre nach Dunlop entwickelten die Brüder André (1853-1931) und Edouard Michelin (1859-1940) ebenfalls luftgefüllte Gummireifen für Fahrräder. 1895 entstand so in Zusammenarbeit mit Peugeot das erste Auto mit entsprechenden Pneus. Anders als Dunlop setzte Michelin & Cie auf einen Reifen mit einem separaten Luftschlauch. Auch die beiden Franzosen machten aus ihrer Idee einen Weltkonzern.

Der erste Winterreifen

Auch ein Deutscher trug einen Teil zum Durchbruch der Autoreifen bei: Unternehmer Friedrich Veith (1860-1908) gelang es zur Jahrhundertwende, die Haltbarkeit und Laufleistung von Reifen durch genormte Reifen und Felgen entscheidend zu verbessern.

Noch vier weitere Erfindungen trugen zur Entstehung des modernen Autoreifens bei: Continental führte 1904 erstmals Querrillenprofile ein. Durch die Beimischung von Ruß wurden die Reifen nach dem Ersten Weltkrieg herstellerübergreifend nicht nur langlebiger, sie erhielten auch ihre bis heute charakteristische Farbe.  Auf der Internationalen Automobilausstellung 1922 zeigte Dunlop einen Reifen mit eingearbeitetem Metalldraht. Und 1943 hatte wieder Continental die Nase vorn, als sich das Unternehmen den ersten schlauchlosen Reifen patentieren ließ.

Den ersten Winterreifen brachte allerdings keiner dieser Konzerne auf den Markt, sondern ein kleiner Hersteller aus Traiskirchen bei Wien. Ab 1936 verkaufte die Miskolczy & Co. OHG den Semperit Goliath. Dessen Nachkommen verhindern noch heute, dass man im Winter ins Schleudern kommt.

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