Viele kommen, die meisten gehen wieder. Nur einige werden wirklich erfolgreich. Brita Segger kennt sie alle, und sie kennt sie ganz genau: die Promis dieser Welt.

Die Society-Expertin studierte Wirtschaft, Politik, Geschichte, Kommunikations-wissenschaften und Medienrecht an der Freien Universität Berlin. Danach folgte eine journalistische Karriere als Chefreporterin, Society-Kolumnistin und Autorin für „Bild“, „Bild am Sonntag“ und „Bunte“. Als People-Expertin stand sie schon vor den Kameras von RTL und Sat.1. Mittlerweile hat sie sich mit der PR-Agentur „Society Relations“ selbstständig gemacht.Durch die Beziehungen zu prominenten Persönlichkeiten und ihre Medien-Kenntnisse etablierte sie sich als Society-Expertin und Medien-Beraterin. Im Interview mit Selfmade-Erfolg lüftet sie die Geheimnisse der erfolgreichsten Entertainer weltweit.


Selfmade-Erfolg: Stefani Germanotta, besser bekannt als Lady Gagafeiert momentan einen Erfolg nach dem anderen. Grammy-, MTV Music- und BRIT-Awards – es hagelt nur so Preise bei der Italo-amerikanischen Sängerin. Seit 2011 führt sie die „Forbes-Liste“ der erfolgreichsten Entertainer an. Aber was genau macht den Erfolg von Lady Gaga aus?

Brita Segger: Lady Gagas Erfolgsgeheimnis ist ihre Einzigartigkeit. Sie polarisiert, emotionalisiert und sie entwickelt sich ständig weiter. Es gibt keinen Stillstand bei einer Lady Gaga. Egal wie spektakulär ein Auftritt war, sie toppt ihn beim nächsten wieder. Und das bleibt in den Köpfen der Zuschauer: Bei ihrer Show passiert immer etwas Besonderes. Alles an ihr ist absolut anders – Auftritte, Outfits, Frisuren. Ob ein schwebendes Klavier oder ein Kleid aus rohen Fleischstücken – sie bricht mit Konventionen und schockt gezielt.

Selfmade-Erfolg:  Auch andere Künstler schocken die Öffentlichkeit…

Brita Segger: Aber Lady Gaga hat dabei einen hohen Anspruch: Sie schockt beispielsweise nicht einfach mit bloßer Nacktheit. Sie inszeniert diese künstlerisch. Sie wirkt dadurch nie billig oder banal. Natürlich zielt sie auf die Nichteinhaltung des Gewohnten ab, natürlich überzeichnet sie das Normale und sie will auch nicht einem bestimmten Schönheitsideal entsprechen. Genau dies polarisiert und ist gleichzeitig als künstlerisches Stilmittel wertvoll.

Selfmade-Erfolg:  Manchen ist dieses Prinzip noch von einer Madonna aus den 80-ern bekannt. Ist Lady Gaga also die neue Madonna?

Brita Segger: Absolut. Nur ist Lady Gaga wesentlich schneller in der Umsetzung – und sie ist noch undurchsichtiger, geheimnisvoller. Lange schwieg sie über ihr Privatleben. Trotz großer investigativer Recherchen tappte die Weltpresse monatelang im Dunkeln, welche Person eigentlich hinter der Kunstfigur Lady Gaga steckt. Auch in ihrer Performance ist Lady Gaga ein bisschen konsequenter als Madonna. Sie legt in ihren Auftritten immer noch eine Schippe zusätzlich auf eine ohnehin professionelle Mega-Bühnen-Show drauf. Jedes noch so winzige Detail ist präzise geplant, absolut nichts ist dem Zufall überlassen. Nicht nur ihre Haare oder ihr Outfit sind außergewöhnlich. Sie ist ein Gesamtkunstwerk – das macht sie zur wahren Entertainerin.

Selfmade-Erfolg: Und trotzdem will Lady Gaga selbst nicht mit Madonna verglichen werden…

Brita Segger: Das kann ich gut verstehen. Als Künstlerin legt sie Wert auf ein eigenes Profil. Die beiden lassen sich auch nicht im Detail vergleichen, aber es sind zwei wahnsinnig starke Frauen, die enorme Karrieren hingelegt haben. Man sollte die unterschiedliche Zeitspanne ihrer jeweiligen Erfolgs-Ära betrachten. Den wirklich großen Erfolg hat Lady Gaga erst seit 2008. Madonna ist dagegen schon viele Jahrzehnte sehr erfolgreich. Ob sich Lady Gaga so lange halten wird, ob sie sich ebenfalls in 20 Jahren immer noch neu erfindet, kann man jetzt noch nicht sagen.

Selfmade-Erfolg: Auch wenn wir nicht 20 Jahre in die Zukunft blicken können, wie ist Lady Gagas Erfolgsprognose für die nächsten Jahre?

Brita Segger: Wenn sie selbst noch die Energie und den Willen hat, bin ich absolut sicher, sie kann ihr künstlerisches Potential so weiterentwickeln, dass es für ihre Fans bereichernd bleibt. Natürlich wird die Messlatte stetig höher liegen und sie muss an immer größere Erfolge anknüpfen – das wird ohne Frage schwierig. Bisher schafft sie das ausgezeichnet.

Selfmade-Erfolg: Sie ist ja vor allem durch die Social-Media-Kanäle auf Platz 1 der „Forbes-Liste“ gelandet. Warum macht das den Erfolg aus?

Brita Segger: Durch Social Media kann sie direkten Kontakt zu ihren Fans halten. Sie ist in ihren Performances weit weg, nicht unbedingt der normale Mensch. Aber das Instrument „Social Media“ macht sie wieder greifbar. Die Fans fühlen sich persönlich von ihr angesprochen und damit ist dies ein enorm wichtiges Tool für ihren Erfolg.

Selfmade-Erfolg: Kommen wir zu der Dame, die von Lady Gaga vom ersten Platz verdrängt wurde…

Brita Segger: Oprah Winfrey. Aber ich glaube, das können Sie so nicht sagen. Es werden zu unterschiedliche Bedürfnisse und Sparten bedient. Lady Gaga begeistert als Sängerin, Oprah Winfrey unterhält mit ihrer Talkshow oder ihrem eigenen TV-Sender. Das sind ganz unterschiedliche Arten des Entertainments.

Selfmade-Erfolg: Trotzdem führte Oprah Winfrey die „Forbes-Liste“ in den letzten Jahren als erfolgreichste Entertainerin an. Auch als Zweitplatzierte ist sie die erfolgreichste Talkshow-Moderatorin der Geschichte. Was macht sie anders als Ihre Kollegen?

Brita Segger: Oprah Winfreys Erfolgsgeheimnis ist ihre Authentizität. Sie ist mit 15 Jahren schwanger geworden, hat Drogen genommen, war esssüchtig. Diese Biographie lässt sie in den Augen ihres Publikums sehr glaubwürdig erscheinen. Sie ist liebenswürdig, emotional und immer respektvoll im Umgang mit Menschen. Durch diese besondere Art ist sie ihren Talkgästen nah. Viele haben sich bei Oprah geöffnet, Promis ebenso wie normale Menschen. Auf diese Weise ist hoch emotionales Fernsehen entstanden.

Selfmade-Erfolg: Aber auch in anderen Talkshows fließen Tränen…

Brita Segger: Es ist ihr Gesamtkonzept. Sie versuchte, über alle Themen offen zu berichten, auch über unschöne wie Drogensucht, Armut oder Kindesmissbrauch. Aber sie führte ihre Gäste keineswegs vor, sondern ging sehr respektvoll mit ihnen um. Oprah zeigte sich selbst dabei immer nahbar und menschlich, obwohl sie weltweit die erste afroamerikanische Milliardärin ist. Und trotz ihrer Feinfühligkeit griff sie hart und bestimmt durch, wenn jemand sie verschaukeln wollte.  Diese Authentizität und ihre regelmäßigen Spenden für wohltätige Zwecke haben ihre Glaubwürdigkeit gestärkt.

Selfmade-Erfolg: Im Mai 2011 dann die letzte Oprah-Sendung. Jetzt hat sie ihren eigenen Sender OWN (Oprah Winfrey Network). Wird sie auch damit so erfolgreich bleiben?

Brita Segger: Ich bin mir sicher, dass ihr der Erfolg treu bleiben wird, und ich finde es hervorragend, dass sie einen neuen Weg eingeschlagen hat. Sie hat sich weiterentwickelt und zeigt nun, dass ihr Erfolg nicht nur eine Talkshow gewesen ist, sondern ihre Medienpower die dahinter steckte.

Selfmade-Erfolg: Den beiden Damen folgt nun auf Platz 3 der Teenie-Schwarm Justin Bieber. Was unterscheidet ihn von den anderen gutaussehenden Jungs – warum ist gerade er so erfolgreich?

Brita Segger: Im Prinzip kann man seinen Erfolg auf einen Satz runterbrechen: Er ist einer von uns. Aufgewachsen in einem kleinen kanadischen Städtchen, keine reiche Familie oder berühmte Verwandte. Er liebte einfach die Musik und wurde schließlich über Youtube erfolgreich. Durch enorme Klickzahlen wurden Produzenten und Medien auf sein Talent aufmerksam. Er spiegelt den Traum von vielen Menschen wieder und zeigt, dass es eine normale Person schaffen kann, über die Social-Media-Kanäle jederzeit berühmt zu werden.

Selfmade-Erfolg: Aber warum wurde ein Justin Bieber zum dritterfolgreichsten Entertainer und Millionen andere Youtube-Nutzer, die ihre Videos hochstellen, nicht?

Brita Segger: Bei ihm kommt eben alles zusammen: Er hat Talent, den Mut es zu zeigen und ein Ziel vor Augen, das er konsequent weiterverfolgt hat. Er war ein Junge, der versuchte, seinen Traum zu leben. Er ist nicht nur etwas für die Ohren, sondern auch für die Augen – er ist ja nicht ohne Grund der Mädchenschwarm – und er vernetzte sich mit Gleichgesinnten. Er wurde durch und mit anderen Menschen über Youtube zum Star. Das ist faszinierender, als wenn Profis eine Boygroup casten und auf Erfolg trimmen.

Selfmade-Erfolg: Seit der Oscar-Verleihung 2011 ist sie offiziell, die Beziehung zu Sängerin und Schauspielerin Selena Gomez. Keine  Chance mehr für die weiblichen Fans. Trotzdem hat sich sein Erfolg nicht eingestellt, warum nicht?

Brita Segger: Natürlich ist es schön, wenn man einen Lieblings-Star hat, der Single ist, den man anhimmeln kann. Das funktioniert allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt wirklich glaubwürdig. Diese Entwicklung durchleben schließlich alle Jungen und Mädchen – sie werden erwachsener und haben ihre erste Beziehung. Auch Justin. Er bleibt authentisch, entwickelt sich mit seinen Fans in dieselbe Richtung. Und er durchlebt die gleichen Gefühle wie jeder Mensch: Liebe, Sehnsucht vielleicht auch Enttäuschung. Das führt uns wieder zu seinem grundsätzlichen Erfolgsgeheimnis: Er ist einer von uns.

Selfmade-Erfolg: Lady Gaga, Oprah Winfrey und Justin Bieber – alle aus einfachen Verhältnissen. Ist das der Garant für Erfolg?

Brita Segger: Für die Motivation ist es sicherlich eine tolle Voraussetzung. Wenn ich mit dem goldenen Löffel im Mund aufwachse, habe ich schließlich nicht die Motivation, dafür zu kämpfen – ich habe den goldenen Löffel ja schon. Das Wichtigste für Erfolg ist meiner Ansicht nach, dass die Person an sich glaubt und ihr Ziel konsequent verfolgt. Egal ob dieses Ziel berühmtester Fußballer, erfolgreichste Sängerin oder größter Schauspieler heißt. Man muss diszipliniert sein und an seinem Ziel arbeiten. Justin Bieber kann auch nicht einfach auf dem Sofa rumhängen und sagen: Heute mach ich  spontan frei. Er muss Autogramme schreiben, für Konzert- und Promotion-Auftritte um die Welt reisen, Bühnenprogramme erarbeiten und einstudieren und vieles mehr. Das ist extrem anstrengend. Genauso wie eine Oprah Winfrey oder eine Lady Gaga. Ohne dauerhafte Disziplin wird sich kein Erfolg einstellen. Vielleicht wird man durch Zufall oder Glück zum One-Hit-Wonder, aber für wirklichen Erfolg gehört weit mehr dazu.

Das Interview führte Jessica Walther

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