„Es hat Zukunft.“ Selbst Altkanzler Helmut Schmidt ist von Twitter überzeugt, wie er dem „Zeit-Magazin“ gestand. Der Aufstieg des Internetdienstes ist eine gigantische Erfolgsgeschichte. Inzwischen twittern weltweit 140 Millionen Menschen. In Deutschland knackte das Unternehmen jetzt die Marke von vier Millionen Usern.

Große Ereignisse bedürfen nicht immer vieler Worte. Im Fall von Marina Weißband waren es gerade einmal drei. Mit dem Tweed „He did it“ gab das wohl bekannteste Gesicht der Piratenpartei ihren 27.000 Followern ihre Verlobung bekannt.

Twitter (engl. to twitter = zwitschern), das Unternehmen, das es binnen sechs Jahren von einer Idee zu einem der wichtigsten Internetdienste der Welt gebracht hat. Vor allem aber ist es eine Erfolgsgeschichte von solcher Rasanz, wie sie derzeit nur das Internet schreiben kann.

Nicht einmal eintausend Mitarbeiter erwirtschafteten 2011 einen Jahreserlös von 110 Millionen US-Dollar. Allein in den letzten Monaten verdoppelte sich der Börsenwert auf mittlerweile fast acht Milliarden. Geld verdient Twitter mit personalisierter Werbung, allerdings längst nicht so viel wie Google oder Facebook. Ob Twitter irgendwann scheitern wird, weil es nicht gelingt, die immense Aufmerksamkeit der Nutzer zu Geld zu machen, ist offen.

Im Zeichen des #


Bei den Nutzern hält der Aufstieg des sozialen Netzwerks jedoch an. Inzwischen halten sich 140 Millionen aktive User täglich mit 340 Millionen Kurznachrichten von je nicht mehr als 140 Zeichen gegenseitig auf dem Laufenden. Denn darum geht es: bedingungslose Aktualität.
Daneben verhalf Twitter einem auf den Computertastaturen der Welt fast schon vom Aussterben bedrohten Zeichen zu einer Renaissance: dem #, auf Englisch Hashtag genannt. Damit werden bei Twitter bestimmte Formulierungen als Stichworte markiert. Ohne die Analyse solcher Hashtags kommt heute kein Nachrichtenanbieter mehr aus. Was bei Twitter zum heißen Thema wird, taucht kurze Zeit später auch in anderen Medien auf.

Twitter wird zum Nachrichtenmedium

Dadurch ist Twitter natürlich auch für Politiker interessant. Barack Obama war der erste, der 2009 über diesen Kanal mit seinen Wahlkampfhelfern und Interessierten kommunizierte. Heute twittert jeder: Regierungssprecher Steffen Seibert unter dem Namen @RegSprecher; Microsoft-Gründer Bill Gates; und Lady Gaga wurde vom Forbes Magazine nicht zuletzt wegen ihrer 23 Millionen Follower zum einflussreichsten Prominenten des Planeten gekürt.
Während des Arabischen Frühlings oder der Tsunami-Katastrophe in Japan avancierte Twitter zum wichtigsten Verbreitungskanal für Nachrichten, an die so schnell keine Reporter vor Ort herankamen. Natürlich berichten nicht alle der 140 Millionen Nutzer aus Krisengebieten, aber wenn es einer tut, verbreitet sich seine Nachricht in Echtzeit über den Globus. Selbst das französische Wahlrecht konnte jüngst nicht verhindern, dass Prognosen über den Ausgang der Präsidentschaftswahl vor der gesetzlich festgelegten Zeit an die Öffentlichkeit drangen. So mächtig ist der Internetdienst inzwischen.
Twitter verhilft Menschen zum Erfolg und ist selbst einer. Und dafür brauchte es nicht mehr als die Idee, die Geschichten des Lebens mit anderen zu teilen – solange sie sich nur in 140 Zeichen erzählen lassen. Für die allergrößten reichen ja, wie bei Marina Weißbach, manchmal schon neun.

Cord Krüger

Lesen Sie auch

Noch keine Kommentare vorhanden.

Sag' Deine Meinung!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *