Jeder kennt das: Die Kollegin ist zu Tisch, ihr Telefon klingelt und man schreibt ihr eine Nachricht, wer da für sie angerufen hat. Damit sie die Notiz auch sieht, klebt man sie an den Monitor oder ans Telefon – mit einem gelben Post-it

Ohne diese praktischen kleinen Zettel mit dem wiederverwendbaren Klebestreifen wäre der Büroalltag rund um die Welt ein gutes Stück chaotischer. Post-its erleichtern die Organisation und die Kommunikation vom heimischen Küchentisch bis zur Chefetage. Das „Fortune Magazine“ ging sogar so weit, die Haftzettel im Format 7,6 mal 7,6 Zentimeter zu den wichtigsten Erfindungen des 20. Jahrhunderts zu zählen.

Heute sind nicht nur all jene dem Reiz der Post-its erlegen, die Notizen anheften wollen. Im Jahr 2000 wechselte ein vom Künstler Ronald Brooks Kitaj bemalter Klebezettel bei einer Versteigerung für 640 britische Pfund den Besitzer und ging damit ins Guinnessbuch der Rekorde ein. Seit einiger Zeit nutzen Menschen die mittlerweile in allen Regenbogenfarben erhältlichen Zettel sogar, um daraus fantasievolle Mosaike und Fensterbilder anzufertigen.
Auch mit ganzen Haftzettelblöcken lassen sich die interessantesten Dinge anstellen

Aber wo kommen die Post-its eigentlich her? Wer hat sie erfunden? Und was hat es mit ihrer gelben Farbe auf sich?

Eine gescheitertes Experiment und eine geniale Idee

Die Erfolgsgeschichte der berühmten Klebezettel beginnt 1968 mit einer verkorksten Erfindung. Damals versuchte der 26 Jahre alte Chemiker Spencer Silver einen Superkleber zu entwickeln. Am Ende seiner Experimente stand jedoch nichts, womit sich zwei Flächen bombenfest aneinander heften ließen, sondern eine leimartige Substanz mit bescheidenden Klebeeigenschaften. Ihr einziger Vorteil bestand darin, dass sie sich von jedweder Oberfläche spurlos wieder lösen ließ.

Der Klebstoff wanderte in die Schublade für unausgegorene Ideen und es dauerte vier Jahre, bis ihn jemand wieder hervorholte. Art Fry, ein Kollege Silvers bei der Minnesota Mining and Manufacturing Company (3M), sang im Kirchenchor. Seit Langem schon nervte es ihn, dass sich Lesezeichen nicht vernünftig an seinen Notenblättern befestigen ließen. Klebstoff und Tacker kamen nicht in Frage und verknicken wollte er das Papier auch nicht. Da erinnerte sich Fry an die Erfindung seines Kollegen. Er bestrich einen Notizzettel mit dem Kleber und geboren war der Post-it.

1,2 Millionen Post-its pro Tag

1978 schickte 3M Testmuster an Büros in den USA, zwei Jahre später führte das Unternehmen die Haftzettel in Nordamerika ein, 1981 auch in Europa. Eine Weltmarke war geboren. Seither wurde die Produktpalette um neue Papierformate und Farben erweitert und 2003 der Klebstoff verbessert – die Grundidee ist geblieben. Und die kommt noch immer gut an.
Laut Hersteller 3M benutzen Büroangestellte täglich durchschnittlich elf Post-its. Bei weltweit 15 verwendeten Haftnotizen pro Sekunde ergibt das pro Tag 1,2 Millionen Stück beziehungsweise eine Fläche von rund 7000 Quadratmetern – genug Platz, um einen Airbus A380 darauf zu parken. Kein schlechter Erfolg für ein Experiment, das als gescheitert galt und eine Idee, die eigentlich nur das Problem eines Hobbysängers lösen sollte.

Cord Krüger

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