Von heute auf Morgen die eigenen beruflichen Träume über Bord werfen, ein Unternehmen in einer männerdominierten Branche übernehmen und den Familienbetrieb nicht nur weiterführen, sondern noch erfolgreicher machen: Was für viele undenkbar klingt, beschreibt den Werdegang von Vanessa Weber.

Mit 22 Jahren übernahm Vanessa Weber die Werkzeug Weber GmbH & Co. KG © Werkzeug Weber

Mit 22 Jahren übernahm Vanessa Weber die Werkzeug Weber GmbH & Co. KG © Werkzeug Weber

Eigentlich träumte Vanessa Weber von einer Karriere als Model oder Grafikerin. Doch als sie 18 Jahre alt war, konnte ihr Vater das Familienunternehmen, die Werkzeug Weber GmbH & Co. KG, aufgrund von gesundheitlichen Problemen nicht mehr weiterführen. Die heute 32-Jährige überlegte nicht lange und statt zu studieren, ging sie direkt nach ihrer Ausbildung in den Familienbetrieb.

2002, mit 22 Jahren, übernahm sie die Firma dann als Geschäftsführerin und Inhaberin und steigerte den Umsatz seitdem von 1,9 Millionen auf über 10 Millionen. Daneben engagiert sich Vanessa Weber seit ihren dem 17. Lebensjahr bei den E/D/E Junioren, seit ihrem 22. Lebensjahr bei den Wirtschaftsjunioren, ist Rednerin bei den Dresdner Erfolgstagen und stellt Bücher zum Thema Burn-out Prävention vor.

Wie sie all das unter einen Hut bringt, woher sie ihre Kraft nimmt und wie sie sich so erfolgreich in der männerdominierten Branche durchsetzte, hat sie uns im Interview verraten.

„Zweifeln war für mich eigentlich nie eine Option“

Selfmade.de: Frau Weber, eigentlich hatten Sie ja andere Karrierepläne – von heute auf Morgen haben Sie diese verworfen und sind in den Familienbetrieb eingestiegen. Wie war das für Sie?

Vanessa Weber: Es ist natürlich kein Mädchentraum, den Werkzeughandel zu übernehmen, aber die Wirtschaftsausrichtung war immer schon vorhanden und durch meine Ausbildung zur Kauffrau für Groß- und Außenhandel auch die kaufmännische Kenntnis. Als es die Umstände dann erforderten, habe ich einfach nicht lange überlegt, eine Entscheidung getroffen und bis heute nicht bereut.

Selfmade.de: Sie hatten ja nicht nur ursprünglich andere Pläne, Sie waren auch noch sehr jung, als Sie die Firma übernommen haben. Andere gehen mit 22 Jahren noch in die Disco – haben Sie das jemals vermisst oder kamen Ihnen Zweifel auf?

Vanessa Weber: Nein. Ich habe nie gedacht, dass ich irgendwas verpasse. Ich hatte damals auch gar keine Lust mehr auf Party – die Wochenenden brauchte ich zur Erholung, da ich in den ersten drei Jahren gar keinen Urlaub gemacht habe. Aber Zweifeln war für mich eigentlich nie eine Option. Man fragt sich vielleicht mal, ob man richtig gehandelt hat, aber ich habe dann einfach weitergemacht, es hat funktioniert und es war gut so. Durch die Wirtschaftsjunioren und E/D/E Junioren habe ich mir mein eigenes Netzwerk aufgebaut, schnell neue Freunde und Gleichgesinnte gefunden, das hat mir natürlich auch Kraft gegeben.

„Ich musste mich immer beweisen und hart arbeiten“

© Werkzeug Weber

© Werkzeug Weber

Selfmade.de: Und wie reagierten die Kunden und Geschäftspartner auf die junge Frau, die einen Werkzeughandel führte?

Vanessa Weber: Viele Geschäftspartner kannten mich bereits von Veranstaltungen und waren daher positiv eingestellt, aber einige Kunden haben zunächst gezweifelt. Sie haben mir das häufig nicht zugetraut und gedacht: „Eine junge blauäugige 18-Jährige hat keine Ahnung und will uns etwas von der Welt erzählen“ – Als Sie gemerkt haben, dass ich weiss, wovon ich spreche, konnte ich sie jedoch immer überzeugen!

Somit war meine vermeintliche Schwäche quasi meine Stärke. Ich musste mich immer beweisen und hart arbeiten. Und durch die vielleicht niedrigeren Erwartungen hatte man die Kunden dann immer schnell auf seiner Seite, wenn sie sahen, dass die Kompetenz da ist, dass man sich vorbereitet hat und Vollgas gibt.

Selfmade.de: Gab es denn auch kritische Stimmen, mit denen Sie umgehen mussten?

Vanessa Weber: Es gab natürlich immer mal ältere Männer, die dann fragten: „Kann ich mal von einem Mann bedient werden?“ Aber das ist dann eben die ältere Generation, die nicht versteht, was eine Frau im Werkzeugladen macht. Ich habe das eher mit Humor genommen, denn wenn man sich alles zu Herzen nehmen würde, müsste man sich ja nur vergraben. Ich habe das abgetan, weitergemacht und dann waren sie auch zufrieden.

„Das Tun ist immer das Wichtigste“

© Werkzeug Weber

© Werkzeug Weber

Selfmade.de: Diese Zufriedenheit spiegelt sich ja auch in den Umsatzzahlen wieder – wie genau haben Sie es geschafft, den Umsatz von 1,9 Millionen auf über 10 Millionen zu steigern, trotz Konjunkturkrise?

Vanessa Weber: Ich schaue einfach nie nach Problemen, sondern nach Lösungen und vielleicht über den Tellerrand hinaus. In der Konjunkturkrise haben wir beispielsweise geschaut, welche Möglichkeiten es noch gibt, haben gesehen, dass viele ins Eigenheim investieren, und sind dann mehr in die Richtung Privatanwender gegangen. Es bricht ja letztlich nie alles zusammen. Wenn man zum Beispiel sieht, dass die Maschinenbauer zusammenbrechen, kann man auf der einen Seite den Kopf in den Sand stecken oder auf der anderen Seite schauen, welche Möglichkeiten es noch gibt. Deswegen sage ich immer, dass wir eine Art Generalunternehmen sind. Wir sind Experten darin, unseren Kunden Lösungen anzubieten – nicht nur in Bezug auf ein bestimmtes Produkt. Denn nur, weil wir „Werkzeug Weber“ heißen, bedeutet das nicht, dass wir nur Werkzeuge vertreiben. Stattdessen sehe ich uns als Handelshaus – unsere Handelsware sind die Lösungen für unsere Kunden.

Selfmade.de: Diese Flexibilität scheint mit eines Ihrer großen Erfolgsgeheimnisse zu sein. Kann man dieses Gespür, was die Firma voranbringen würde, erklären oder antrainieren?

Vanessa Weber: Ich glaube, man muss nur hinhören und offen für Neues sein. Die Kunden beispielsweise fragen, was sie brauchen und wo es brennt. Wenn einer dann sagt, sie benötigen neue Haartrockner, dann arbeite ich mich eben in die Thematik ein und biete das auch an. Wenn man also offen durch die Welt geht, zuhört und umsetzt, ohne lange nachzudenken, gelingt es meistens. Das Tun ist immer das Wichtigste, aber auch das, woran die meisten scheitern. Natürlich kann es schief gehen, aber mehr kann ja nicht passieren.

Selfmade.de: Haben Sie neben der Flexibilität noch ein weiteres Erfolgsgeheimnis?

Vanessa Weber: Stetige Weiterbildung und niemals stehen bleiben. Und natürlich an sich selbst zu glauben. Das Thema positives Denken wird bei mir auch ganz groß geschrieben, denn wer sich Ziele setzt und daran glaubt – erreichbare Ziele – der erreicht sie auch.

Ich habe dafür beispielsweise ein Erfolgstagebuch genutzt, in das man seine fünf täglichen Erfolgsmomente einträgt. Also setzt man sich abends hin, überlegt, was man gut gemacht hat und denkt dadurch gleich positiv. Am Anfang ist das noch schwierig, aber mit der Zeit fallen einem immer mehr Sachen ein. Ich habe mir dann auch immer dazugeschrieben, was mein Ziel für den nächsten Tag ist und ein Zitat, das mir geholfen oder gefallen hat. Und selbst, wenn Tagebuchschreiben immer als etwas Mädchenhaftes gilt – das Erfolgstagebuch ist auch durchaus für Männer empfehlenswert.

Daneben hilft natürlich alles, was das starre Denken aufbricht – also beispielsweise kreative Aktivitäten und gezielte Ruhezonen. Diese Entspannung muss auch sein, denn ein Auto, das immer Vollgas fährt, geht eben auch irgendwann kaputt.

„Die Mitarbeiter sind das wichtigste Gut“

Selfmade.de: Um eben dieses Thema – Burn-out-Prävention – geht es ja auch in dem Buch, das Sie nebenbei noch vorstellen. Aber wie steht es bei den ganzen Ehrenämtern, Aufgaben und Geschäftsreisen eigentlich um Ihre Work-Life-Balance? Wie bringen Sie das alles unter einen Hut, ohne auszubrennen?

Vanessa Weber: Ich hole mir meine Energie eigentlich durch die vielen Ehrenämter, denn das positive Feedback hilft mir mehr, als einfach zu Hause rumzuliegen. Man bekommt dadurch ja viel zurück, beispielsweise durch das „Plant-for-the-Planet“-Projekt, an dem ich mich gemeinsam mit den Wirtschaftsjunioren beteilige. Wenn ich dann sehe, dass wir allein in Aschaffenburg 2100 Bäume gepflanzt haben – also einen ganzen Wald – und ich mittlerweile durch mein Projekt bereits über 100.000 Baumversprechen weltweit bekommen habe, dann gibt mir das Kraft. Man sieht, dass man auch als Einzelner etwas bewegen und die Welt verändern kann.

Deshalb fühle ich mich nicht überfordert, weil das für mich eher Hobbys sind, die ich gerne mache. Natürlich brauche ich ab und zu auch Urlaub oder ich gönne mir mal eine Massage, um zu entspannen. Aber mittlerweile kann ich auch einiges an meine engagierten Mitarbeiter abgeben und meine Familie unterstützt mich ja auch tatkräftig.

Ich habe dazu neulich eine schöne Metapher gehört: „Der Trainer steht ja nicht selbst auf dem Platz, sondern die Mannschaft, und die schießt die Tore.“ Ohne ein verlässliches Team geht’s also nicht – und da sollte man als Führungskraft auch zusehen, die Trainerposition einzunehmen und den Mitarbeitern zu vertrauen. Denn die sind das wichtigste Gut. Alleine kann man die Welt nicht aus den Angeln heben.

Selfmade.de: Ihre Mitarbeiterzahl soll ja auch zukünftig noch steigen. Welche weiteren Pläne haben Sie für die Zukunft?

Vanessa Weber: Ja, wir suchen noch händeringend gute Außendienstler mit Fachkenntnissen. Also an guten Mitarbeitern sind wir immer interessiert, wer sich angesprochen fühlt kann sich gerne an mich wenden!

Außerdem plane ich unser Produktportfolio noch bekannter zu machen und auch das Einrichtungsthema weiter in den Vordergrund zu stellen, zum Beispiel haben wir kürzlich das neue Hyundai WRC in Alzenau komplett ausgerüstet und statten gerade das neue Hyundai Testcenter am Nürburgring aus.

Ansonsten möchte ich für mich persönlich noch die Redner-Karriere weiter ausbauen, also mein Wissen bei noch mehr Events und Talks weitergeben, um anderen auf ihren Weg zu helfen. Und ich möchte natürlich meine vielen Projekte weiterverfolgen, um die Welt eben ein kleines Stück besser zu machen.


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© Werkzeug Weber

Vanessa Weber ist seit 2002 Geschäftsführerin und Inhaberin der Werkzeug Weber GmbH & Co. KG in Aschaffenburg. Sie engagiert sich bei den E/D/E Junioren und Wirtschaftsjunioren, unterstützt das Plant-for-the-Planet-Projekt, tritt als Rednerin bei den Dresdner Erfolgstagen auf und gibt Ihr Wissen auch gerne bei Talks und Events weiter.

Mehr über Vanessa Weber und die Werkzeug Weber GmbH & Co. KG erfahren Sie unter: www.werkzeugweber.de.

Und wenn Sie Interesse daran haben, ein Teil von Werkzeug Webers Team zu werden, melden Sie sich unter [email protected].


Imagefilm der Werkzeug Weber GmbH & Co. KG:


Möchten auch Sie andere an Ihrer Erfolgsgeschichte teilhaben lassen und von Ihren Erfahrungen berichten? Dann schreiben Sie uns unter dem Betreff „Erfolgsgeschichte“ an [email protected].

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  1. Mathias Bauer

    Klasse Bericht! Leider hat sich am Ende beim Link zu http://www.werkzeugweber.de ein Fehler eingeschlichen. Dort fehlt der Buchstabe “k”.

  2. Heike Eberle

    klasse Artikel, vor allem als 22Jährige solche Schritte zu gehen: Ohne zaudern und murren einen geradlinigen Weg, der sicherlich nicht einfach war. Ich weiß wovon ich spreche, denn ich bin auch weibliche Nachfolgerin in einer Männerdomäne.
    Weiter so, Frau Weber!

    Herzliche Baugrüße

    Heike Eberle, http://www.eberlebau-landau.de

  3. Vanessa Weber auf selfmade.de | Werkzeug Weber

    [...] ganzen Beitrag können Sie >>hier; auf selfmade.de [...]

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