Bei den paralympischen Sommerpielen 2012 wurden in London die ersten Medaillen vergeben. Selfmade-Erfolg zieht eine erste Zwischenbilanz. Wer waren die großen Gewinner?

Niemals aufgegeben

Im Jahr 2004 erlitt Sebastian Dietz bei einem schrecklichen Verkehrsunfall schwerste Verletzungen. Er behielt dauerhafte Lähmungen zurück. Unterkriegen ließ er sich von dem Schicksalsschlag jedoch nicht. Bei den Paralympics warf er den Diskus mit 38,45 Metern weiter als alle seine Konkurrenten und holte Gold.

„Das ist das Größte, einfach wunderschön“, freute sich Dietz über seinen Sieg. Dabei hatte der Athlet vor einigen Jahren seinen Sport bereits an den Nagel gehängt. In London wollte er aber unbedingt dabei sein: „Ich wollte schauen, ob ich es noch kann und ich glaube, ich habe allen gezeigt, dass es geht.“

Unterlegen und trotzdem ein Gewinner

Am Ende reichte es nur für Silber. Vor wenigen Wochen hatte es Oscar Pistorius bei den Olympischen Spielen bis ins Halbfinale über 200 Meter geschafft und bei den Paralympics bereits in der Qualifikation das Feld in der Weltrekordzeit von  21,30 Sekunden deklassiert. Sein Sieg im Finale galt darum als ausgemachte Sache. Doch der Südafrikaner wurde nur Zweiter. Gold holte der Brasilianer Alan Oliveira.


Pistorius (26) kann noch am Donnerstag und Samstag die Sprintdisziplinen über 100 und 400 Meter gewinnen. Und selbst wenn es ihm nicht gelingen sollte, bleibt er der bekannteste Sportler der Paralympics. In Großbritannien wurde als „Oscar Victorious“ sogar zur Comicfigur. Autor und Zeichner Mike Stirling bewundert Pistoriuos Durchsetzungsfähigkeit: „Als Menschen Oscar gesagt haben, er könne kein Athlet sein, weil er behindert ist, hat er das einfach ignoriert.“

Haarscharf am Dreifachtriumph vorbei

„Ich hätte im Traum nicht daran gedacht, so weit springen zu können“, sagte ein überglücklicherMarkus Rehm nach dem Gewinn der Goldmedaille. Doch im Londoner Olympiastadion vor 80.000 Zuschauern übertraf er nicht nur seine eigenen Erwartungen. Als wäre sein erster Paralympics-Sieg nicht Erfolg genug, setzte der unterschenkelamputierte 24-Jährige noch eine neue Weltbestmarke als Sahnehäubchen obendrauf. 7,35 Meter bedeuteten Rekord.

Beinahe hätte es sogar für einen deutschen Dreifachtriumph gereicht. Während Wojtek Czyz Silber holte, schob sich jedoch noch der Däne Daniel Jörgensen vor den am Ende viertplatzierten Heinrich Popow. Für die deutschen paralympischen Weitspringer war es trotzdem ein sensationell erfolgreiches Finale.

Trotz Blackout die Nerven behalten

Nach dem eher enttäuschenden Abschneiden der deutschen Dressurreiter bei den Olympischen Spielen machte es Hannelore Brenner (49) bei der paralympischen Dressur besser. Die inkomplett Querschnittsgelähmte holte Gold. Obwohl sie vor Aufregung kurz die Schrittfolge ihres Pferdes „Women oft he World“ vergaß, absolvierte sie ihren Ritt im Greenwich Park überzeugender als alle anderen Athleten und siegte mit deutlichem Abstand vor ihren Konkurrentinnen aus Großbritannien und Dänemark.

Der Favoritenrolle gerecht geworden

Bei den Olympischen Spielen musste sich Tischtennisass Timo Boll noch seinen chinesischen Konkurrenten beugen. Sein Kollege Jochen Wollmert hingegen schaffte bei den Paralympics, was Boll zuvor verwehrt geblieben war: Der 47-Jährige holte Gold im Tischtennis. Im Finale bezwang er den Briten William Bayley.

Als Wollmert nach seinem Sieg seinen weinend auf dem Boden liegenden Kontrahenten nicht nur umarmte, sondern auch noch aufrichtete und dessen Hand wie beim Boxen in die Luft streckte,  sorgte er damit für einen der denkwürdigsten Moment dieser Sommerspiele. Die Tageszeitung „Times“ nannte den dreifachen Olympiasieger „einen der größten ,Paralympians’ aller Zeiten“. Wollmerts Trainer will ihn für den Fair-Play-Preis nominieren. Egal ob er diese Auszeichnung auch noch erhalten wird, dürfte ihn das Londoner Publikum als großen Sportsmann in Erinnerung behalten.

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