Wolkenkratzer wie das Empire State Building in New York oder der 830 Meter hohe Burj Khalifa in Dubai gelten als Inbegriff der Moderne. Solch architektonische Superlative wären jedoch unmöglich ohne eine heute alltägliche technische Errungenschaft: den Aufzug. Wären Menschen nach wie vor auf Treppen angewiesen – Gebäude wären nur wenige Stockwerke hoch. Der Hochleistungs-Expresslift im Burj Khalifa bringt seine Passagiere in weniger als einer Minute bis auf eine Höhe von 638 Metern. Doch wer hat den Aufzug eigentlich erfunden?

going downMit Zug- und Hebevorrichtungen arbeiten Menschen bereits sehr lange. Der römische Architekt Vitruv soll im dritten Jahrhundert vor Christus ebenso einen Vorläufer heutiger Aufzüge konstruiert haben wie sein legendärer griechischer Kollege Archimedes. 1793 wurde im St. Petersburger Winterpalais erstmals ein Lift in ein Gebäude eingebaut. In Bergwerken kamen bald darauf dampfbetriebene Aufzüge zum Einsatz; andere Varianten dienten als Ausflugsattraktion ähnlich einem Kettenkarussell. Doch sie alle hatten einen entscheidenden Haken, der ihren Einsatz zur regelmäßigen Beförderung von Personen praktisch ausschloss: Sie konnten abstürzen.

Der moderne Aufzug musste sicher sein

Und so kann heute der Mann als Erfinder des Aufzugs angesehen werden, der ihn sicher und beherrschbar machte. Es war der Amerikaner Elisha Graves Otis (1811-1861). Sein berühmtester Ausspruch charakterisiert deswegen genau diesen Beitrag zur Geschichte der Architektur und der Fortbewegung: „All safe, gentlemen.“  Alles ist sicher.

Das sagte Otis, als er 1854 in New York seine Erfindung vorführte. Er stand auf einer kleinen Plattform, die zwischen vier Pfählen hing und mit einem Seil nach oben gezogen wurde. Auf Otis‘ Kommando durchtrennte sein Assistent das Tau mit einer Axt, die Plattform ruckte, doch zur Verwunderung der Zuschauer passierte sonst nichts. Alles war sicher.


Otis‘ Erfindung bestand aus der Kombination von Zahnschienen und einer Feder. Seine Aufzugplattform wurde an den Schienen entlang gezogen. Riss das Zugseil, schnellte die Feder auseinander und ließ die Plattform in den Zahnschienen einrasten.

Die perfekte Präsentation gehört dazu

Otis' Patentantrag für seinen absturzsicheren Aufzug von 1861.

Otis’ Patentantrag für seinen absturzsicheren Aufzug von 1861.

Aufgewachsen war Otis auf einer Farm in Vermont. Er wollte Unternehmer werden, doch seine Geschäftsideen blieben erfolglos. Schließlich zog er in die Nähe von New York und arbeitete dort als Mechanikermeister. In dieser Zeit machte er bereits einige Erfindungen. Von einer Firma, die Bettgestelle herstellte, wurde er mit dem Bau eines Lastenaufzugs beauftragt und um diese sicherer zu machen, entwickelte Otis seine Erfolgsidee.

Nachdem er 1854 die Zuschauer auf der New Yorker Weltausstellung erst schockiert und dann zum Staunen gebracht hatte, konnte Otis seine Erfindung endlich zu Geld machen. Am 23. März 1857 nahm die Otis Elevator Company im vierstöckigen Haughwout Store den ersten absturzsicheren Personenaufzug in Betrieb.

Dieser wurde noch mit Dampf betrieben. Das erste Elektrizitätswerk errichtete Thomas Alva Edison in New York erst 1888. Den elektrischen Aufzug hatte da bereits ein Deutscher entwickelt. Werner von Siemens (1816-1892) führte ihn 1880 in Mannheim vor. Siemens‘ und Otis‘ Erfolg hing nicht nur von ihren guten Ideen ab. Sie wussten diese auch gekonnt zu präsentieren.

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