Erfindungen ergeben sich nicht immer durch methodisches Vorgehen und exakte Planungen. Häufig besteht die größte Leistung darin, „für die Lösung, die man entdeckt hat, das passende Problem zu finden“ – so Theodore Mainan, der Erfinder des Lasers. Bei den folgenden zehn Zufalls-Erfindungen ist das geglückt, dabei war ihr Zustandekommen oft abenteuerlich.

Porzellan

Tabletten zur Potenzsteigerung

Eine der bekanntesten Zufalls-Erfindungen: Viagra.

Das große Ziel der Alchemie ist seit jeher die Herstellung von Gold. Nachdem sich langsam die Meinung durchgesetzt hatte, dass dies mit einfachen Mineralien nicht möglich war, ging man zu edleren Stoffen über. So beauftragte der sächsische Kurfürst August der Starke (1670-1733) den Alchimisten Johann Friedrich Böttger (1682-1719) mit der Umwandlung von Silber in Gold.

Böttger brannte bei seinen Experimenten unter anderem eine Mischung aus Tonerde, Feldspat, Quarz und Wasser. Das Ergebnis war zwar nicht Gold, dafür aber Porzellan. Das war in China zwar bereits 1000 Jahre zuvor erfunden worden – nur preisgegeben hatten sie ihre Rezeptur nie. Der Kurfürst konnte so den Traum der Alchemisten in gewisser Weise verwirklichen: Ihn machte Böttgers Entdeckung steinreich.

Teflon

Auch wenn es immer wieder behauptet wird, ist Teflon (unter Chemikern auch Polytetrafluorethylen genannt) kein Nebenprodukt der Raumforschung. Vielmehr kam es bereits beim Bau der ersten Atombombe zum Einsatz. Seine Entdeckung jedoch verdankt es einem Zufall: Chemiker Roy Plunkett (1910-1994) experimentierte 1938 mit Kältemitteln für Kühlschränke und fand am Boden eines Reaktionsgefäßes als Nebenprodukt farblose Krümel. Diese erwiesen sich als außerordentlich reaktionsträge. Jahre später beschichtete ein französischer Kollege Plunketts, Marc Grégoire seine Angelschnur mit Teflon. Dessen Ehefrau wiederum hatte dann 1954 den Geistesblitz, Pfannen mit einer Teflonschicht zu versehen.

Penicillin

Lebensmittelvergiftungen sind gefährlich und gehen meist auf Bakterien zurück. Um Erregern vom Stamm der Staphylokokken den Garaus zu machen, versuchte der schottische Bakteriologe Alexander Fleming (1881-1955) alles Mögliche, bis ihm 1928 ein Fehler unterlief. Ihm geriet ein Schimmelpilz in den Versuchsaufbau, der die Staphylokokken umgehend abtötete. Der Name des Pilzes, der bis heute unzähligen Menschen das Leben rettete, lautet Penicillin.

Fotografie

Anfang des 19. Jahrhunderts konnte man zwar Bilder mit einer Camera Obscura aufnehmen und projizieren, diese allerdings noch nicht aufnehmen. Der Franzose Louis Jacques Mandé Daguerre (1787-1851) verdiente sein Geld, indem er Projektionen abmalte. Bei seinen Experimenten stellte er fest, dass Silberplatten Bilder zumindest für kurze Zeit festhalten konnten. Als er bei seiner Arbeit im Freien von einem Gewitter überrascht wurde, stellte er eine gerade belichtete Silberplatte in einen Schrank, in dem zufällig auch Quecksilberkügelchen lagerten. Am nächsten Morgen stellte Daguerre fest, dass das Bild noch immer zu erkennen war: Er hatte das erste handhabbare Fotografie-Verfahren entdeckt, die Daguerrotypie.

Viagra

Als man in den 1990er Jahren beim amerikanischen Pharmakonzern Pfizer auf der Suche nach einem durchblutungsfördernden Herzmedikament war, stieß man in der Forschungsabteilung auf einen Wirkstoff namens Slidenafil. Dieser verbesserte allerdings nicht nur die Durchblutung des Herzens, sondern bei Männern ebenso die des Penis‘. So brachte Pfizer 1998 seine bis heute erfolgreichste Arznei auf den Markt: Viagra.

Benzol

Die Chemikalie Benzol entdeckte er zwar nicht als Erster, dafür konnte er sie als Erster zeichnen. Der deutsche Chemiker August Kekulé (1829-1896) träumte 1865 nach eigenen Aussagen von einer Schlange, die sich selbst in den Schwanz biss. Er benutzte dieses Bild, um die chemische Struktur des Benzols darzustellen: geboren war die Strukturformel.

Röntgenstrahlen

Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923) arbeitete mit der kurz zuvor erfundenen Elektronenstrahlung. Als er feststellte, dass diese fluoreszierende Gegenstände zum Leuchten bringen konnten, bat er seine Frau Anna um einen Gefallen. Sie hielt ihre Hand auf eine Fotoplatte, ihr Mann durchleuchtete sie und schuf so am 22. Dezember 1895 ein Bild, das ihm sechs Jahre später den Nobelpreis für Physik einbringen sollte. Die erste Röntgen-Aufnahme zeigte Anna Röntgens Hand mit Ehering.

Anti-Baby-Pille

Der aus Österreich in die USA emigrierte Chemiker Carl Djerassi (*1923) wollte ein Medikament gegen Arthritis entwickeln und forschte dazu 1950 an Steroiden, um künstliches Cortison zu gewinnen. Dabei stieß er auf Norethisteron, ein synthetisches Gestagen. Djerassi erkannte das Potenzial und erschuf daraus mit zwei Kollegen die Anti-Baby-Pille.

Cola

Was wir heute unter dem Namen Coca-Cola kennen, nahm seinen Anfang als Mittel gegen Kopf- und Magenschmerzen. 1887 entwickelte John Pemberton (1831-1888) ein Medikament (dessen Rezeptur bis heute ein Geheimnis ist) und goss es, der Bekömmlichkeit Willen, mit Sodawasser auf. Seinen medizinischen Zweck erfüllte die braune Brause leidlich, ihr Geschmack hingegen machte sie zu einem gigantischen Erfolg – und Coca Cola zur wertvollsten und bekanntesten Marke der Welt.

Cornflakes

John Harvey Kellog (1852-1943) war ein exzentrischer Zeitgenosse. Ende des 19. Jahrhunderts betrieb er ein Sanatorium in Michigan und verschrieb seinen Patienten nicht nur fleischlose Ernährung, sondern auch absolute sexuelle Enthaltsamkeit. Um den Genesungsprozess der häufig übergewichtigen Rekonvaleszenten zu befördern, erfand Kellog 1894 gemeinsam mit seinem Bruder Will Keith Kellog (1807-1881) knusprige Weizenflocken. Als diese gut ankamen, gründeten die beiden eine Firma und Will Keith Kellog entwickelte die Flocken auf Maisbasis zu Cornflakes weiter. Bei seiner nächsten Nahrungsmittelinnovation hatte John Harvey Kellog vor allem die zahnlosen Patienten im Sinn. Aus dem von ihm 1895 patentierten Erdnussmehl stellte er Erdnussbutter her. Der Ernährungsexperte hatte einen Dickmacher erfunden.

Zufalls-Erfindungen gibt es immer noch

Die Zeit der erfolgreichen Zufalls-Erfindungen ist noch lange nicht vorbei. Der Nobelpreis für Chemie ging im Jahr 2000 an die Amerikaner Alan J. Heeger und Alan MacDiarmid sowie der Japaner Hideki Shirakawa für ihre Entdeckung elektrisch leitfähiger Kunststoffe. Diese war nur möglich, weil einer der Forscher bei einem Experiment zu viel eines Inhaltsstoffes verwendete, genauer gesagt: eintausend mal zu viel. Das Resultat dieser Unachtsamkeit könnte ein Zeitalter der Organischen Elektronik begründen.

Lesen Sie auch

Noch keine Kommentare vorhanden.

Sag' Deine Meinung!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *