Wer etwas erfindet, verspricht sich davon einen bestimmten Effekt. Meist geht es um die Lösung eines Problems. Manchmal entfaltet die Erfindung allerdings eine ganz andere Wirkung als geplant. Die Teflon-Beschichtung zum Beispiel wurde 1938 von einem Chemiker entdeckt, der auf der Suche nach einem Kühlmittel war. Erst seine Frau kam dann Jahre später auf die Idee, mit dem bei den Experimenten zufällig entstandenen Nebenprodukt Pfannen zu beschichten.

Wirklich kurios wird es, wenn eine Erfindung sogar das Gegenteil dessen bewirkt, was sie eigentlich sollte – und dann damit auch noch Erfolg hat. Solch eine kuriose Erfolgsidee war der „Merchandise Marks Act“ von 1887. Das Gesetz sollte in Großbritannien Importe eindämmen und verhalf der deutschen Exportwirtschaft zu ihrem wahrscheinlich berühmtesten Gütesigel: Made in Germany.

„Deutsche Waren sind billig und schlecht“

Die Erfolgsgeschichte beginnt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das Vereinigte Königreich war damals das technologisch und wirtschaftlich fortschrittlichste Land der Welt und Taktgeber der Industrialisierung. Dampfmaschine und Webstuhl veränderten Arbeits- und Produktionsabläufe für immer. Britische Erzeugnisse suchten in den meisten Bereichen ihresgleichen.

Deutschlands Kleinstaaten konnten da nicht mithalten. Damit die Wirtschaft den Anschluss behielt, bedienten sich zahlreiche Unternehmen Methoden, die man im Vereinigten Königreich als äußerst unfein empfand: Produkte wurden dreist abgekupfert und teilweise sogar mit falschen Herkunftsangaben versehen. So behaupteten etwa Schmiede aus Solingen, ihre Messer stammten aus Sheffield, dem Stolz der britischen Metallindustrie.

Die Qualität der Erzeugnisse, mit der deutsche Firmen auf die ausländischen Märkte drängten, war zudem mehr als bescheiden. Bei der Weltausstellung in Philadelphia 1876 urteilte Preisrichter Franz Reuleaux lapidar: „Deutsche Waren sind billig und schlecht“.

„Konkurrenz durch Qualität“

In Großbritannien wollte man den minderwertigen Plagiaten einen Riegel vorschieben und verabschiedete 1887 im Unterhaus den „Merchandise Marks Act“. Fortan mussten Importe mit ihrem Produktionsland gekennzeichnet werden. Das sollte die Industrie des Königreiches schützen, denn die Kunden würden sich – so dachte man – bei freier Auswahl immer für das heimische Produkt entscheiden.

In der Öffentlichkeit des Deutschen Kaiserreiches hatte Reuleaux hartes Urteil derweil hohe Wellen geschlagen. Als neue Losung für die gesamte Wirtschaft wurde wiederum ein Spruch des Preisrichters auserkoren: „Konkurrenz durch Qualität.“ Fortan setzten deutsche Unternehmen alles daran, nicht länger nur billiger zu sein als die britischen Marktführer, sondern auch besser.

So bewirkte die Kennzeichnungspflicht schon bald das Gegenteil dessen, was das britische Parlament bei seiner Verabschiedung beabsichtigt hatte. Aus dem Warnhinweis wurde ein Gütesigel. Während die britische Industrie ihren Zenit überschritt und gegenüber der Konkurrenz aus den Vereinigten Staaten und Kontinentaleuropa langsam den Rückzug antrat, avancierten deutsche Exporte aufgrund ihrer Haltbarkeit und Fortschrittlichkeit zu Verkaufsschlagern.

Daran sollte sich in den 125 Jahren seit dem „Merchandise Marks Act“ nichts ändern. Das LabelMade in Germany begleitete den Wiederaufbau der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg über das Wirtschaftswunder bis hin zum Titel des „Exportweltmeisters“. Die Idee, Produkte mit ihrem Herkunftsort zu kennzeichnen, existiert bis heute.

Cord Krüger

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