Es naht die Vorweihnachtszeit

Wenn unablässig die Blätter von den Bäumen rieseln, die Kürbislaternen langsam vermodern, sich Spekulatius und Zimtsterne in den Supermarktgängen türmen und besonders strebsame Mitmenschen sich brüsten, sie hätten bereits „alle Geschenke beisammen“, wird auch dem Letzten klar: Der Herbst hat seinen Höhepunkt überschritten und die Vorweihnachtszeit reckt bereits ihr mit Lametta und Puderzucker geschmücktes Haupt. Weil zu dieser Zeit weder Erntetätigkeiten noch Kirchenfeste anstehen, wählen die USA stets am ersten Dienstag nach dem ersten Montag im November ihren Präsidenten. Und dieser ist gleich unser erster Gewinner der Woche.

Präsident der Vereinigten Sozialen Netzwerke

Barack Obama wurde in der Nacht auf Dienstag nicht nur als Präsident der Vereinigten Staaten wiedergewählt, er stellte auch Rekorde auf. Bei Twitter verbreitete sich die Nachricht vom Sieg in Windeseile 31 Millionen Mal und das mit einer Geschwindigkeit von 327.452 Tweeds pro Minute.

Als im Verlauf der Stimmauszählungen klar war, dass der Demokrat eine zweite Amtszeit bekommen würde, veröffentlichte er bei Facebook ein Foto, das ihn in inniger Umarmung mit seiner Frau Michelle zeigt. Dazu die schlichte Siegesmeldung: „Four more years“, vier weitere Jahre. Mit zur Stunde mehr als 4,1 Millionen Likes ist diese – mehr als 560.000 Mal geteilte und knapp 202.000-fach kommentierte – Nachricht die erfolgreichste in der Geschichte des Sozialen Netzwerk.

Bereits in seinem ersten Präsidentschaftswahlkampf hatte Barack Obama Twitter und Facebook zur Mobilisierung seiner Anhänger besser genutzt als je ein Politiker zuvor. Seine Rekordnachricht zeigt einmal mehr, worauf es dabei ankommt: starke Bilder und einfache, am besten emotionalisierende Botschaften.

„Die Wahrheit liegt auf dem Platz“ (Otto Rehagel)

Über mangelnden Zuspruch konnte sich auch Nationalspieler Mesut Özil diese Woche ebenfalls nicht beklagen – im Gegensatz zu den Wochen davor. Real Madrids Spielmacher war bei der für ihre Launen gefürchteten spanischen Fußballpresse in Ungnade gefallen. Die Antwort auf das ständige Gemaule über angeblich mangelnden Einsatz und fehlende Impulse gab der 24-Jährige nicht in einem Interview, sondern auf dem Platz. Im Champions-League-Spiel gegen Borussia Dortmund rettete Özil seiner Mannschaft einen Punkt mit einer Torvorlage und einem direkt verwandelten Freistoß kurz vor dem Abpfiff.

Das Presse-Echo fiel trotz dieser überragenden Effektivität zwar gemischt aus. So schrieb El Mundo: „Özil verhindert in meisterlicher Manier eine Niederlage Reals.“ Marca meinte: „Özil rettet Real“ Andere Zeitungen schrieben das Freistoßtor hingegen einem Torwartfehler zu anstatt Özils Schusstechnik. Und der Mittelfeldstratege? Der blieb cool und hüllte sich in Schweigen. Wer so wichtige Tore spielt und sich vom Medienzirkus nicht verrückt machen lässt, ist für uns ein klarerer Gewinner der Woche.

Vom Hollywood-Schönling zum Meisterregisseur

Nicht von schlechter Presse beeindrucken ließ sich auf Ben Affleck. Nach viel hämischer Kritik und drei Goldenen Himbeeren als miesester Darsteller des Jahres, wechselte er 2007 seinen Hauptberuf und sattelte um. Gleich seine erste Regiearbeit Gone Baby Gone bescherte ihm etwas bis dahin praktisch Unbekanntes: Lob von allen Seiten. Afflecks zweiter Streich, der Thriller The Town, kam 2010 sogar noch besser an.

Und jetzt schickt sich sein dritter Spielfilm an, zu seinem erfolgreichsten überhaupt zu werden. Argo handelt davon, wie die CIA 1979 amerikanische Botschaftsangehörige aus Teheran herausschmuggelte. Dazu erfanden sie eigens einen Science-Fiction-Film, um die Eingeschlossenen als Teil der Filmcrew ausgeben zu können. Klingt unrealistisch, ist aber tatsächlich so passiert. Regisseur Ben Affleck wird als „brillanter Regisseur“ (Spiegel) gefeiert und darf sich berechtigte Hoffnung auf eine Oscar-Nominierung machen.

Schüler, Gymnasiast, Schutzengel

Eine Heldentat ohne jedes Hollywood-Pathos vollbrachte ein Gymnasiast. Der 16-Jährige rettete einen Betrunkenen, der mit seinem Auto auf einem Bahnübergang in Brandenburg an der Havel verunfallt war. Als der Schüler das Unglück bemerkte, griff er beherzt ein und zog den Mann aus seinem Fahrzeug, kurz bevor ein Güterzug den Wagen zerschmetterte.

Andere Passanten, die unschlüssig herumstanden, schrie der Junge an, sie mögen endlich einen Verbandskasten holen. Er erlitt einen Schock, der Unfallfahrer konnte tags darauf bereits wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden. Bei ihm wurde ein Alkoholpegel von 2,85 Promille festgestellt. Auf die Frage, ob er wütend auf den Mann sei, antwortete dessen 16-jähriger Schutzengel, nein, „nur auf die, die nichts gemacht haben“.

Lesen Sie auch

Noch keine Kommentare vorhanden.

Sag' Deine Meinung!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *