Nach den Olympischen Spielen sind London nun auch die Paralympics zu Ende gegangen. Die Atmosphäre und die Leistungen waren hervorragend. Selfmade-Erfolg präsentiert die großen Gewinner der letzten Wettbewerbe.

Eine Frau, ein Wurf

Einige Wettbewerbe gleichen Krimis mit Spannungsbögen und viel Dramatik. Beim paralympischen Kugelstoßen der Frauen hingegen waren die Würfel nach wenigen Sekunden gefallen. Birgit Kober trat an und gleich ihr erster Wurf bedeutete mit 10,25 Metern Gold und Weltrekord. Das gleiche – Sieg und neue Bestmarke – war der Deutschen bereits zuvor im Speerwerfen gelungen. Ihren zweifachen Triumph kommentierte Kober ebenso stolz wie gelassen: „Ganz großes Kino.“

„Ein kompletter Radfahrer“

Absolut kinotauglich ist auch die Karriere von Alessandro Zanardi. Der Italiener war Formel-1-Pilot, bis er 2001 bei einem entsetzlichen Unfall beide Beine verlor. Doch Zanardi gab nicht auf. 2007 entdeckte der Hochgeschwindigkeitssportler das Handbike für sich. Damit gewann er 2011 den New-York-Marathon und bei den Paralympics nun zwei Mal Gold: Nach seinem Sieg im Zeitfahren siegte er auch im Straßenrennen und absolvierte die 64 Kilometer in zwei Stunden und 32 Sekunden. „Dass ich dieses Rennen gewonnen habe, auf eine solch dramatische Weise, mit einem Sprint am Schluss“, sagte Zanardi hinterher, „macht mich richtig stolz. Und es zeigt, dass ich inzwischen ein kompletter Radfahrer bin. Auch wenn ich keine Beine habe.”

Gekommen, um zu siegen

Stolz darf auch Heinrich Popow sein. Der deutsche Sprinter gewann Gold in der vielleicht prestigeträchtigsten Disziplin überhaupt: über die 100 Meter. Der Oberschenkelamputierte ließ mit 12,4 Sekunden sogar den vierfachen Paralympics-Gewinner Wojtek Czyz hinter sich. Um seinen Siegeswillen hatte Popow bereits vor dem Finallauf keinen Hehl gemacht: „Ich trainiere doch nicht vier Jahre, um Zweiter zu werden.“ Das Training hat sich also gelohnt.

Bad in der Themse dank Teamwork


Nicht angetreten, um auf dem zweiten Platz zu landen, waren auch die deutschen Rollstuhlbasketballerinnen. Nach Silber bei den Paralympics wollte die Mannschaft um Marina Mohnen nun unbedingt Gold – und schaffte es. Im Finale besiegten die Athletinnen vor fast 13.000 Zuschauern die Australierinnen mit 58:44. Ihren Erfolg verdanken sie laut Johanna Welin vor allem einer Eigenschaft: Teamwork. „Wir sind ein Superteam – wenn wir zusammenspielen, dann kann uns niemand stoppen.“ Trainer Holger Glinicki musste nach dem Sieg eine Wette einlösen. Der Coach, der selbst im Rollstuhl sitzt, ging in der Themse baden.

Seit 470 Spielen ungeschlagen

Mit Wetten gegen den eigenen Erfolg hätte Esther Vergeer bis heute wenig Glück gehabt . Denn die Niederländerin ist im Rollstuhltennis seit nunmehr neun Jahren ohne Niederlage. Ihre sensationelle Bilanz krönte sie im Endspiel der Paralympics mit einem Sieg über Aniek van Koot. Es war Vergeers 470. gewonnenes Spiel in Folge.

Erfolg eines Hoffnungsträgers

Auch ohne Finalsieg war Thomas Schmidberger einer der großen Gewinner der paralympischen Sommerspiele in London. Nach Bronze im Tischtenniseinzel und Silber im Mannschaftswettbewerb durfte der 20-Jährige bei der Abschlussfeier die deutsche Fahne tragen. Dass einem der jüngsten Athleten diese Ehre zuteilwurde, sah Deutschlands Chef de Mission Karl Quade als „Zeichen in Richtung Jugend“. Thomas Schmidberger gehöre „zu einer Reihe von Hoffnungsträgern für die Spiele in Rio 2016“.

Denn dort wird es in vier Jahren wieder um Rekorde, Medaillen und ganz persönliche Erfolge für die paralympischen Sportler gehen. Vielleicht winkt Thomas Schmidberger dann ja sogar Gold.

Wir drücken auf jeden Fall allen Athleten auch für die Zukunft dir Daumen und bedanken uns bei allen Teilnehmern der Paralympics 2012 für spannende Wettbewerbe, sportliche Höchstleistungen und emotionale Momente.

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