Früher munter dank Zeitumstellung

Angesichts der Verheerungen, die Hurrikan Sandy an der Ostküste der Vereinigten Staaten angerichtet hat, sollte man sich hierzulande mit Kommentaren über das regnerisch-kalte Witterung bedeckt halten. Die Zeitumstellung brachte hingegen Anlass zur Freude. Nicht nur, dass alle am Sonntag eine Stunde länger schlafen durften, die Extrastunde ließ die meisten auch noch in den kommenden Tagen besser aus den Federn kommen. Selbst die ausgeschlafensten Filmfans dürften sich am Dienstag jedoch ungläubig die Augen gerieben haben, beim Blick auf die Nachrichten:

Ein Erfolgsproduzent als Wohltäter

Star Wars-Schöpfer George Lucas (68) machte diese Woche Schlagzeilen. Für 4 Milliarden US-Dollar verkaufte er sein Unternehmen Lucasfilm mitsamt aller Rechte an der Krieg-der-Sterne-Saga und Indiana Jones sowie der weltbekannten Effektschmiede Industrial Light & Magic (ILM) an Disney. Star Wars-Anhänger warten nun mehr oder weniger enthusiastisch auf die bereits für 2015 angekündigte Episode 7. Aber auch für alle, denen Jedi-Ritter und Wookiees herzlich egal sind, ist dies eine gute Nachricht, kündigte George Lucas doch an, mindestens ein Viertel des Erlöses für Bildungsinitiativen spenden zu wollen. Der Erfolgsproduzent als Wohltäter: für uns ein klarer Gewinner der Woche.

Der „Bochum“-Sänger in Leipzig

Noch ein anderer Künstler gab sich in den vergangenen Tagen freigiebig. Herbert Grönemeyer brachte zwar nicht sein Vermögen unter die Leute, aber sein Wissen. In Leipzig durfte Deutschlands erfolgreichster Solokünstler als Poetikdozent von seiner Dichtkunst erzählen. Vor ihm wurde diese Ehre – stets am Reformationstag – gefeierten Romanciers wie Uwe Tellkampf (Der Turm), Ingo Schulze und Nobelpreisträgerin Herta Müller zuteil.

Wo sonst Schriftsteller Einblicke in ihre Arbeit gewähren, durfte nun Poppoet Grönemeyer ran. Er berichtete über sein Verhältnis zum Ruhrpottdeutsch und wie er Texte zur Musik entwickelt. Richard Kämmerlings von der „Welt“ bezeichnete seinen Vortrag als „pointensicher bis zur Kabarettreife“. Im kommenden Jahr soll Grönemeyers Gastvorlesung sogar als Buch erscheinen.

Viele Retter in der Not

Eine Art Vortrag hielt auch der republikanische Gouverneur des vom Hurrikan Sandy gebeutelten New Jersey, Chris Christie, den Moderatoren von Fox News. Man könnte es allerdings auch als Anpfiff bezeichnen. Auf die Frage der Journalisten, ob er in den nächsten Tagen Wahlkampf für Mitt Romney machen werde, blaffte Christie: „Ich habe hier einen Job zu machen. 2,4 Millionen Leute sind bei uns ohne Strom, zerstörte Küsten, Überflutungen im Norden. Wenn Sie glauben, dass ich mich da auch nur einen Scheiß um die Präsidentschaftswahl kümmere, kennen Sie mich nicht.“ Amerikaner mögen Pragmatiker und so avancierte Chris Christie zum Medienliebling.

Neben dem umtriebigen Gouverneur brachte der Hurrikan noch eine ganze Reihe weiterer Helden hervor. Rettungsflieger bargen ohne Unterbrechung in Not geratene, darunter 14 der 16 Besatzungsmitglieder des Segelschiffs „Bounty“. Die Ärzte und Pfleger im New Yorker University Medical Centre brachten 215 Patienten in Sicherheit, als der Sturm das Krankenhaus unter Wasser gesetzt hatte. Und Gebärdendolmetscherin Lydia Calas übersetzte unermüdlich die Anweisungen von New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg.

…und die ewige Liebe

Ein Opfer des Hurrikans wurde unter anderem ein historisches Riesenrad im Küstenörtchen Seaside Heights in New Jersey. Es hatte bereits 1925 Touristen und Flaneure angelockt, zu einer Zeit als Fords T-Modelle über die Straßen der unter der Prohibition leidenden Vereinigten Staaten tuckern und in den Kinos Stummfilme an wie The Gold Rush von Charlie Chaplin und Panzerkreuzer Potemkin von Sergei Eisenstein liefen.

1925 passierte noch etwas weniger weltbewegendes: In Indien heiratete Karam Chand seine Frau Katari und während T-Modelle auf den Straßen heute so selten sind wie Stummfilme im Kino, sind Karam (107) und Katari (100) noch immer glücklich verheiratet. Ihre nunmehr 87 Jahre währende Ehe ist die längste der Welt. Auf sein Erfolgsgeheimnis angesprochen sagte Karam: „Mein Trick ist, Katari zum Lachen zu bringen. Man sagt, lachen verlängert das Leben. Meine Frau lebt noch immer, also hat es funktioniert.“ Katari hat eine andere Erklärung: „Wir sind Vegetarier und ich habe immer darauf geachtet, dass er sich gesund ernährt.“

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