Er ist eine sinnvolle Erfindung, auf die man allerdings als Anrufer oft gerne verzichten könnte: der Anrufbeantworter. Im Smartphone-Zeitalter mit all seinen Nachrichtendiensten kommt er – genau wie das Festnetztelefon – langsam wieder aus der Mode, aber für sehr lange Zeit war er die einzige Möglichkeit, davon zu erfahren, dass man von jemandem in Abwesenheit kontaktiert worden war.

abZwar verorten die meisten Menschen Anrufbeantworter hierzulande mit den 1990er Jahren – immerhin kosteten die Geräte 1980 noch deutlich mehr als 1000 DM. Ihre Entwicklungsgeschichte reicht jedoch viel weiter zurück – fast bis zur Erfindung des Telefons.

Dessen Entwicklung erfolgte Mitte des 19. Jahrhunderts. Der deutsche Physiker Johann Philipp Reis (1834-1874) gab dem von ihm konstruierten Fernsprecher 1861 seinen bis heute auf der ganzen Welt gebräuchlichen Namen: Telephon. Im Jahr zuvor hatte auch der Italiener Antonio Meucci (1808-1889) eine vergleichbare Erfindung vorgestellt. Reichtümer oder Ruhm erhielt jedoch keiner der Männer.

Kein Anrufbeantworter ohne Telefon

Meucci konnte sich eine Patentanmeldung seines Telefons nicht leisten und so musste er hilflos mitansehen, wie ihm der nach Kanada ausgewanderte Schotte Alexander Graham Bell (1847-1922) im Prinzip seine Erfindung stahl. Bell führte die Arbeiten von Reis und Meucci zu einem eigenen Entwurf zusammen und ließ ihn schützen, ohne überhaupt ein funktionstüchtiges Gerät zu besitzen. Am 7. März 1876 erhielt er die Patenturkunde. Ein Jahr später gründete er die Bell Telephone Company.


Bells Verdienste liegen also weniger in der Erfindung der neuen Technologie als in dessen Verbreitung. Das Phänomen des verpassten Anrufs kam darum erst auf, als das Netz größer und dichter wurde. Zwischen 1883 und 1895 wurden im Deutschen Reich peu a peu alle Großstädte miteinander verbunden. Doch von der heutigen Verbreitung der Telekommunikation war man freilich weit entfernt. Noch 1936 gab es weniger als zwei Millionen Telefonanschlüsse zwischen Königsberg und Freiburg – heute sind es mehr als 55 Millionen.

Eine wichtige Vorstufe zum Anrufbeantworter entwickelte der Däne Valdemar Poulsen (1869-1942). Ihm gelang es 1898, Schall (und damit Gespräche) magnetisch aufzuzeichnen. Tonbandgeräte und Kassettenrekorder gehen direkt auf Poulsens Erfindung zurück, die er seinerzeit „Telegraphon“ nannte.

Erster Anrufbeantworter groß wie eine Kommode

1931 präsentierte William Schergens eine kommodengroße Maschine, die selbstständig Anrufe entgegennehmen und eine Nachricht aufnehmen konnte. Größere Popularität erlangte der Telephonograph, den der Elektriker Willy Müller (1903-1992) im Jahr 1935 vorstellte. In die Massenproduktion gehen konnte seine Erfindung jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Durchbruch gelang schließlich dem Japaner Kazuo Hashimoto. Sein Ansa Fone wurde ab 1960 erfolgreich in den USA verkauft.

Wie die Erfinder des Telefons konnten auch die Väter des Anrufbeantworters kaum von ihren, die Welt verändernden Ideen profitieren. Und so hat diese Erfolgsgeschichte eigentlich nur einen Gewinner: Alexander Graham Bell, weil dieser geschäftstüchtig genug war, um etwas aus den Erfindungen zu machen. Seine Bell Telephone Company trägt seit 1885 den Namen American Telephone and Telegraph Company (AT&T) und ist heute der größte Telekommunikationskonzern der Welt.

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