Michael Phelps bei den Olympischen Spielen 2008 (Quelle: White House photo by Eric Draper), via Wikimedia Commons.

Seine Freundin nennt ihn liebevoll „Bär“, alle anderen ehrfürchtig den erfolgreichsten Athleten in der Geschichte der Olympischen Spiele. Michael Phelps ist ein Phänomen. Bei drei Olympiaden seit 2004 gewann er sagenhafte 22 Medaillen, davon 18 Mal Gold. Insgesamt war er bei internationalen Wettbewerben 57 Mal der Schnellste. Mit 39 Weltrekorden stellte er mehr auf als je ein Schwimmer zuvor. Phelps individuelle Erfolgsbilanz ist besser als die der meisten Schwimmverbände.

Dabei war der Sport nicht von Anfang an seine Berufung, sondern eher eine Art Rettung. Als Kind wurde bei Phelps das Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom ADHS diagnostiziert. Mit sieben begann er darum zu schwimmen, mit zehn war er bereits besser als alle seine Altersgenossen und mit 15 nahm er an seinen ersten Olympischen Spielen teil. Eine Medaille gewann er 2000 zwar nicht, belegte über 200 Meter Schmetterling jedoch einen mehr als respektablen fünften Platz.

Phelps Vorbild zu dieser Zeit, Ian Thorpe, gewann damals in Sydney dreimal Gold. Er sollte den australischen Superstar schon bald übertreffen. Nur ein Jahr später brach Phelps Thorpes Weltrekord über 200 Meter Schmetterling und wurde damit zum jüngsten Rekordschwimmer aller Zeiten. 2001 verbesserte er seine eigene Zeit nochmals und wurde damit Weltmeister. Eine wahre Flut von Medaillen sollte folgen. Phelps dominierte die internationalen Schwimmwettbewerbe danach ein Jahrzehnt lang nach Belieben. Egal in welcher Disziplin, egal über welche Distanz: Wo immer Phelps antrat, durfte man fast sicher sein, dass er Gold holte.

Übermenschliche Leistungen

Wo andere Weltstars mit Skandalen in den Schlagzeilen landen, reichte es bei Michael Phelps – glücklicherweise – gerade einmal zu „Skandälchen“: 2004 wurde er wegen Trunkenheit am Steuer verhaftet und zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. 2009 suspendierte ihn der amerikanische Schwimmverband für drei Monate wegen eines durch die Boulevardpresse geisternden Fotos, das den Sportler Wasserpfeife-rauchend zeigte. Im gleichen Jahr wurde er zum Weltschwimmer des Jahres gewählt – zum sechsten Mal. Phelps schier übermenschliche Leistungen im Schwimmbecken ließen negative Schlagzeilen stets verblassen.

Die Olympischen Spiele in London werden Phelps letzte gewesen sein. Der beste Schwimmer aller Zeiten beendet seine Karriere – mit 27 Jahren. In einem Interview nach seinem letzten Wettkampf sagte er, er wisse noch nicht, was er als Nächstes machen werde. Erst mal wolle er sich antrainieren, länger als bis sechs Uhr früh schlafen zu können. Als „Rentner“ darf er sich das ja erlauben.

Phelps wird ein neues Gebiet finden, auf dem er Erfolge erringen kann. Das Idol ganzer Generationen von Nachwuchsschimmern ist er ja bereits heute.

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